Mas­sen­böl­ler las­sen kei­nen Platz für Pro­fis

Auch Py­ro­tech­ni­ker ge­nie­ßen Sil­vest­er­him­mel

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ju­li­an Zach­mann

Kor­ken knal­len in der Sil­ves­ter­nacht so­wie je­de Men­ge Böl­ler, Ra­ke­ten und Bat­te­ri­en. Der Him­mel ist frei für fast je­der­mann. In­ner­halb von Mi­nu­ten las­sen die Deut­schen rund 133 Mil­lio­nen Eu­ro in der Luft ver­puf­fen, schätzt der Ver­band der py­ro­tech­ni­schen In­dus­trie. Doch was ma­chen wäh­rend­des­sen die Pforz­hei­mer Pro­fi-Py­ro­tech­ni­ker? Ha­ben sie sich schon mit Spe­zi­al­mu­ni­ti­on ge­rüs­tet, um sich von der Men­ge ab­zu­he­ben und ih­re Nach­barn am Licht­er­him­mel zu über­trump­fen?

Ganz und gar nicht: „Kurz vor Sil­ves­ter ist bei uns im La­den Hoch­sai­son, wir ver­kau­fen bis 14 Uhr und bis al­les auf­ge­räumt ist, ist Abend“, er­klärt der Py­ro­tech­ni­ker Ca­rol Braun. „Des­halb bin ich froh, dass sich die Ju­gend in die­sem Jahr um un­ser tra­di­tio­nel­les Sil­ves­ter­feu­er­werk in Bad Lie­ben­zell küm­mert und ich ge­müt­lich und be­son­nen zu­hau­se fei­ern kann.“

Da der Freie-Wäh­ler-Stadt­rat am Berg wohnt, kann er den Blick über den Pforz­hei­mer Sil­vest­er­him­mel ge­nie­ßen und „schau­en, wo un­ser ver­kauf­tes Ma­te­ri­al zum Ein­satz kommt, da ma­chen wir uns im­mer un­se­ren Spaß draus.“Man er­ken­ne näm­lich durch­aus den Un­ter­schied zwi­schen ei­ner Dis­coun­ter- und Ex­klu­siv-Bat­te­rie. Nicht nur preis­lich. „Aber in den letz­ten Jah­ren merkt man, dass die Leu­te mehr Wert auf schö­nes Feu­er­werk le­gen“, stellt der 59-Jäh­ri­ge fest.

Braun mahnt auch zur Vor­sicht: „Es ist im­mer­hin ein Spiel mit dem Feu­er und nicht mit Knal­lerbsen. Das Feu­er­werk soll­te si­cher ste­hen und schie­ßen soll­te je­mand, der mög­lichst kei­nen Al­ko­hol ge­trun­ken hat.“

Als ech­ter Feu­er­wer­ker kann Braun an Sil­ves­ter na­tür­lich nicht ganz aufs Knal­len ver­zich­ten: „Wir pro­bie­ren die Mus­ter­wa­re aus, die es erst 2017 im Han­del gibt – da­mit wir sie ken­nen und die Kun­den in­di­vi­du­ell be­ra­ten kön­nen, bei­spiels­wei­se wenn ein Hun­de­be­sit­zer ei­nen ru­hi­ge­ren Ar­ti­kel sucht.“Apro­pos Vier­bei­ner: Braun ist selbst Gas­si-Gän­ger und spen­det vom Feu­er­werks­ver­kauf im­mer wie­der ans Tierheim. Ei­ne hal­be St­un­de Knal­len im Jahr soll­te drin sein: „Mit freu­di­gen Sa­chen sind wir heut­zu­ta­ge oft nicht mehr so ge­seg­net und das Sil­ves­ter­feu­er­werk ist ein­fach ei­ne Tra­di­ti­on. Kei­ne Au­tos, kei­ne Ab­ga­se – wo­für ar­bei­ten wir Men­schen da noch?“Emis­si­ons­und ge­räuscharmes Show-Feu­er­werk lau­tet die Markt­lü­cke, mit der sich der Pforz­hei­mer Land­schafts­ar­chi­tekt Fe­lix Mei­er von der Mas­se ab­ge­ho­ben und sei­ne Lei­den­schaft zum Be­ruf ge­macht hat. Mitt­ler­wei­le ge­hö­ren zehn Mit­ar­bei­ter zum Team des krea­ti­ven 29-Jäh­ri­gen, das vor we­ni­gen Ta­gen zur lan­gen Ein­kaufs­nacht vom Dach der Schlöss­le­ga­le­rie ge­schos­sen hat – mit 700 elek­tri­schen Zün­dun­gen pas­send zur Mu­sik. Ganz klas­sisch greift der In­ha­ber von MK-Py­ro­de­sign im Ge­gen­satz da­zu an Sil­ves­ter

„Ein Spiel mit Feu­er, nicht mit Knal­lerbsen“

zu Feu­er­zeug und ein­fa­chen Ra­ke­ten. An die­sem Abend geht es ihm nicht um die Show, son­dern um die Lei­den­schaft: an­zün­den, rau­chen, ex­plo­die­ren.

„Als Ju­gend­li­cher ha­be ich ewig auf die­sen Tag hin­ge­ar­bei­tet, aber mitt­ler­wei­le darf ich ja nach An­mel­dung nicht nur ein­mal im Jahr groß schie­ßen“, er­klärt Mei­er, „Und mit ei­ner pro­fes­sio­nel­len Show hät­te man kei­nen Spaß, da ent­steht kei­ne Dra­ma­tik, wenn al­le an­de­ren drum her­um böl­lern.“Au­ßer­dem sol­len sei­ne Mit­ar­bei­ter an die­sem Abend auch mal frei­ha­ben, an­statt stun­den­lang auf- und spä­ter wie­der ab­zu­bau­en, wäh­rend die Freun­de fei­ern.

Auch Mei­er sen­si­bi­li­siert für die Ge­brauchs­an­wei­sung: „Die Pro­duk­te wer­den nicht we­ni­ger ge­fähr­lich, vor al­lem, wenn Leicht­sinn und Al­ko­hol im Spiel ist. Ra­ke­ten flie­gen durch­aus 40 Me­ter be­vor sie ex­plo­die­ren – da­bei ist es dem Ge­schoss egal, ob ein Ge­sicht dar­über ist oder nicht.“

AM SIL­VEST­ER­HIM­MEL ist kein Platz für ein Pro­fi­feu­er­werk wie hier bei der lan­gen Som­mer­nacht in Wil­fer­din­gen.

BERUFSFEUERWERKER Fe­lix Mei­er greift heu­te Abend ganz klas­sisch zu han­dels­üb­li­chen Ra­ke­ten. Fo­tos: Zach­mann

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