Ver­lo­ckung aus dem Reich der Mit­te

Chi­na ver­folgt im Fuß­ball ganz gro­ße Zie­le

Pforzheimer Kurier - - SPORT -

Guang­zhou (sid/dpa). Die Ein­kaufs­tour chi­ne­si­scher Clubs geht mun­ter wei­ter, nun er­lag auch Car­los Te­vez der fi­nan­zi­el­len Ver­lo­ckung aus dem Reich der Mit­te. Wie die Ver­ei­ne be­stä­tig­ten, wech­selt der ar­gen­ti­ni­sche Stür­mer­star vom Haupt­stadt­club Bo­ca Ju­ni­ors aus Bu­e­nos Ai­res zum chi­ne­si­schen Erst­li­gis­ten Shang­hai Shen­hua. Für Te­vez, der im Fe­bru­ar im­mer­hin schon 33 Jah­re alt wird, war es au­gen­schein­lich ein An­ge­bot, das er nicht ab­leh­nen konn­te. Nach In­for­ma­tio­nen der fran­zö­si­schen Nach­rich­ten­agen­tur AFP soll er pro Jahr um­ge­rech­net rund 38 Mil­lio­nen Eu­ro ver­die­nen und da­mit im Herbst sei­ner Kar­rie­re in Sphä­ren von Cris­tia­no Ro­nal­do und Lio­nel Mes­si vor­sto­ßen.

Es ist ein wei­te­rer, aber si­cher nicht der letz­te Trans­fer ei­nes nam­haf­ten Pro­fis nach Chi­na. 71,5 Mil­lio­nen Eu­ro für Os­car, 56 für Hulk, 50 für Alex Tei­xei­ra lau­te­ten ei­ni­ge Ab­lö­se­sum­men zu­letzt. Auch Welt­meis­ter Lu­kas Po­dol­ski soll mit ei­nem Mil­lio­nen­an­ge­bot ge­lockt wer­den. An­geb­lich gibt es gleich meh­re­re Of­fer­ten für den Ga­la­ta­sa­ray-Pro­fi. Zu­min­dest ei­ne vom Erst­li­gist Bei­jing Guo­an ist vom Ver­ein be­stä­tigt. Da­bei steckt der Fuß­ball bei der Sport-Groß­macht noch in den Kin­der­schu­hen, aber Chi­na will zum Big Play­er avan­cie­ren und in­ves­tiert in Spie­ler aus Eu­ro­pas Top-Li­gen. Von zah­lungs­kräf­ti­gen Un­ter­neh­men, Staats­be­trie­ben und ei­nem hoch­do­tier­ten TV-Ver­trag (ei­ne Mil­li­ar­de für fünf Jah­re) ge­stützt, tre­ten Chi­nas Ver­ei­ne seit ge­rau­mer Zeit als Groß­ein­käu­fer auf dem in­ter­na­tio­na­len Trans­fer­markt auf. Aus Eu­ro­pa wird Chi­nas Fi­nanz­kraft mitt­ler­wei­le als erns­te Be­dro­hung wahr­ge­nom­men. Der Deut­sche Fuß­ball-Bund (DFB) teilt die­se Angst der­weil nicht. Im Bei­sein von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel un­ter­zeich­ne­ten der DFB, die Deut­sche Fuß­ball Li­ga (DFL) und der chi­ne­si­sche Ver­band CFA En­de No­vem­ber ei­ne weit­rei­chen­de Ver­ein­ba­rung bei­der Län­der zur Zu­sam­men­ar­beit im Fuß­ball für zu­nächst fünf Jah­re.

Al­ler­dings gibt es ers­te An­zei­chen da­für, dass die Mil­lio­nen künf­tig zu­min­dest do­sier­ter flie­ßen wer­den. Chi­nas Prä­si­dent Xi Jin­ping ist zwar selbst ein gro­ßer Fuß­ball-Fan und träumt von ei­nem WM-Ti­tel für sein Land. Ge­gen über­zo­ge­ne Ge­häl­ter und Ab­lö­se­sum­men für Stars aus dem Aus­land will die Re­gie­rung nun aber of­fen­bar trotz­dem vor­ge­hen. In ei­nem Kom­men­tar schrieb das Par­tei­or­gan „Volks­zei­tung“kürz­lich, dass die Mil­lio­nen für aus­län­di­sche Stars ei­ne ech­te „Gras­wur­zel-Be­we­gung“in Chi­nas Fuß­ball ver­hin­dern wür­den. Die Qua­li­fi­ka­ti­on für die WM 2018 ist prak­tisch schon pas­sé. Zeit­gleich kün­dig­te Chi­nas Fuß­ball­ver­band ei­ne Re­ge­län­de­rung an: Künf­tig sol­len nur noch drei statt wie bis­her vier aus­län­di­sche Spie­ler pro Ver­ein gleich­zei­tig auf dem Platz ste­hen dür­fen.

DER NÄCHS­TE, BITTE: Auch der ar­gen­ti­ni­sche Stür­mer­star Car­los Te­vez (oben) wech­selt von den Bo­ca Ju­ni­ors in die chi­ne­si­sche Li­ga. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.