Durch Ar­beit fit ge­blie­ben

Frie­da Hölz­le fei­ert heu­te in Bau­schlott ih­ren 104. Ge­burts­tag

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Neu­lin­gen-Bau­schlott (pd). Fast als ein me­di­zi­ni­sches Wun­der könn­te man Frie­da Hölz­le, ge­bo­re­ne Schä­fer, be­zeich­nen, die am heu­ti­gen Don­ners­tag in Bau­schlott bei re­la­tiv gu­ter Ge­sund­heit ih­ren 104. Ge­burts­tag fei­ert.

Es gab bis­her nur we­ni­ge Men­schen, die in der Ge­mein­de so alt wur­den. Auf die Fra­ge, ob es ein Ge­heim­re­zept gibt, ant­wor­tet die zweit­äl­tes­te Ein­woh­ne­rin von Neu­lin­gen: „Ich weiß es nicht, für mich galt im­mer: schaf­fen, schaf­fen, schaf­fen, kei­ne Ge­nuss­mit­tel, so­li­de le­ben, Gott­ver­trau­en, sich nicht ge­hen las­sen und an­de­ren Men­schen zu hel­fen.“

Hölz­le ent­stammt ei­nem al­ten Ge­schlecht aus Dürrn, wo sie im El­tern­haus mit fünf Brü­dern und vier Schwes­tern auf­wuchs. „Ärz­te, Apo­the­ker und die Phar­ma­in­dus­trie konn­ten noch kei­ne gro­ßen Ge­schäf­te mit mir ma­chen“, be­teu­ert die Ju­bi­la­rin.

Nur ei­ne Cou­si­ne aus ih­rer Ver­wandt­schaft, die al­ler­dings schon früh in die USA aus­ge­wan­dert war, wur­de 101 Jah­re alt.

Be­ruf­lich be­dingt, zo­gen Frie­da Hölz­le und ihr Mann Wil­helm im De­zem­ber 1930 nach Pforz­heim, da bei­de in der Schmuck­bran­che ar­bei­te­ten, und weil sie nicht pen­deln woll­ten. Es war wie ei­ne Vor­se­hung, dass die Fa­mi­lie am 22. Fe­bru­ar 1945, ei­nen Tag vor dem Luft­an­griff auf Pforz­heim, zu­rück nach Bau­schlott in das El­tern­haus von Wil­helm Hölz­le zog, wo Land­wirt­schaft be­trie­ben wur­de. Ge­mäß dem Schwa­ben-Lied „Schaf­fe, schaf­fe, Häus­le baue“, wur­de das bau­fäl­li­ge Haus ab­ge­ris­sen und neu auf­ge­baut.

Da der Mann der Ju­bi­la­rin im Zwei­ten Welt­krieg ei­nen Arm ver­lo­ren hat­te, lag die Haupt­last der Land­wirt­schaft auf ihr. So war es selbst­ver­ständ­lich, dass sie zu­nächst ei­ne Kuh und spä­ter ein Pferd ein­spann­te, um da­mit auf die Fel­der zu fah­ren, um zu pflü­gen, eg­gen, Ge­trei­de aus­zu­brin­gen und vie­les mehr.

An­fang der 1960er-Jah­re wur­de dann die Land­wirt­schaft auf­ge­ge­ben. Über drei Jahr­zehn­te, als sie schon über 80 war, ar­bei­te­te Frie­da Hölz­le da­nach im Land­gast­hof „Ad­ler“in Bau­schlott in der Kü­che, wo sie be­kannt für ih­ren def­ti­gen Kar­tof­fel­sa­lat war.

Auch mit dem Fahr­rad war sie in Bau­schlott noch mit über 90 Jah­ren un­ter­wegs. Bis vor sechs Jah­ren ver­sah die Ju­bi­la­rin al­lei­ne ih­ren Haus­halt und ih­ren Gar­ten. Durch ei­nen Sturz in ih­rem Haus, wo­von sie sich je­doch wie­der er­hol­te, konn­te sie da­nach nicht mehr al­lei­ne blei­ben und zog in das ört­li­che Se­nio­ren­zen­trum Be­thes­da um, wo es ihr gut ge­fällt und sie für die gu­te Ver­sor­gung sehr dank­bar ist.

Frie­da Hölz­le hat zwei Töch­ter und ei­nen Sohn. Sie darf sich auch über fünf En­kel und fünf Uren­kel freu­en. Ihr gan­zer Stolz ist ih­re jüngs­te En­ke­lin Ani­ka (21).

Wenn­gleich sich die Wahl-Bau­schlot­te­rin in ih­rem lan­gen Le­ben per­sön­lich nicht viel ge­gönnt hat­te, be­rei­te­te es ihr den­noch stets gro­ße Freu­de, auf der Se­gelf­re­gat­te ih­rer in­zwi­schen 85-jäh­ri­gen, äl­tes­ten Toch­ter Her­ta Böh­me und de­ren Mann mit­fah­ren zu kön­nen.

FRIE­DA HÖLZ­LE, ge­bo­re­ne Schä­fer, fei­ert heu­te im Se­nio­ren­zen­trum Be­thes­da ih­ren 104. Ge­burts­tag. Fo­to: Dietrich

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