Der Kreml lässt grü­ßen

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - GER­HARD WINDSCHEID

Zum Ab­schied aus dem Amt holt Ba­rack Oba­ma ge­wal­tig aus: Erst trat der Noch-US-Prä­si­dent sei­nem Nach­fol­ger kräf­tig ge­gen das Schien­bein, in­dem er rie­si­ge Ge­bie­te im ho­hen Nor­den Alas­kas vor der Gier der Öl­kon­zer­ne schütz­te, dann brüs­kier­te er den is­rae­li­schen Re­gie­rungs­chef Ne­tan­ja­hu mit dem Ver­zicht auf ein ame­ri­ka­ni­sches Ve­to im Si­cher­heits­rat der Ver­ein­ten Na­tio­nen. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren war auf die USA stets Ver­lass, wenn es um Wi­der­stand ge­gen die Ver­ur­tei­lung der is­rae­li­schen Sied­lungs­po­li­tik ging. Mit ei­nem Fa­nal ver­ab­schie­det sich Oba­ma von sei­nem rus­si­schen Ge­gen­spie­ler Wla­di­mir Pu­tin. We­gen an­geb­lich vom Kreml ge­steu­er­ter Ha­cker-An­grif­fe schickt die US-Re­gie­rung jetzt 35 rus­si­sche Di­plo­ma­ten in die Hei­mat zu­rück. Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row hät­te ger­ne Glei­ches mit Glei­chem ver­gol­ten, aber Wla­di­mir Pu­tin pfiff ihn zu­rück. An­statt die of­fe­ne Kon­fron­ta­ti­on mit sei­nem Lieb­lings­feind zu su­chen, lässt der Kreml­chef sei­nen Geg­ner Oba­ma ins Lee­re lau­fen.

Pu­tin weiß, dass es nur noch ein paar Wo­chen dau­ert, bis mit Do­nald Trump ein ganz an­de­rer Mann an den Schalt­he­beln der Macht in Wa­shing­ton sit­zen wird. War­um al­so noch Öl ins Feu­er

gie­ßen, wenn sich die Ära Oba­ma eh er­le­digt hat? Freun­de wer­den die bei­den Macht­men­schen ge­wiss nicht mehr wer­den.

So lädt Pu­tin lie­ber die Kin­der der USDi­plo­ma­ten in Mos­kau in den Kreml ein, als dass er die ame­ri­ka­ni­sche Ver­tre­tung de­zi­miert. Mit den Ha­cker­an­grif­fen hat Mos­kau in den ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf ein­ge­grif­fen und nach Mei­nung von Prä­si­dent Oba­ma Hil­la­ry Cl­in­ton mas­siv ge­scha­det. Doch der Ra­che­feld­zug geht nach hin­ten los. Zieht Trump erst ein­mal ins Wei­ße Haus ein, wird sich die Ei­ses­käl­te zwi­schen Wa­shing­ton und Mos­kau rasch ver­zie­hen. Der künf­ti­ge Prä­si­dent ist kein Freund von Straf­ak­tio­nen und von Sank­tio­nen ge­gen Russ­land. Auch in an­de­ren Staa­ten brö­ckelt die Sank­ti­ons­front. So will et­wa der ös­ter­rei­chi­sche Au­ßen­mi­nis­ter Se­bas­ti­an Kurz den Vor­sitz sei­nes Lan­des in der OSZE zur Lo­cke­rung der Russ­lan­dSank­tio­nen nut­zen. Die deut­sche Wirt­schaft wird dies ger­ne hö­ren. Denn so man­cher lu­kra­ti­ve Auf­trag geht durch die Sank­ti­ons­po­li­tik flö­ten. Nur die Bun­des­re­gie­rung will sich nicht be­we­gen. Im­mer­hin gibt es in der Ukrai­ne- und in der Krim-Fra­ge kei­ne po­li­ti­schen Fort­schrit­te.

Pu­tin pfeift La­w­row zu­rück

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