Schot­ti­scher De­tek­tiv

Der Karls­ru­her Frank Win­ter lässt sei­ne Kri­mis in Edin­burgh spie­len

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE -

Frank Win­ter ist su­per­pünkt­lich, hat so­gar schon ei­nen Kaf­fee ge­trun­ken. „Ich hab Sie kom­men se­hen“, sagt er und lacht. Der Au­tor schot­ti­scher Kri­mis trägt ein Sak­ko aus Har­ris Tweed. De­zen­tes Ka­ro, hand­ge­wo­be­ne Wol­le. Die Gar­de­ro­be ei­nes ech­ten Gen­tle­man. Ja klar, er liebt Schott­land. Kennt es wie sei­ne Wes­ten­ta­sche. Vor al­lem Edin­burgh. Die mit­tel­al­ter­li­che Old Town mit der kopf­st­ein­ge­pflas­ter­ten Roy­al Mi­le und dem ver­wir­ren­den Netz aus Gäss­chen so­wie die geor­gia­ni­sche New Town aus dem 18. Jahr­hun­dert. In die­sem Um­feld er­mit­telt der Held sei­ner Kri­mis, An­gus Thinn­son MacDo­nald, ein Fein­schme­cker und Gour­met­jour­na­list.

Frank Win­ter ist Karls­ru­her, be­such­te das Goe­the-Gym­na­si­um, stu­dier­te in Frank­furt Ger­ma­nis­tik und Phi­lo­so­phie. Die Lie­be zu Schott­land, schot­ti­schem Es­sen, Whis­key und Tee pack­te ihn als 28-Jäh­ri­gen und ließ ihn nicht mehr los. „Als ge­lern­ter Jour­na­list woll­te ich dar­über schrei­ben. Mein Ziel war die Kri­mi­ko­mö­die“, er­zählt er. Sei­ne Ge­schich­ten ran­ken um den Foo­dJour­na­lis­ten MacDo­nald, der sich in sei­ner Frei­zeit als De­tek­tiv auf Spu­ren­su­che be­gibt. Er­mit­telt wird im­mer in Sa­chen ku­li­na­ri­sche Köst­lich­kei­ten, denn schlech­tes Es­sen bringt das schot­ti­sche Blut des Fein­schme­ckers in Wal­lung. Als Co-De­tek­tiv stellt Win­ter ihm Al­ber­to Vi­ti­el­lo zur Sei­te.

Vier Kri­mis sind so ent­stan­den. Der neu­es­te ist „Cur­rys für Con­nais­seu­re“. Im­mer fin­det sich im hin­te­ren Teil ei­ne Samm­lung der wich­tigs­ten Re­zep­te. Frank Win­ter möch­te sei­nen Le­sern die schot­ti­sche Kul­tur nä­her­brin­gen und mit Kli­schees auf­räu­men. So hat er rund 20 Jah­re lang in Koch­töp­fe ge­schaut, Re­zep­te ge­sam­melt, In­ter­views mit Kö­chen, Er­zeu­gern und Metz­gern ge­führt und „end­los re­cher­chiert“, wie er ge­steht. Für sein Buch „Schot­tisch ko­chen – Ge­rich­te und ih­re Ge­schich­te“– dies­mal kein Kri­mi – wur­de er 2015 so­gar mit der Sil­ber­me­dail­le der „Gas­tro­no­mi­schen Aka­de­mie Deutsch­land“ge­ehrt.

Wie ent­ste­hen die Ide­en für ei­nen Kri­mi? „Meis­tens sind es wah­re Ge­schich­ten, die ich ent­spre­chend mo­di­fi­zie­re“, er­zählt der Au­tor. Bei­spiels­wei­se in dem Buch „Whis­key für En­gel“: Da geht es um ei­nen Mas­ter Blen­der, der ei­nen Whis­key nach his­to­ri­schem Vor­bild kre­iert und zwei Wo­chen vor der Pre­mie­re von ei­nem Un­be­kann­ten er­presst wird. De­tek­tiv An­gus Thinn­son MacDo­nald kann hel­fen.

Frank Win­ter schreibt et­wa ein­ein­halb Jah­re an ei­nem Buch. Pro Tag vier bis fünf St­un­den. „Ich sit­ze, bis die vier bis fünf Sei­ten fer­tig sind“, lässt er wis­sen. „Ja, die Ta­ges­form spielt schon ei­ne Rol­le. Manch­mal läuft es holp­rig.“ Im­mer wie­der er­zählt er von Schott­land. Von den High Lands, den In­seln, der schot­ti­schen Kul­tur. Nach sei­ner Auf­fas­sung ha­ben Schot­ten und Ba­de­ner Ähn­lich­kei­ten. „Zu­erst sind sie zu­rück­hal­tend, dann aber ge­winnt man Freun­de fürs Le­ben. Die Schot­ten ha­ben ei­nen tro­cke­nen Hu­mor und sind streb­sam.“

In Karls­ru­he ist der Au­tor kein Un­be­kann­ter. Er hat in der Bü­cher­schau des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums aus sei­nen Kri­mis ge­le­sen und ist auch bei Whis­ky­pro­ben prä­sent. Was das schot­ti­sche Es­sen an­ge­langt, so ver­geht kaum ein Tag, an dem nichts Schot­ti­sches in sei­nem Topf oder sei­ner Pfan­ne lan­det. Wie gut ihm das Es­sen schmeckt, sieht man sei­ner 1,93 Me­ter Län­ge al­ler­dings nicht an. „Ich be­we­ge mich viel“, ent­schul­digt er sich la­chend. Mo­ni­ka John

BÜ­CHER über ei­nen schot­ti­schen De­tek­tiv schreibt der Karls­ru­her Frank Win­ter. Fo­to: John

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