Der Bahn­hof mit dem Re­cy­cling-Dach

Her­re­n­alb setzt auf Stüt­zen aus Ba­den-Ba­den

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ste­fan Jeh­le

Bad Her­re­n­alb/Ba­den-Ba­den. Der End­hal­te­punkt der Alb­tal­bahn der AVG in Bad Her­re­n­alb ist ei­gent­lich mehr ein „Bahn­höf­le“, denn ein rich­ti­ger Bahn­hof: In wei­ten Tei­len ein­glei­sig fährt die Li­nie S 1 von Karls­ru­he über Ett­lin­gen in den hoch über dem Rhein­tal lie­gen­den Ku­r­ort.

Doch bei ge­nau­er Be­trach­tung ist Bad Her­re­n­albs Bahn­hof ein Re­cy­cling-Pro­dukt. Be­reits zum zwei­ten Mal wur­de die Über­da­chung des eins­ti­gen Ba­denBa­de­ner Stadt­bahn­hofs „neu auf­ge­setzt“in der Sie­ben­tä­ler-Stadt Her­re­n­alb.

Im Sep­tem­ber 1977 ver­lor der Ba­denBa­de­ner Stadt­bahn­hof sei­ne Funk­ti­on. Die „Stich­bahn“von Ba­den-Oos, an der die Fern­bahn­stre­cke der Rhein­tal­bahn ver­kehrt, in Ba­den-Ba­dens In­nen­stadt war über­flüs­sig ge­wor­den. Weit über 100 Jah­re hat­te der da­ma­li­ge Kopf­bahn­hof das Kur­stadt­le­ben be­glei­tet – der noch ste­hen­de Bahn­hofs­bau, ein präch­ti­ges Ge­bäu­de im Stil der Neo­re­nais­sance mit An­lei­hen aus dem Ba­rock, war 1895 er­öff­net wor­den – und dient heu­te als Foy­er und Kas­sen­hal­le zum Fest­spiel­haus.

Wäh­rend die Bahn- und Gleis­an­la­gen bei der heu­ti­gen pos­ta­li­schen Adres­se „Beim Al­ten Bahn­hof“ent­fernt wur­den, ka­men Tei­le der al­ten Bahn­hofs­hal­le 15 Ki­lo­me­ter ent­fernt im öst­lich ge­le­ge­nen Bad Her­re­n­alb zu neu­em Ein­satz. Bis heu­te ver­sieht die Gleis­über­da­chung ih­ren Di­enst in der sehr viel klei­ne­ren Kur­stadt am Rande des Nord­schwarz­walds: er­öff­net beim ers­ten Bahn­hofs­fest am letz­ten Wochenende des Au­gust 1979. Die guss­ei­ser­nen Dach­stüt­zen ste­hen un­ter Denk­mal­schutz.

Nach knapp halb­jäh­ri­gem Um­bau des Bahn­hofs Bad Her­re­n­alb, der jetzt neu in Be­trieb ging, wur­de das Bahn­hofs­dach aber­mals „neu auf­ge­setzt“: Das Sat­tel­dach ist kom­plett neu ge­stal­tet. Wäh­rend die neue Über­da­chung 1978/79 sehr viel brei­ter aus­fiel, als zu­vor in Ba­den-Ba­den, wur­de das er­neu­er­te Dach jetzt wie­der re­du­ziert und ist nur noch 15,5 statt 27 Me­ter breit. Ein drit­ter Bahn­steig ent­fiel – auf ihm hal­ten künf­tig ins­be­son­de­re die Dampf­lo­ko­mo­ti­ven der Ul­mer Ei­sen­bahn­freun­de, die – wenn nicht ge­nutzt – im De­pot in Ett­lin­gen ste­hen. Das zum zwei­ten Mal re­cy­cel­te, eins­ti­ge Ba­den-Ba­de­ner Bahn­hofs­dach bleibt da­mit künf­tig ruß­frei.

Die wie­der auf­ge­stell­ten guss­ei­ser­nen Dach­stüt­zen er­in­nern da­bei auch an die lan­ge Ge­schich­te des Ba­den-Ba­de­ner Stadt­bahn­hofs.

Wer heu­te mit der Alb­tal­bahn der AVG, Li­nie S1, in die Fä­cher­stadt fährt, der wun­dert sich al­len­falls über das Zug­lauf­schild: Hoch­stet­ten steht dort als Ziel­ort – und nicht das sehr viel nä­her lie­gen­de­re Karls­ru­he. Was zu­min­dest Gäs­te, die nur tem­po­rär in Bad Her­re­n­alb ver­wei­len, ver­wir­ren dürf­te. Aber die fah­ren zu­min­dest künf­tig auch in Her­re­n­alb bar­rie­re­frei.

Das um­ge­stal­te­te Dach bleibt jetzt ruß­frei

ES BLEIBT EIN HINGUCKER: Nach halb­jäh­ri­gem Um­bau des Bahn­hofs Bad Her­re­n­alb wur­de das Sat­tel­dach kom­plett neu ge­stal­tet. Die wie­der auf­ge­stell­ten Stüt­zen er­in­nern an die lan­ge Ge­schich­te des Ba­den-Ba­de­ner Stadt­bahn­hofs. Fo­tos: Ste­fan Jeh­le/Andre­as Ill­gen

ZU SCHÖN ZUM VERSCHROTTEN: Das ehe­ma­li­ge Bahn­hofs- dach aus Ba­den-Ba­den, hier ei­ne Auf­nah­me aus dem Jahr 1975.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.