„Das Jahr lief sehr gut“

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Gro­ße Cern-Fa­mi­lie

Sie sind die ers­te Frau an der Spit­ze des Cern: Was be­deu­tet Ih­nen das?

Gia­not­ti: In ers­ter Li­nie se­he ich mich als Wis­sen­schaft­le­rin, die zur Lei­tung die­ser Ein­rich­tung be­ru­fen wur­de. Und ich füh­le mich sehr ge­ehrt des­we­gen. Es ist ein tol­ler und sehr pres­ti­ge­träch­ti­ger Job. Die Tat­sa­che, dass ei­ne Frau ei­nes der wich­tigs­ten For­schungs­zen­tren der Welt lei­tet, soll­te für an­de­re Frau­en, vor al­lem die jün­ge­ren, er­mu­ti­gend sein: Auch sie ha­ben gu­te Chan­cen für her­aus­ra­gen­de Kar­rie­ren in der Wis­sen­schaft und kön­nen die­se mit­ge­stal­ten. Wenn ich nur ein biss­chen da­zu bei­tra­gen konn­te, bin ich schon sehr zu­frie­den.

Gab es denn schon Er­fol­ge in ih­rem ers­ten Jahr?

Gia­not­ti: Ich wür­de sa­gen, dass das Cern ein wun­der­ba­res Jahr hat­te. Vor al­lem weil der Teil­chen­be­schleu­ni­ger sehr gut funk­tio­niert hat. Der Lar­ge Ha­dron Col­li­der (LHC) stell­te mehr

Da­ten für die Ex­pe­ri­men­te zur Ver­fü­gung als er­war­tet. Ge­ne­rell lief das gan­ze wis­sen­schaft­li­che Pro­gramm sehr gut – in al­len Be­rei­chen. Wir ha­ben auch Fort­schrit­te in der geo­gra­fi­schen Er­wei­te­rung der Or­ga­ni­sa­ti­on ge­macht: Ru­mä­ni­en wur­de zu un­se­rem 22. Mit­glieds­land und auch Zy­pern und die Ukrai­ne sind als as­so­zi­ier­te Mit­glieds­län­der da­zu­ge­kom­men. Und nächs­tes Jahr fol­gen In­di­en und Slo­we­ni­en – die CernFa­mi­lie wird al­so im­mer grö­ßer.

Was macht die Ein­rich­tung so be­son­ders?

Gia­not­ti: Aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht ist es die Ex­zel­lenz: Ei­ne For­schungs­ein­rich­tung zieht nur dann Leu­te aus der gan­zen Welt an, wenn sie wirk­lich die Bes­te in ih­rem Be­reich ist. Am Cern ist vor al­lem der Teil­chen­be­schleu­ni­ger das Ein­zig­ar­ti­ge. Die­se – sa­gen wir mal – At­trak­ti­on be­wegt rund 12 000 Wis­sen­schaft­ler aus mehr als 110 Na­tio­nen hier­her. Auch Deutsch­land ist ein star­ker Part­ner. Nicht nur in fi­nan­zi­el­ler Hin­sicht, son­dern auch was die Qua­li­tät der Wis­sen­schaft­ler be­trifft.

Wel­che Ent­de­ckun­gen kön­nen wir künf­tig vom Cern er­war­ten?

Gia­not­ti: Ei­ner­seits be­trei­ben wir den leis­tungs­stärks­ten Teil­chen­be­schleu­ni­ger der Welt, an­de­rer­seits wis­sen wir, dass es noch fun­da­men­ta­le Fra­gen in der Phy­sik zu klä­ren gibt. Ei­ne gro­ße Fra­ge ist die Be­schaf­fen­heit der Dun­k­len Ma­te­rie, die mehr als ein Vier­tel des Uni­ver­sums aus­macht. Es könn­te sein, dass die­se Ma­te­rie aus Teil­chen be­steht, die der LHC ent­de­cken kann. Wie die­se Teil­chen aus­se­hen könn­ten, wis­sen wir heu­te na­tür­lich noch nicht.

Aleksan­dra Bak­maz/Fo­to: dpa

Die ita­lie­ni­sche Teil­chen­phy­si­ke­rin Fa­bio­la Gia­not­ti (56) ar­bei­tet seit 1994 am eu­ro­päi­schen For­schungs­zen­trum Cern, des­sen Lei­tung sie An­fang 2016 über­nahm.

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