Das 18-Mi­nu­ten-Be­säuf­nis

„Din­ner for one“be­geis­tert vie­le TV-Zu­schau­er – nur die Bri­ten nicht

Pforzheimer Kurier - - BLICK IN DIE WELT -

Ber­lin (dpa/BNN). Die­ser Sil­ves­terSketch ist be­lieb­ter als die Neu­jahrs­an­spra­che – seit 1963 lacht Deutsch­land über „Din­ner for One“. Fast je­der kennt das 18 Mi­nu­ten lan­ge Film­chen, doch ein paar Ge­schich­ten rund um den Klas­si­ker dürf­ten we­ni­ger be­kannt sein.

Fred­die Frin­ton, der als über­höf­li­cher But­ler Ja­mes die auf­ge­räum­te Miss So­phie be­dient, be­gann sei­ne Kar­rie­re als Ar­bei­ter in ei­ner Fisch­fa­brik. Dort lenk­te er Kol­le­gen mit Par­odi­en von der mo­no­to­nen Ar­beit ab. Da­her wur­de er als Fa­b­rik­ar­bei­ter dann auch ge­feu­ert. „Miss So­phie“May War­den wie­der­um hat we­ni­ge Jah­re nach dem hei­te­ren „Din­ner for One“ei­ne Rol­le in ei­nem der bru­tals­ten und düs­ters­ten Fil­me der 70er Jah­re über­nom­men: In St­an­ley Ku­bricks Meis­ter­werk „Uhr­werk Oran­ge“(1971) ist sie als ei­ne Ob­dach­lo­se zu se­hen – oh­ne Text.

Nicht nur die Bun­des­bür­ger pfle­gen die Tra­di­ti­on, „Din­ner for One“am letz­ten Tag des Jah­res zu se­hen. Auch Sen­der in Schwe­den, Dä­ne­mark, Est­land, Aus­tra­li­en, Lu­xem­burg, Bel­gi­en, Ös­ter­reich und der Schweiz zei­gen den Sketch zu Sil­ves­ter. In der bri­ti­schen Hei­mat von Fred­die Frin­ton und May War­den ist das Stück da­ge­gen nicht ge­läu­fig. Bei der Auf­zeich­nung 1963 in Ham­burg lach­te NDR-Te­le­fo­nis­tin Son­ja Göth am lau­tes­ten. Man hört sie buch­stäb­lich im Pu­bli­kum her­aus. „Der Auf­nah­me­lei­ter kam ir­gend­wann zu mir her und hat den Fin­ger auf die Lip­pen ge­legt“, sag­te sie ein­mal der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen“. „Das hieß: Wenn ich nicht auf­hö­re, muss ich raus. Selbst Fred­die Frin­ton fühl­te sich wohl ge­stört.“An­geb­lich aus ei­ner Ab­nei­gung ge­gen Deutsch­land – die Er­in­ne­run­gen an den Zwei­ten Welt­krieg wa­ren nach 20 Jah­ren noch recht frisch – soll Frin­ton sich ge­wei­gert ha­ben, auf Deutsch zu spre­chen.

But­ler Ja­mes sorgt üb­ri­gens für ei­nen Scha­den von 2 120 Eu­ro. Teu­ers­ter Pos­ten sei das Ti­ger­fell mit Re­pa­ra­tur­kos­ten von rund 2 000 Eu­ro, teil­te die Al­li­anz in Mün­chen mit. Zu­dem sei der Tep­pich stark ram­po­niert und die Tisch­de­cke mit Wein- und Spei­se­fle­cken über­sät. Der Münch­ner Ver­si­che­rungs­kon­zern hat ei­ne fik­ti­ve Scha­dens­ak­te für die Ge­burts­tags­fei­er er­stellt. „Als An­ge­stell­ter von Miss So­phie sind die Miss­ge­schi­cke von But­ler Ja­mes als Ei­gen­schä­den der Ar­beit­ge­be­rin an­zu­se­hen und da­mit nicht ver­si­chert“, sagt Al­li­an­zEx­per­tin Mir­ja­na Has­dorf-Achatz.

Sen­de­zei­ten

Meh­re­re Sen­der zei­gen „Din­ner for one mehr­fach. NDR: 15.25 Uhr, 17.40 Uhr, 19.40 Uhr, 23.35 Uhr; WDR: 18 Uhr; SWR 18.05 Uhr (kür­ze­re Schwei­zer Fas­sung), 19.25 Uhr, 21.55 Uhr ( Schwei­zer Fas­sung), 23.50 Uhr (Schwei­zer Fas­sung); RBB: 18.07 Uhr; MDR: 19 Uhr; HR 19.10 Uhr; BR 18.55 Uhr, 0.35 Uhr; Das Ers­te: 18.55 Uhr 0.30 Uhr.

SCHA­DENS­FALL: But­ler Ja­mes (Fred­die Frin­ton) ram­po­niert das Ti­ger­fell und ver­ur­sacht Kos­ten in Hö­he von 2 120 Eu­ro, wie die Al­li­anz nach­ge­rech­net hat. Fo­to: Al­d­ag/NDR/dpa

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