Ein Tele­mark zu we­nig

Ver­patz­te Lan­dung kos­tet Ei­sen­bich­ler den Po­dest­platz beim Tour­nee-Auf­takt / Kraft ge­winnt

Pforzheimer Kurier - - SPORT - Fo­to: AFP

Oberst­dorf (dpa/sid). Schon beim ge­mein­sa­men Abend­es­sen im Te­am­ho­tel war der Är­ger über den ver­pass­ten Po­dest­platz zum Tour­nee-Auf­takt bei Mar­kus Ei­sen­bich­ler ver­ges­sen. „Der sechs­te Platz ist ei­gent­lich sen­sa­tio­nell. Ich hät­te nicht ge­dacht, dass ich so ei­nen Auf­takt hin­le­ge“, sag­te er und rich­te­te vor dem Neu­jahrs­sprin­gen in Gar­mi­schPar­ten­kir­chen am Sonn­tag ei­ne Kampf­an­sa­ge an die Kon­kur­renz. „Jetzt heißt es wei­ter­ma­chen. Es ist noch nichts ent­schie­den.“Als der Ös­ter­rei­cher Ste­fan Kraft im mit 25 500 Fans rest­los ge­füll­ten He­xen­kes­sel von Oberst­dorf aus­ge­las­sen sei­nen Auf­takt­sieg bei der 65. Vier­schan­zen­tour­nee be­ju­bel­te, stan­den die deut­schen Ski­sprin­ger um ih­ren neu­en Front­mann und den ab­ge­häng­ten Welt­meis­ter Se­ve­rin Freund ab­seits des Tru­bels. In ei­nem span­nen­den Wett­be­werb fehl­ten Ei­sen­bich­ler am Frei­tag auf Rang sechs nur 3,1 Punk­te zum er­hoff­ten Platz auf dem Po­di­um.

„Die Wei­te hat nicht ge­fehlt, aber ich muss bes­ser lan­den. Das är­gert mich ex­trem – aber nur fünf Mi­nu­ten“, sag­te der 25 Jah­re al­te Bun­des­po­li­zist aus dem baye­ri­schen Siegs­dorf. Nach dem ers­ten Durch­gang hat­te der Drit­te des Welt­cups in Lil­le­ham­mer mit 135,0 Me­tern noch den vier­ten Rang be­legt, setz­te dann aber bei 133,5 m kei­nen Tele­mark und ver­pass­te das Po­dest um um­ge­rech­net zwei Me­ter. „Die Lan­dung war heu­te nicht mein Freund, aber ich bin trotz­dem sehr zu­frie­den. Das ist jetzt schon mei­ne bes­te Tour­nee, selbst wenn ich jetzt drei­mal aus­schei­de“, sag­te Ei­sen­bich­ler. „Mar­kus hat ei­nen gu­ten Wett­kampf ge­macht und ist wei­ter da­bei. Es ist bit­ter, dass er über die Lan­dung Plät­ze ver­lo­ren hat. Die Ju­ry hat das hart be­straft“, sag­te Bun­des­trai­ner Wer­ner Schus­ter. We­ni­ger zu­frie­den konn­te er mit den Er­geb­nis­sen der an­de­ren DSVAd­ler sein: Richard Frei­tag als 14. und Andre­as Wel­lin­ger auf Rang 15 wa­ren schon weit weg von der Spit­ze. Ste­phan Ley­he (Wil­lin­gen) folg­te auf Po­si­ti­on 17, Andre­as Wank (Hin­ter­zar­ten) und Karl Gei­ger (Oberst­dorf) be­leg­ten die Plät­ze 20 und 27. „Wir sind nicht ge­ra­de gran­di­os ge­star­tet. Es sind zu vie­le Feh­ler pas­siert“, kri­ti­sier­te Schus­ter. „Mar­kus hat­te heu­te kei­ne Un­ter­stüt­zung aus dem Team. Er war der Ein­zi­ge in der Spit­zen­grup­pe. Von den an­de­ren muss mehr kom­men.“

Ei­sen­bich­ler fährt mit knapp 15 Punk­ten Rück­stand auf Kraft nach Gar­misch-Par­ten­kir­chen. Der Tour­nee-Tri­um­pha­tor von 2015 setz­te sich mit Wei­ten von 139 und 134,5 Me­tern vor Dop­pel-Olym­pia­sie­ger Ka­mil Stoch aus Po­len durch, der auf 137 und 135 Me­ter kam. „Das ist un­glaub­lich, ein­fach me­ga cool. Das ist ei­ner mei­ner schöns­ten Ta­ge“, froh­lock­te Kraft. Drit­ter wur­de sein Lands­mann Micha­el Hay­böck, da­hin­ter lan­de­te Mit­fa­vo­rit Da­ni­el An­dré Tan­de aus Nor­we­gen auf Rang vier. Top­fa­vo­rit Do­men Pre­vc zeig­te im All­gäu­er He­xen­kes­sel da­ge­gen Ner­ven und ver­spiel­te al­le Chan­cen auf den Tour­nee­T­ri­umph. Am En­de stand Rang 26 – mehr als 50 Punk­te hin­ter Kraft. „Er hat es nicht durch­ge­kriegt. Sei­ne Un­be­schwert­heit reicht in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen noch nicht“, sag­te Schus­ter über den Ab­sturz des Wun­der­kin­des. Der zu­letzt form­schwa­che Tour­nee-Ti­tel­ver­tei­di­ger Pe­ter Pre­vc knüpf­te als Zehn­ter zu­min­dest an sei­ne al­te Stär­ke an, bes­ter der drei Pre­vc-Brü­der war aber der 20 Jah­re al­te Ce­ne auf dem ach­ten Rang. Zwei pro­mi­nen­te Na­men schaff­ten es erst gar nicht in den zwei­ten Durch­gang: Alt­meis­ter No­ria­ki Ka­sai (44) aus Ja­pan muss­te auf Rang 31 eben­so vor­zei­tig die Kof­fer pa­cken wie Si­mon Am­mann aus der Schweiz (37.).

An­ders als im Vor­jahr er­laubt die Tour­nee vor dem Jah­res­wech­sel kein Durch­schnau­fen, ge­stat­tet kei­nen Ru­he­tag zwi­schen Oberst­dorf und Gar­misch. Kei­ne 20 St­un­den nach dem Auf­takt­sprin­gen geht es auf der Olym­pia­schan­ze von 1936 heu­te (14 Uhr/Das Ers­te und Eu­ro­sport) mit der Qua­li­fi­ka­ti­on zum Neu­jahrs­sprin­gen wei­ter.

ÄRGERLICHER MO­MENT: Mar­kus Ei­sen­bich­ler schlägt nach der Lan­dung ent­täuscht die Hän­de vors Ge­sicht.

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