„Li­sa ist schon rich­tig an­ge­kom­men“

Ru­mä­ni­sche Streu­ne­rin hat Zu­hau­se / Ehe­paar Frantz im „Hun­de­glück“

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Clau­dia Kraus

Das Schick­sal ei­nes ru­mä­ni­schen Stra­ßen­hun­des hat Pforz­heim im Som­mer wo­chen­lang be­wegt: Vie­le Men­schen sorg­ten sich um Li­sa, ei­ne Misch­lings­hün­din, die vor der ge­plan­ten Über­ga­be an Tier­freun­de aus­büx­te und von da an ver­ängs­tigt durch die Stra­ßen der Gold­stadt streun­te.

Ein hal­bes Jahr spä­ter scheint sich für den scheu­en Vier­bei­ner al­les zum Gu­ten zu wen­den. Li­sa lebt seit et­wa zwei Wo­chen, vor­läu­fig noch zur Pro­be, bei ei­nem Ehe­paar in ei­nem Ort zwi­schen Pforz­heim und Stutt­gart. „Ein dop­pel­ter Glücks­fall“, sagt Mi­ri­am Frantz. Für Li­sa kann sie zwar nicht spre­chen. Aber Mi­ri­am und ihr Mann Man­fred Frantz sind Hun­de­ken­ner und glau­ben, die Zei­chen rich­tig zu deu­ten, die ih­re neue Mit­be­woh­ne­rin aus­sen­det. Li­sa ma­che ei­nen ent­spann­ten Ein­druck. „Sie ist hier schon rich­tig an­ge­kom­men. Sie liegt im Wohn­zim­mer auf dem Bo­den und lässt sich krau­len. Beim Gas­si­ge­hen ist sie wie ei­ne Fe­der an der Lei­ne.“

Ein Glücks­fall ist Li­sa ganz zwei­fels­oh­ne für ihr neu­es Frau­chen und Herr­chen. Die bei­den Hun­de­fans woll­ten ei­gent­lich kei­nen Vier­bei­ner mehr, nach­dem sie im Mai schwe­ren Her­zens ih­re ge­lieb­te Hün­din nach 14 Jah­ren ein­schlä­fern las­sen muss­ten. Sie ha­be so sehr ge­lit­ten, be­rich­tet Mi­ri­am Frantz. „Aber man hält das ein­fach nicht aus oh­ne Hund.“Al­so hör­ten sie sich um, la­sen An­zei­gen und klap­per­ten, al­ler Skep­sis zum Trotz, auch Tier­hei­me der Um­ge­bung ab. „Es war gar nicht so ein­fach, ei­nen Hund zu fin­den, der zu uns passt.“Im Tier­heim Lud­wigs­burg leb­te Li­sa, nach­dem sie En­de Ju­ni mit­hil­fe ei­ner Le­bend­fal­le am Pforz­hei­mer En­zu­fer ein­ge­fan­gen wor­den war. Ein Ho­wer­wart-Rü­de hat­te dort das In­ter­es­se des Ehe­paars ge­weckt. Aber der Wunsch­hund äh­nel­te zu sehr der ver­stor­be­nen Hün­din, die wie Li­sa ein Schä­fer­hund­mix war. Dann soll­te es Roc­co sein, ein an­de­rer Misch­ling. Al­les Be­schnup­pern und Gas­si­ge­hen half je­doch nichts – „der Fun­ke sprang nicht über“. Da be­merk­ten die bei­den Li­sa, wie sie mit ih­rem Kum­pel Noah in ei­nem Au­ßen­ge­he­ge um­her sprang. „Guck mal, was für ei­ne Sü­ße“, sag­ten sie ei­ner zum an­de­ren. Sie woll­ten mehr wis­sen über die­sen vor­sich­ti­gen und doch neu­gie­ri­gen Vier­bei­ner. Im Tier­heim konn­te ih­nen nie­mand groß Aus­kunft ge­ben. Li­sa war eben ein Fund­hund. „In Top-Zu­stand, sehr ge­pflegt, mit tol­lem Fell“.

Das Ehe­paar Frantz re­cher­chier­te und stieß da­bei auch auf je­ne von Tier­schüt­zern da­mals sehr kri­ti­sier­te, ab­sur­de Ver­fol­gungs­jagd, zu der ei­ni­ge ver­meint­li­che Hun­de­freun­de im Som­mer in In­ter­net­fo­ren auf­ge­ru­fen hat­ten.

Dann kam der ers­te Ver­such ge­mein­sa­men Gas­si­ge­hens. Im Tier­heim sei man zu­rück­hal­tend ge­we­sen. Wür­de sie sich von den frem­den Men­schen über­haupt Ge­schirr an­le­gen las­sen? „Ich bin dann al­lei­ne zu ihr rein­ge­gan­gen“, be­rich­tet Mi­ri­am Frantz. „Ir­gend­wie war ich mir si­cher, dass es funk­tio­niert.“Und es funk­tio­nier­te.

Nach ei­ni­gen Wo­chen vor­sich­ti­ger An­nä­he­rung zwi­schen Hund und Men­schen nah­men Mi­ri­am und Man­fred Frantz Li­sa mit heim. Die am Wald­rand ge­le­ge­ne Woh­nung scheint Li­sa nun ganz lang­sam und Zen­ti­me­ter für Zen­ti­me­ter als ihr Ter­rain zu er­obern. „Sie lins­te vor­sich­tig um die Ecke und fass­te Ver­trau­en.“Wäh­rend des Te­le­fon­ge­sprächs mit dem Pforz­hei­mer Ku­ri­er sagt Li­sas Frau­chen plötz­lich: „Sie liegt hier ne­ben mir und pennt.“Wenn die Hün­din ei­ne Zeit lang al­lein blei­ben muss, ge­be es kein Ge­jau­le. „Wenn wir heim kom­men, springt sie wie ein Ping-Pong-Ball. Sie freut sich.“Noch ist al­les ganz frisch und ob die ehe­ma­li­ge Streu­ne­rin sich an das neue, ge­ord­ne­te Le­ben ge­wöh­nen wird, bleibt noch ab­zu­war­ten. Den Ein­druck, sie wol­le flüch­ten, ha­ben Li­sas Be­sit­zer nicht. „Uns kommt es vor, als wenn sie hier­her ge­hör­te.“

LI­SA UND IHR HERR­CHEN: Man­fred Frantz und sei­ne Frau Mi­ri­am ha­ben die eins­ti­ge Streu­ne­rin auf­ge­nom­men. Fo­to: Pri­vat

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