„Böl­ler­ne­bel“und Glatt­eis zu Sil­ves­ter

Wet­ter­la­ge könn­te zu Fe­in­staub­pro­blem füh­ren

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Mar­cel Win­ter

Karls­ru­he. Wenn mor­gen ge­gen Mit­ter­nacht die ers­ten Ra­ke­ten in den Nacht­him­mel stei­gen und Böl­ler mit oh­ren­be­täu­ben­dem Lärm das al­te Jahr ver­ab­schie­den, wird es wie­der Mil­lio­nen Deut­sche nach drau­ßen auf die Stra­ßen trei­ben. Wenn es nach dem gro­ßen Feu­er­werk dann dar­um geht, sich ge­gen­sei­tig ein „gu­tes neu­es Jahr“zu wün­schen, könn­te al­ler­dings vie­len die Luft weg­blei­ben.

Denn bleibt es bei der von Me­teo­ro­lo­gen vor­aus­ge­sag­ten In­ver­si­ons­wet­ter­la­ge, wird sich der sti­cki­ge Ne­bel der Feu­er­werks­kör­per nicht ver­zie­hen, son­dern wie ein Tep­pich über den Städ­ten und Dör­fern im Süd­wes­ten Deutsch­lands hän­gen blei­ben. „Die Ver­bren­nungs­rück­stän­de von Ra­ke­ten und Böl­lern wer­den in die­sem Jahr or­dent­lich zur Ne­bel­bil­dung bei­tra­gen“, be­rich­tet Do­mi­nik Jung vom On­li­ne-Wet­ter­dienst Qmet. Da der Luf­taus­tausch auf­grund der Wet­ter­la­ge aus­blei­ben dürf­te, könn­te die Fe­in­staub­kon­zen­tra­ti­on in der Nacht zu Neu­jahr Spit­zen­wer­te er­rei­chen, er­klärt der BNN-Wet­ter­ex­per­te. Die klei­nen Par­ti­kel von den Kra­chern set­zen sich näm­lich an den so­ge­nann­ten Kon­den­sa­ti­ons­ker­nen der bo­den­na­hen Wol­ken ab. „Das Re­sul­tat ist ,Böl­ler­ne­bel‘“, er­klärt Jung. Und der kön­ne zu Atem­weg­be­schwer­den füh­ren. „Wir böl­lern uns so­zu­sa­gen krank“, fasst der Me­teo­ro­lo­ge zu­sam­men.

Laut dem Bun­des­um­welt­amt wer­den beim Sil­ves­ter­feu­er­werk deutsch­land­weit rund 4 000 Ton­nen Fe­in­staub in die Luft ge­bla­sen – das ent­spricht 15 Pro­zent der jähr­lich im Stra­ßen­ver­kehr ab­ge­ge­be­nen Fe­in­staub­men­ge. Da der Ge­halt in der Luft in vie­len Städ­ten wie zum Bei­spiel Stutt­gart oh­ne­hin schon über dem Grenz­wert liegt, wird ge­ra­ten, sich nicht all­zu lan­ge „an der fri­schen Luft“auf­zu­hal­ten, ins­be­son­de­re dann, wenn oh­ne­hin Atem­wegs­er­kran­kun­gen vor­lie­gen. Ein wei­te­res Pro­blem an Sil­ves­ter könn­te auch Glatt­eis wer­den, denn die Me­teo­ro­lo­gen sa­gen in der Nacht zu Neu­jahr bis zu mi­nus zehn Grad vor­aus – so könn­te es zu über­frie­ren­der Näs­se kom­men. Die­ser Trend setzt sich auch am 1. Ja­nu­ar fort. In hö­he­ren La­gen wie dem Nord­schwarz­wald könn­te es dann auch Schnee ge­ben. Es ist al­so Vor­sicht ge­bo­ten, um nicht sprich­wört­lich und schmerz­haft „ins neue Jahr zu rut­schen“. Au­to­fah­rer soll­ten ne­ben den glat­ten Stra­ßen auch den Bo­den­ne­bel be­rück­sich­ti­gen.

Wer sein Au­to an Sil­ves­ter ste­hen lässt, und da­für kei­ne Ga­ra­ge zur Ver­fü­gung hat, muss sich nicht all­zu sehr vor Schä­den durch Ra­ke­ten und Böl­ler fürch­ten. Der TÜV Süd weißt dar­auf hin, dass in Deutsch­land er­hält­li­che und le­gal ver­trie­be­ne Feu­er­werks­kör­per kaum Schä­den ver­ur­sa­chen – auch nicht auf dem Lack und wenn sie un­ter das Fahr­zeug ge­wor­fen wer­den. Wer aber si­cher ge­hen will, kön­ne sein Au­to durch­aus mit ei­ner Pla­ne ab­de­cken.

Nach Neu­jahr soll es dann Schnee ge­ben

SIL­VES­TER IM NE­BEL: Das Fei­ern an der „fri­schen Luft“zum Jah­res­wech­sel könn­te die­ses Mal zum Ge­sund­heits­pro­blem wer­den. Durch die In­ver­si­ons­wet­ter­la­ge bleibt der Rauch von Böl­lern und Ra­ke­ten näm­lich am Bo­den hän­gen. Fo­to: dpa

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