Vor der Sy­nago­ge er­strah­len die Lich­ter

Jü­di­sche Ge­mein­de fei­ert öf­fent­lich Cha­nu­kka

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Ti­na Kampf

Lich­ter er­strah­len vor der Sy­nago­ge in der Nord­stadt: Die Jü­di­sche Ge­mein­de fei­ert Cha­nu­kka – und hat da­zu die Be­völ­ke­rung ein­ge­la­den. Vie­le Be­su­cher sind ge­kom­men und ver­fol­gen auf­merk­sam die Ze­re­mo­nie, de­ren Hin­ter­grund Petr Ku­persh­midt, Vor­sit­zen­der der Ge­mein­de, er­läu­tert. Cha­nu­kka er­in­nert an ein Wun­der, das sich vor mehr als 2100 Jah­ren er­eig­ne­te.

Da­mals war der Zwei­te Tem­pel ent­weiht, die Ju­den wur­den von den Grie­chen un­ter­drückt. „Es wur­de ih­nen ver­bo­ten, die Tho­ra zu ler­nen, wich­ti­ge Ge­bo­te zu er­fül­len“, so Ku­persh­midt. Nach ei­ni­gen Jah­ren des Lei­dens be­sieg­ten die Ju­den ih­re Fein­de und kehr­ten in ih­ren Tem­pel zu­rück. Der sie­ben­ar­mi­ge Men­ora-Leuch­ter soll­te dort nie wie­der er­lö­schen – doch es war nur noch ge­weih­tes Öl für ei­nen Tag da. Die Pro­duk­ti­on von Neu­em dau­er­te acht Ta­ge – und ge­nau so lan­ge reich­te das Öl am En­de. „In Er­in­ne­rung dar­an fei­ern wir Cha­nu­kka und zün­den acht Ta­ge lang Ker­zen an“, er­läu­tert der Vor­sit­zen­de der Ge­mein­de. Je­den Tag ei­ne mehr. Am En­de sind es neun Ker­zen, denn am „Cha­nu­kkia“ge­nann­ten Leuch­ter ist stets noch ei­ne Dien­er­ker­ze an­ge­bracht, mit der die an­de­ren Flam­men ent­zün­det wer­den. „Wie al­le jü­di­schen Fes­te hat Cha­nu­kka vie­le Be­deu­tun­gen“, so Ku­persh­midt. Ei­ne be­ste­he da­rin, dass die Ju­den für ih­re geist­li­chen Wer­te kämpf­ten und da­für mit Wun­dern be­lohnt wur­den.

„Heu­te le­ben wir in Deutsch­land im Frie­den und füh­len uns frei und si­cher. Aber un­se­re Pflicht, un­se­re geist­li­chen Wer­te zu ler­nen und zu schüt­zen, bleibt.“Der mi­li­tä­ri­sche Sieg über die Grie­chen sei not­wen­dig und wich­tig ge­we­sen. „Aber un­se­re Tra­di­ti­on ver­mit­telt, dass nur der Frie­den das stra­te­gi­sche Ziel sein kann“, be­tont Ku­persh­midt, der am fünf­ten Tag von Cha­nu­kka zum gro­ßen, öf­fent­li­chen Fest ein­lädt. Mit der Dien­er­ker­ze – die Kan­tor Me­nach­em Brum­mer ent­facht – wer­den ent­spre­chend fünf Ker­zen an­ge­zün­det. Die­se Auf­ga­be über­neh­men zu dür­fen, das ist ei­ne Eh­re – die die Ge­mein­de auch Gäs­ten zu­kom­men lässt: Eben­so wie Ku­persh­midt stei­gen der evan­ge­li­sche De­kan Tho­mas Schal­la, Karls­ru­hes Eh­ren­bür­ge­rin Ger­lin­de Häm­mer­le, Me­sut Pa­lan­ci vom Dach­ver­band is­la­mi­scher Ver­ei­ne und OB Frank Men­trup auf die Lei­ter, um an der Cha­nu­kkia

„Nur Frie­den kann das Ziel sein“

Licht um Licht zu ent­zün­den. Die Flam­men strah­len in der Dun­kel­heit, ver­brei­ten Wär­me. Der Chor der Ge­mein­de singt fröh­li­che Lie­der: ein fest­li­cher Mo­ment, den vie­le mit ih­rer Han­dy­ka­me­ra fest­hal­ten. Der OB be­dankt sich, dass die Ge­mein­de Gäs­te an ih­rer Freu­de teil­ha­ben lässt. Es sei wich­tig, dass die Men­schen zu­sam­men­ste­hen, ei­ne Ge­mein­schaft bil­den, sich ken­nen­ler­nen. Da­zu ist an die­sem Abend reich­lich Ge­le­gen­heit. In der Sy­nago­ge – in der der Tra­di­ti­on ent­spre­chend in Öl ge­ba­cke­ne Krap­fen so­wie Kar­tof­fel­puf­fer ser­viert wer­den – geht die Fei­er lan­ge wei­ter.

ES GILT ALS EH­RE, wenn je­mand ein Licht an der Cha­nu­kkia ent­zün­den darf. Die Jü­di­sche Ge­mein­de in der Nord­stadt bat un­ter an­de­rem Me­sut Pa­lan­ci vom Dach­ver­band is­la­mi­scher Ver­ei­ne, die­se Auf­ga­be zu über­neh­men. Fo­to: jo­do

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