„Lass’ kra­chen!“

Der zeit­lich eng be­grenz­te Feu­er­werks-Ver­kauf ist Her­aus­for­de­rung für die Bran­che

Pforzheimer Kurier - - WIRTSCHAFT -

Bre­men. So­viel ist si­cher: Auch das neue Jahr 2017 dürf­te bun­des­weit kra­chend, don­nernd, fun­ken­sprü­hend und glit­zernd be­grüßt wer­den. Mit 133 Mil­lio­nen Eu­ro Sil­ves­ter­um­satz rech­net der Ver­band der py­ro­tech­ni­schen In­dus­trie (VPI). Das wä­re Vor­jah­res­ni­veau. Die Un­ter­neh­men ste­hen all­jähr­lich vor gro­ßen lo­gis­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen. Feu­er­werks­pro­duk­te der Klas­se 2 (ab 18 Jah­re) dür­fen nur an den letz­ten drei Werk­ta­gen im Jahr ver­kauft wer­den. 80 bis 95 Pro­zent des Jah­res­um­sat­zes wird an die­sen drei Ta­gen er­wirt­schaf­tet.

Bran­chen­füh­rer We­co hat sei­nen Haupt­sitz im nord­rhein-west­fä­li­schen Ei­torf und auch Wer­ke in Kiel und Frei­berg (Sach­sen). In den ver­gan­ge­nen Wo­chen wur­den über 200 000 Pa­let­ten mit Feu­er­werk aus­ge­lie­fert. 40 Au­ßen­la­ger in ganz Deutsch­land die­nen als Ver­teil­zen­tren. Auf et­wa 85 Pro­zent schätzt Un­ter­neh­mens­spre­cher Oli­ver Gerst­mei­er den An­teil der letz­ten drei Werk­ta­ge am Jah­res­um­satz (2014/15: rund 109 Mil­lio­nen Eu­ro). We­co pro­du­ziert als ein­zi­ger gro­ßer Her­stel­ler noch Wa­re in Deutsch­land. „65 Pro­zent be­zie­hen wir aus Fer­n­ost und da­bei fast al­les aus Chi­na. Aber 35 Pro­zent stel­len wir selbst her.“

Der Bran­chen­trend ging in den ver­gan­ge­nen Jah­ren klar zu den Feu­er­werks­bat­te­ri­en und Ver­bund­sys­te­men, die ein­zeln oder in Rei­he ge­schal­tet, cho­reo­gra­fiert und bis zu meh­re­re Mi­nu­ten lang Feu­er­wer­ke in den Him­mel schie­ßen. 40 bis 45 Pro­zent des Um­sat­zes ma­chen die­se Sys­te­me bei We­co aus. „2016 hat die­ses Seg­ment auch un­se­re Ra­ke­ten- und Fa­mi­li­en­sor­ti­men­te über­holt“, so Gerst­mei­er.

Der Haupt­markt auch für We­co ist Deutsch­land. Aber die Bran­che schaut et­was nei­disch auf eu­ro­päi­sche Nach­barn. In der Schweiz kracht’s et­wa am 1. Au­gust am Na­tio­nal­fei­er­tag zum Rüt­li-Schwur, in Frank­reich zie­hen zur Er­in­ne­rung an den Sturm auf die Bas­til­le am 14. Ju­li Ra­ke­ten in den Him­mel und auch die Bri­ten dür­fen zum „GuyFaw­kes-Day“am 5. No­vem­ber böl­lern. Für Deutsch­land re­geln das Spreng­stoff­ge­setz so­wie ent­spre­chen­de Ver­ord­nun­gen: „Feu­er­werks­kör­per der Ka­te­go­rie 2/Klas­se II dür­fen nur in der Zeit vom 31. De­zem­ber bis zum 1. Ja­nu­ar ab­ge­brannt wer­den“, heißt in et­wa in den „Ab­brenn­vor­schrif­ten“. Die Re­ge­lun­gen be­gren­zen auch den Ver­kauf auf die letz­ten drei Werk­ta­gen im Jahr. Aus­nah­men gibt’s nur mit Ge­neh­mi­gung.

An die­sen Ta­gen er­wirt­schaf­tet die Num­mer zwei der Bran­che – die Co­met Feu­er­werk Gm­bH in Bre­mer­ha­ven – rund 95 Pro­zent des Jah­res­um­sat­zes von 75 Mil­lio­nen Eu­ro. „Die Her­aus­for­de­run­gen un­se­res Ge­schäf­tes lie­gen in der ex­trem kur­zen Zeit­span­ne für den Ver­kauf un­se­rer Pro­duk­te, der zeit­ge­rech­ten Pro­duk­ti­ons­steue­rung und ei­ner auf­wen­di­gen Lo­gis­tik“, be­schreibt Co­met-Ge­schäfts­füh­rer Richard Ei­ckel den jähr­li­che Wett­lauf mit der Zeit. Bun­des­weit be­lie­fert die Co­met Feu­er­werk Gm­bH, die 2013 die Tra­di­ti­ons­mar­ke Kel­ler über­nahm, 30 000 Ver­kaufs­stel­len. Schon im Früh­som­mer tref­fen die Feu­er­werks­la­dun­gen per See­fracht aus Hong­kong in Bre­mer­ha­ven ein. Mil­lio­nen Feu­er­werks­ar­ti­kel wer­den kon­fek­tio­niert. Da­für stockt Co­met sei­ne Stamm­be­leg­schaft ab Sep­tem­ber auf 200 Kräf­te auf.

Ins­ge­samt zählt die Bran­che et­wa 2 500 Be­schäf­tig­te, schätzt der Bran­chen­ver­band VPI. Wäh­rend die Sil­ves­ter­nacht für Hund und Kat­ze, Hams­ter und Ka­na­ri­en­vo­gel oft zur Pla­ge wird, freu­en sich vor al­lem Mil­lio­nen Hob­by­Py­ro­tech­ni­ker auf der Deutsch­lands Stra­ßen, wenn ih­re Ra­ke­ten um 0.00 Uhr gen Him­mel zi­schen.

Un­ter dem Ti­tel „Sil­ves­ter­feu­er­werks­gui­de für Män­ner“stellt Co­met Ar­ti­kel­vor­schlä­ge für „An­ge­ber“, „Feu­ri­ge“, „Knall­har­te Ty­pen“oder „Bo­dy­bil­der“zu­sam­men. Letz­te­re könn­te sich mit ei­nem Ver­bund­feu­er­werk aus­stat­ten, das mit 1 800 Gramm Ex­plo­siv­mas­se 229 Schuss in über zwei Mi­nu­ten ab­feu­ert. Wie viel Um­satz die Bran­che tat­säch­lich ge­macht hat, stellt sich meist erst ge­gen En­de Fe­bru­ar raus. Das Feu­er­werk ist ein Re­tou­ren­ge­schäft. Schät­zungs­wei­se 15 bis 20 Pro­zent wer­den nicht ver­kauft, ge­hen zu­rück und wer­den für Sil­ves­ter 2017/2018 ein­ge­la­gert. „Nach Sil­ves­ter ist vor Sil­ves­ter“heißt es bei Co­met in Bre­mer­ha­ven. Und auch bei We­co in Ei­torf lau­fen be­reits Ge­sprä­che über das Feu­er­werks­pro­gramm im nächs­ten Jahr. Hel­mut Reu­ter

Sil­ves­ter­um­satz von 133 Mil­lio­nen Eu­ro

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.