In­ven­tur bringt Dieb­stahl ans Licht

Mann soll Edel­me­tall aus Gold- und Sil­ber­schei­de­an­stalt ge­stoh­len ha­ben

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Wims­heim/Maul­bronn (ih). Bei den Edel­me­tall­dieb­stäh­len aus ei­ner Wims­hei­mer Gold- und Sil­ber­schei­de­an­stalt dürf­te es sich um den Job ei­nes In­si­ders ge­han­delt ha­ben. Dies be­stä­tig­te die Be­fra­gung wei­te­rer An­ge­stell­ter durch Ver­tei­di­ger Muz­af­fer Bay­lan auf der Su­che nach al­ter­na­ti­ven Ver­däch­ti­gen bei der Fort­set­zung der Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt Maul­bronn.

Nie­mand hat et­was ge­hört, kei­ner hat et­was ge­se­hen und auch die Vi­deo-Ka­me­ras er­tapp­ten den Tä­ter nicht auf fri­scher Tat. Ei­ne Live-Über­wa­chung der An­ge­stell­ten ver­bie­te sich schon aus Grün­den des Da­ten­schut­zes, er­läu­ter­te der für die Si­cher­heits­tech­nik zu­stän­di­ge Sys­tem­ad­mi­nis­tra­tor Amts­ge­richts­di­rek­tor Bernd Lind­ner. Erst ei­ne In­ven­tur brach­te den Dieb­stahl ans Licht: An zehn Ta­gen zwi­schen dem 5. Sep­tem­ber und dem 19. No­vem­ber 2015 stimm­ten die ge­buch­ten Men­gen ver­schie­de­ner Gold­le­gie­run­gen im EDVSys­tem nicht mit dem tat­säch­li­chen Be­stand über­ein.

Schnell führ­ten die Er­mitt­lun­gen zu dem Mit­ar­bei­ter, der die Rest­men­gen, die bei Kun­den­auf­trä­gen an­fal­len, ab­wiegt und den Wa­ren­be­gleit­schein aus­druckt. In al­len Fäl­len sei nicht nur Edel­me­tall ge­stoh­len wur­den, son­dern im­mer auch der zur Fehl­men­ge pas­sen­de Wa­ren­be­gleit­schein ab­han­den­ge­kom­men. Des­halb hät­ten die Fehl­men­gen bei der an­schlie­ßen­den Kon­trol­le nicht auf­fal­len kön­nen, er­läu­ter­te ein Kri­mi­nal­be­am­ter, war­um er in Rich­tung von An­ge­stell­ten mit de­tail­lier­tem Wis­sen über Ar­beits­ab­läu­fe er­mit­telt ha­be. Bis auf den An­ge­klag­ten ha­be er al­le an­de­ren aus dem Kreis der Ver­däch­ti­gen aus­schlie­ßen kön­nen, ein­fach weil kei­ner von ih­nen an al­len zehn Dieb­stahl-Ta­gen ge­ar­bei­tet ha­be.

Die Su­che von Ver­tei­di­ger Muz­af­fer Bay­lan nach al­ter­na­ti­ven Ver­däch­ti­gen ge­riet da­bei fast schon zum Si­cher­heits­au­dit für das Un­ter­neh­men. So­wohl der un­be­ob­ach­te­te Griff in die Scheid­gut-Kis­te als auch der Schmug­gel von klei­ne­ren Gold- und Pla­tinMen­gen aus dem Un­ter­neh­men scheint nach Aus­sa­gen meh­re­rer Zeu­gen kein gro­ßes Hin­der­nis zu sein. So wur­de auch ein Vi­deo­be­weis nur knapp ver­passt. Die Spei­cher­ka­pa­zi­tät der Fest­plat­te reich­te im Herbst 2015 nur für den Mit­schnitt von rund 20 Ta­gen, be­vor die äl­tes­ten Auf­nah­men über­schrie­ben wur­den. Mög­li­ches Mo­tiv oder merk­wür­di­ger Zu­fall? Der Kauf ei­ner ge­brauch­ten Lu­xus­ka­ros­se, für die der An­ge­klag­te im No­vem­ber 2015 rund 21 000 Eu­ro bar be­zahlt hat­te, ver­knüpft mit der Tat­sa­che, dass der Kauf­ver­trag nicht vom Käu­fer, son­dern vom Kfz-Mecha­ni­ker-Be­kann­ten un­ter­schrie­ben wur­de, wun­der­te Rich­ter Lin­der au­ßer­or­dent­lich. „Sie ste­cken 20 000 Eu­ro ein, aber ver­ges­sen Per­so­nal­aus­weis und Führerschein, mit dem Sie sich iden­ti­fi­zie­ren kön­nen?“Der Kfz-Mecha­ni­ker in­des klär­te Bernd Lind­ner denn auch gleich über die Ge­pflo­gen­hei­ten beim Au­to­kauf auf: „Je­der nor­ma­le Mensch be­zahlt bar.“Lind­ner kam aus dem Stau­nen nicht mehr her­aus. Die Pra­xis, ei­nem Freund aus der Gym­na­si­al­zeit jah­re­lang Geld­ku­verts zur Auf­be­wah­rung zu über­ge­ben, was der An­ge­klag­te mit der Al­ko­hol­sucht sei­ner Mut­ter be­grün­de­te, ir­ri­tier­te den Rich­ter eben­so wie das von Des­in­ter­es­se ge­präg­te Ver­hält­nis des Freun­des zum An­ge­klag­ten. „Das sind Sa­chen, die fragt man nicht. Es geht mich nichts an, was er mit sei­nem Geld macht“, er­klär­te der Zeu­ge, der die Geld­um­schlä­ge in sei­nem Bü­cher­re­gal ver­steckt hat­te. Die Ver­hand­lung wird am 16. Ja­nu­ar um 9 Uhr fort­ge­setzt.

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