Freunds Schat­ten­mann

Ei­sen­bich­ler setzt bei Tan­des Qua­li­fi­ka­ti­ons­sieg ein Aus­ru­fe­zei­chen

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Oberst­dorf (sid). Die Er­öff­nungs­par­ty der 65. Vier­schan­zen­tour­nee mach­te auch dem un­be­darf­tes­ten Be­ob­ach­ter die Hack­ord­nung im deut­schen Ski­sprung-Team klar. Welt­meis­ter Se­ve­rin Freund bleibt trotz Form­schwä­che und Hüft-OP der Front­mann, Mar­kus Ei­sen­bich­ler der Ge­heim­tipp. Ei­ne Rol­len­ver­tei­lung, die sich beim Auf­takt am heu­ti­gen Frei­tag (16.45 Uhr/ZDF und Eu­ro­sport) ent­schei­dend än­dern kann. „Wir ha­ben nicht nur Se­ve­rin. Mar­kus kann mit den Bes­ten mit­hal­ten“, sagt Bun­des­trai­ner Wer­ner Schus­ter.

Wäh­rend Freund vor dem Auf­takt am Schat­ten­berg für Fans und Me­di­en als ei­ne Art Blitz­ab­lei­ter agiert, ist Ei­sen­bich­ler in al­ler Ru­he in die Welt­spit­ze ge­flo­gen. Fünf­mal in Fol­ge war Ei­sen­bich­ler zu­letzt bes­ter DSV-Ad­ler, in Lil­le­ham­mer stand er erst­mals auf dem Po­dest. Auch ges­tern über­zeug­te der Sieg­dor­fer in Oberst­dorf mit Rang sechs der Qua­li­fi­ka­ti­on, Freund muss­te sich da­ge­gen mit dem 19. Platz be­gnü­gen. „Wir las­sen Mar­kus jetzt wei­test­ge­hend in Ru­he, er hat ja auch noch kei­ne or­dent­li­che Tour­nee ge­sprun­gen. Es ist ein Rei­fe­pro­zess“, sagt Schus­ter. Erst ein­mal hielt Ei­sen­bich­ler bis Bi­schof­ho­fen durch, mehr als Platz 50. in der Ge­samt­wer­tung schaff­te er nie.

Freund kommt mit der neu­en Rol­le gut zu­recht, hilft Ei­sen­bich­ler, wo er kann. „Nach mei­nem Po­dest war Se­ve­rin der Ers­te, der mir die Ski zu­sam­men­ge­bun­den und Fo­tos ge­macht hat, so wie wir es im­mer für ihn ge­tan ha­ben“, ver­riet Ei­sen­bich­ler. Das Ziel des Durch­star­ters: „Ich will gut sprin­gen, aber ich ma­che auch nicht so ein Fass auf wie die Me­di­en.“Und Freund, der Oberst­dorf-Sie­ger des Vor­jah­res? Auch nach sei­ner An­kunft im ers­ten Tour­nee-Ort sta­pel­te er tief. „Der Sieg hier vor ei­nem Jahr war ei­nes der schöns­ten Er­leb­nis­se mei­ner Kar­rie­re“, sag­te er auf der Büh­ne vor knapp 2 000 Fans auf dem Prinz­re­gen­ten-Platz, schob dann aber hin­ter­her: „Die Vor­zei­chen sind dies­mal an­ders. Es fehlt noch et­was.“

Noch im­mer spürt Freund die Fol­gen sei­ner Ope­ra­ti­on im Früh­jahr, doch an ei­nem per­fek­ten Tag wie zu­letzt beim Welt­cup-Auf­takt in Kuu­sa­mo sind Sie­ge mög­lich. „Ich wür­de ihn nicht ab­schrei­ben, da kann schon was kom­men“, sagt auch Schus­ter: „Ei­ne sei­ner gro­ßen Stär­ken ist, dass er nie sei­nen Emo­tio­nen den Vor­rang gibt und al­les in ei­ner nüch­ter­nen Art be­wer­tet.“Freund nennt als Fa­vo­ri­ten lie­ber den erst 17 Jah­re al­ten Do­men Pre­vc (Slo­we­ni­en) oder Dop­pel-Olym­pia­sie­ger Ka­mil Stoch (Po­len). An­ge­führt von Hoff­nungs­trä­ger Ei­sen­bich­ler ha­ben sich neun deut­sche Ath­le­ten für das Auf­takt­sprin­gen qua­li­fi­ziert. Ei­sen­bich­ler kam mit 137 Me­tern und 146,1 Punk­ten als bes­ter DSV-Ad­ler beim Qua­li­fi­ka­ti­ons­sieg des Nor­we­gers Da­ni­el-An­dré Tan­de auf Platz sechs di­rekt vor Ste­phan Ley­he (Wil­lin­gen), der bei 132,5 Me­ter (145,9) lan­de­te.

In der ers­ten K.-o.-Run­de trifft Freund heu­te auf den Oberst­dor­fer Karl Gei­ger, auch auf Ei­sen­bich­ler war­tet in Youngs­ter Con­stan­tin Schmid ein deut­scher Geg­ner. Sie­ger Tan­de sprang vor 14 200 Zu­schau­ern, die für ei­nen Qua­li­fi­ka­ti­ons-Re­kord sorg­ten, die Ta­ges­best­wei­te von 139 Me­tern und lag mit 157,5 Punk­ten vor Stoch (154,1) und Ex-Tour­nee­sie­ger Ste­fan Kraft aus Ös­ter­reich (151,1). Top-Fa­vo­rit Do­men Pre­vc kam mit 134 Me­tern (145,5 Punk­ten) nur auf Platz acht, Bru­der und Ti­tel­ver­tei­di­ger Pe­ter wur­de Ne­un­ter (144,8).

Fo­to: AFP

ZU RECH­NEN ist in Oberst­dorf auch mit Mar­kus Ei­sen­bich­ler, der in der Qua­li­fi­ka­ti­on als Sechs­ter bes­ter Deut­scher war.

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