Bril­lant und bis­sig

Neu im Ki­no: „Lo­ve & Fri­endship“nach Ja­ne Aus­ten

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Man ver­gisst es all­zu leicht, wenn man sie im Lack-und-Le­der-Out­fit Wer­wöl­fe nie­der­met­zeln sieht. Doch be­vor Ka­te Be­ck­in­sa­le Haupt­dar­stel­le­rin der „Un­der­world“-Rei­he wur­de, cas­te­te man sie gern für Li­te­ra­tur­ver­fil­mun­gen. Ken­neth Bra­nagh be­setz­te sie 1993 in der Sha­ke­speare-Ko­mö­die „Viel Lärm um nichts“, ein Jahr spä­ter stand sie mit Chris­ti­an Ba­le für „Ham­let – Der Prinz von Jüt­land“vor der Ka­me­ra. Whit Still­man er­in­ner­te sich dar­an, welch gu­te Fi­gur die Bri­tin in klas­si­schen Ko­s­tü­men mach­te, und en­ga­gier­te sie für sei­ne Ja­ne-Aus­tenVer­fil­mung „Lo­ve & Fri­endship“.

Es ist die un­ge­wöhn­lichs­te al­ler Ja­neAus­ten-Hel­din­nen, die Ka­te Be­ck­in­sa­le im Film spie­len darf: Un­ge­wöhn­lich nicht nur, weil La­dy Su­san Ver­non im Ge­gen­satz zu Liz­zy Ben­net, Em­ma Wood­hou­se und Co kein jun­ges, un­er­fah­re­nes Mäd­chen mehr ist. Viel­mehr ist es das Wort Hel­din, das auf die ge­ris­se­ne Wit­we so gar nicht zu­tref­fen will. Nach­dem sie das Haus ih­res ver­hei­ra­te­ten Lieb­ha­bers flucht­ar­tig ver­las­sen muss­te, quar­tiert sich La­dy Su­san ir­gend­wann um 1800 bei Charles Ver­non (Jus­tin Ed­wards), dem Bru­der ih­res ver­stor­be­nen Man­nes, und des­sen Fa­mi­lie ein. Bei Haus­her­rin Ca­the­ri­ne (Em­ma Gre­en­well) schril­len so­fort die Alarm­glo­cken: Ge­nau wie be­fürch­tet ver­fällt ihr jün­ge­rer, rei­cher Bru­der Re­gi­nald (Xa­vier Sa­mu­el) so­fort dem Charme die­ser Frau, die nach An­sicht ih­rer Schwä­ge­rin nur dar­auf aus ist, sich schnellst­mög­lich wie­der ei­nen zah­lungs­kräf­ti­gen Ehe­mann zu an­geln. Und nicht nur für sich selbst sucht La­dy Su­san ei­ne gu­te Par­tie: Auch ih­re Toch­ter Fre­de­ri­ca (Mor­fydd Clark) soll vor­teil­haft hei­ra­ten, vor­zugs­wei­se den über­aus wil­li­gen Sir Ja­mes (Tom Ben­nett), der ge­nau­so ein­fäl­tig wie ver­mö­gend ist.

Wel­che In­tri­ge sie auch spinnt, wel­che Ge­mein­heit sie auch aus­heckt, im­mer weiß sich die ge­ris­se­ne La­dy Su­san mit schar­fer Zun­ge zu recht­fer­ti­gen und die Din­ge zu ih­ren Guns­ten zu dre­hen. Und so sehr man sie und ihr bos­haf­tes Tun auch ver­ach­ten möch­te, kommt man als Zu­schau­er nicht um­hin, die über­aus selbst­be­wuss­te Wit­we zu be­wun­dern. Ka­te Be­ck­in­sa­le je­den­falls ge­nießt es sicht­lich, die­se star­ke, viel­schich­ti­ge Rol­le zu spie­len.

Doch ei­gent­lich ist es Whit Still­mans bril­lan­tes Dreh­buch, das „Lo­ve & Fri­endship“aus all den Aus­ten-Ver­fil­mun­gen her­vor­ste­chen lässt. Wäh­rend sich an­de­re Fil­me­ma­cher in ih­ren Ad­ap­tio­nen von „Em­ma“, „Stolz und Vor­ur­teil“oder „Sinn und Sinn­lich­keit“vor­wie­gend auf das kon­zen­trier­ten, was Ja­ne Aus­ten be­schrieb, war Still­man auch wich­tig zu ver­mit­teln, wie sie es be­schrieb: bis­sig und poin­tiert. Der Ame­ri­ka­ner mach­te sich meis­ter­haft den Stil zu ei­gen, in dem Aus­ten 1794 ih­ren Brief­ro­man „La­dy Su­san“ver­fass­te, und über­trug ihn in Dia­lo­ge, die ei­ner­seits frisch und sprit­zig wir­ken, aber zu­gleich auch im Geis­te Aus­tens sind. Und dank Stil­manns un­trüg­li­chem Ge­spür für das per­fek­te ko­mö­di­an­ti­sche Ti­ming ent­fal­ten die­se Dia­lo­ge im Film auch die ge­wünsch­te Wir­kung. Mit sei­ner ra­san­ten, höchst un­ter­halt­sa­men Ins­ze­nie­rung lässt er das Ki­no­pu­bli­kum Ja­ne Aus­ten neu ent­de­cken – und Ka­te Be­ck­in­sa­le gleich mit. An­ne­kat­rin Lie­bisch

RAFFINIERTE LA­DY: Ka­te Be­ck­in­sa­le (hier mit Xa­vier Sa­mu­el) spielt die ge­ris­se­ne Wit­we Su­san. Fo­to: dpa

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