In In­do­ne­si­en Kon­tak­te ge­knüpft

Ale­na Dent­ler macht Aus­lands­se­mes­ter auf Ba­li

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ju­li­an Zach­mann

Kel­tern-Diet­lin­gen. Die Lie­be zu Tex­ti­li­en ver­spür­te Ale­na Dent­ler schon in der Kind­heit. Als Toch­ter ei­ner De­si­gne­rin ge­hör­ten Knöp­fe und Stof­fe mit in die Spiel­zeug­kis­te. Spä­ter durf­te sie ih­re Mut­ter zur Ar­beit in ei­nem Sin­del­fin­ger Show­room be­glei­ten. Doch wo­her kom­men un­se­re Stof­fe über­haupt und wie wer­den sie pro­du­ziert? Das woll­te die 23-Jäh­ri­ge aus Diet­lin­gen ge­nau­er wis­sen und ent­schei­det sich für den in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­te­ten Stu­di­en­gang „Tex­ti­le and Clo­thing Ma­nage­ment“an der Hoch­schu­le Nie­der­rhein in Mön­chen­glad­bach. Kurz vor der Ba­che­l­or­ar­beit führ­te sie ein Aus­lands­se­mes­ter an die Udanya Uni­ver­si­ty auf der in­do­ne­si­schen In­sel Ba­li – und da­mit mit­ten hin­ein in ei­ne Re­gi­on vol­ler Web­dör­fer, Stoff­märk­te und Pro­duk­ti­ons­stät­ten tra­di­tio­nel­ler Tex­til­tech­ni­ken.

„Vie­le ver­bin­den Ba­li mit ei­nem Ur­laubs­ort, aber ich ha­be es ganz an­ders ken­nen­ge­lernt“, ver­deut­licht die Tex­til-Stu­den­tin, die schnell Kon­tak­te knüpf­te und nach den Vor­le­sun­gen in manch ver­steck­tem Hin­ter­hof den Ein­hei­mi­schen über die Schul­ter schau­te. Ne­ben über­wäl­ti­gen­den neu­en Ein­drü­cken ha­ben sie an­de­rer­seits auch ne­ga­ti­ve Er­fah­run­gen ge­macht: „Vie­le be­nut­zen syn­the­ti­sche Far­ben und lei­ten die gif­ti­gen Ab­wäs­ser di­rekt in den Fluss. Auf um­lie­gen­den Reis­fel­dern konn­ten die Ein­hei­mi­schen we­gen der Ver­schmut­zung teil­wei­se gar nichts mehr an­bau­en und bei Hoch­was­ser sah der Fluss aus wie ein Re­gen­bo­gen.“Als Eu­ro­pä­er be­kom­me man da ein schlech­tes Ge­wis­sen, wenn man be­den­ke, dass sich sol­che bil­lig aber um­welt­schäd­lich pro­du­zier­ten Tex­ti­li­en in vie­len Klei­der­schrän­ken wie­der­fin­den.

Die nach­hal­ti­ge Tex­til­pro­duk­ti­on im Blick

Doch es geht auch an­ders: Bei ih­rer Ba­li-Tour ist Ale­na Dent­ler auf die Or­ga­ni­sa­ti­on „Th­reads of Li­fe“ge­sto­ßen. Sie un­ter­stützt die Pro­duk­ti­on nach tra­di­tio­nel­len Tech­ni­ken wie dem Ba­tik, bei dem man mit Wachs re­li­giö­se, geo­me­tri­sche oder na­tür­li­che Sym­bo­le auf das Tuch malt, be­vor man es färbt. Die­se Or­ga­ni­sa­ti­on ar­bei­tet mit pflanz­li­chen, sau­be­ren Farb­stof­fen. So durf­te die 23-Jäh­ri­ge aus den Blät­tern der In­di­goPflan­ze ih­re ei­ge­ne blaue Far­be ge­win­nen und da­mit ei­nen Baum­woll­stoff fär­ben. Mit dem Rol­ler be­such­te sie dar­auf­hin ein ab­ge­le­ge­nes Dorf im Os­ten Ba­lis, wo sie ih­re ers­ten Ikat-Gar­ne ver­we­ben konn­te: „Al­ler­dings sind sol­che Tech­ni­ken sehr zeit­auf­wän­dig und die fer­ti­gen Pro­duk­te nicht ganz bil­lig.“

Klas­se statt Mas­se: Zu­rück zu­hau­se wid­met Ale­na Dent­ler ih­re Ba­che­l­or­ar­beit der För­de­rung nach­hal­ti­ger Tex­til­pro­duk­ti­on. Un­ter an­de­rem hat sie ein Mar­ke­ting­kon­zept zur Be­kannt­ma­chung und Ver­mark­tung tra­di­tio­nel­ler ba­li­ne­si­scher Tex­ti­li­en in Deutsch­land ent­wi­ckelt.

Ne­ben In­ter­net-Shops und so­zia­len Netz­wer­ken setzt sie da­bei vor al­lem auf so­ge­nann­te Pop-up-Sto­res: Plötz­lich und vor­über­ge­hend auf­tau­chen­de Ge­schäf­te in Groß­städ­ten, in de­nen man die Tex­ti­li­en nicht nur kau­fen, son­dern sich in per­sön­li­chem Kon­takt auch über de­ren Ge­schich­te und Her­stel­lung in­for­mie­ren, viel­leicht so­gar aus­pro­bie­ren und Lein­wän­de mit In­di­go be­ma­len kann. Bis­her gibt es die­se Ge­schäfts­idee

DAS BLAUE BA­TIK-TUCH hat Ale­na Dent­ler wäh­rend ih­res Aus­lands­se­mes­ters in Ba­li zu­sam­men mit Ein­hei­mi­schen selbst ge­färbt. In ih­rer Ba­che­l­or­ar­beit er­stellt die Diet­lin­ge­rin nun ein Mar­ke­ting­kon­zept für tra­di­tio­nel­le ba­li­ne­si­sche Tex­ti­li­en. Fo­tos: Zach­mann/privat

TRA­DI­TIO­NEL­LE FÄRBETECHNIKEN für Tex­ti­li­en konn­te Ale­na Dent­ler auf der in­do­ne­si­schen In­sel Ba­li haut­nah ken­nen­ler­nen.

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