Sport & Tot­schlag

Ku­ri­er-Re­dak­teu­re schil­dern be­we­gen­de Mo­ment 2016

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Land­tags­wah­len, Mord­pro­zess und der Um­zug an den neu­en Stand­ort in der West­li­chen Karl-Fried­rich-Stra­ße 24: Ein er­eig­nis­rei­ches Jahr liegt hin­ter der Re­dak­ti­on des Pforz­hei­mer Ku­ri­er. Wel­che Er­eig­nis­se oder Ter­mi­ne sie per­sön­lich span­nend oder be­we­gend fan­den, schil­dern ei­ni­ge Re­dak­ti­ons­mit­glie­der hier:

Auf der An­kla­ge­bank rich­tet der Tot­schlä­ger stur den Blick nach un­ten. Ihm ge­gen­über sit­zen die um Fas­sung rin­gen­den El­tern der ge­tö­te­ten Frau, sei­ner Ver­lob­ten. Auf ei­nem gro­ßen Bild­schirm sind Auf­nah­men des von Blut­er­güs­sen über­sä­ten Leich­nams zu se­hen. Bil­der, von de­nen man re­flex­ar­tig den Blick ab­wen­den möch­te. Hin­ter den Plät­zen der Me­di­en­ver­tre­ter ist un­ter­drück­tes Schluch­zen der An­ge­hö­ri­gen des Op­fers zu ver­neh­men: Der Tot­schlag­pro­zess von Grun­bach, der im Ok­to­ber am Land­ge­richt Karls­ru­he ver­han­delt wur­de, ist al­les an­de­re als all­täg­lich für ei­nen Lo­kal­re­dak­teur. Die Tat­ort-Bil­der wa­ren auch für den um Neu­tra­li­tät be­müh­ten Be­richt­er­stat­ter har­te Kost. Die Ab­grün­de, die sich hin­ter der ver­meint­lich idyl­li­schen Fas­sa­de des Ei­gen­heims des jun­gen Paa­res auf­ta­ten – sie wa­ren of­fen­bar dun­kel und tief. Die 33-Jäh­ri­ge, be­liebt und er­folg­reich im Be­ruf, er­leb­te in der Be­zie­hung ein Mar­ty­ri­um. Sie woll­te sich nicht von ih­rem Ver­lob­ten tren­nen, sie lieb­te ihn – trotz der Schlä­ge. Im Ge­richts­saal mit­an­zu­se­hen, wie Freun­de und Fa­mi­lie hilf­los, fast ohn­mäch­tig den Aus­füh­run­gen der Rechts­me­di­zin fol­gen, wird im Be­ob­ach­ter noch lan­ge nach­hal­len.

Tas­si­lo Pfit­zen­mei­er, Enz­kreis-Re­dak­teur

Ju­bel bran­det im Nie­fer­ner Ame­li­us­saal auf, als fest­steht, dass Bir­git Förs­ter die Bür­ger­meis­ter­wahl in Nie­fernÖ­schel­bronn ge­won­nen hat. Die meis­ten Be­su­cher im Saal ap­plau­die­ren be­geis­tert, ju­beln und Ma­rio Förs­ter drückt sei­ne Frau an sich und küsst sie. Zu­vor ha­ben 600 Be­su­cher nach Schlie­ßung der Wahl­lo­ka­le an­dert­halb St­un­den im Saal aus­ge­harrt, weil sich die Aus­zäh­lung der Brief­wahl­schei­ne hin­zieht. Die Span­nung wächst im Ame­li­us­saal, bis Förs­ters Vor­gän­ger im Amt, Jür­gen Kurz, end­lich das Er­geb­nis ver­kün­det: Die 42-Jäh­ri­ge setzt sich auf An­hieb mit 52,7 Pro­zent ge­gen sechs Kan­di­da­ten durch. Ob­wohl Förs­ter als kla­re Fa­vo­ri­tin ins Ren­nen ge­gan­gen ist, ha­ben vie­le mit ei­nem zwei­ten Wahl­gang ge­rech­net.

Tors­ten Ochs, Enz­kreis-Re­dak­teur Ar­beits­platz­ver­lust, Zu­kunfts­angst, Aus­sicht auf har­te Zei­ten: Wenn Fir­men ins Tru­deln ge­ra­ten, hat kein Mit­ar­bei­ter et­was zu la­chen. Nicht an­ders ist die La­ge all de­rer, die zu­sam­men mit dem Pforz­hei­mer Stadt­ver­kehr ab­ge­schafft wur­den. Hier aber – und das ist der Un­ter­schied – sind vie­le auf ei­ne Wei­se ent­täuscht, die nichts mit ei­ner Frus­tra­ti­on dar­über zu tun hat, dass al­les En­ga­ge­ment ver­ge­bens war. Es ist Ent­täu­schung über ei­nen Ar­beit­ge­ber, der sie einst mit vie­len Ver­spre­chun­gen aus dem öf­fent­li­chen Di­enst in die Pri­va­ti­sie­rung ent­ließ, aber nicht vor den Ver­wer­fun­gen bis zum Ar­beits­platz­ver­lust schütz­te. Es ist die Käl­te, die üb­rig bleibt, wenn al­les stol­ze De­ko­rum nicht mehr trägt und ei­ne Welt un­ter­geht, die einst un­er­schüt­ter­lich er­schien, aber doch nur ei­ne Fra­ge der Zah­len war.

Edith Kopf, Pforz­heim-Re­dak­teu­rin

Es ist das zwei­te Ad­vents­wo­chen­en­de, als ei­ne klei­ne Enz­kreis-Ge­mein­de die Lud­wigs­bur­ger Are­na rockt. 400 be­geis­ter­te Fans der KTV Strau­ben­hardt, mit­ten­drin Bür­ger­meis­ter Hel­ge Vieh­weg, fei­ern die Rie­ge aus dem Nord­schwarz­wald für die er­folg­rei­che Ti­tel­ver­tei­di­gung. Be­reits zum fünf­ten Mal seit 2005 sind die KTV-Tur­ner Deutsch­lands Bes­te und er­rei­chen da­mit die selbst­ge­steck­ten ho­hen Zie­le. Für Stars wie Mar­cel Nguy­en und Andre­as Bret­schnei­der ist dies auch ein Hauch von Ent­schä­di­gung für ge­platz­te Me­dail­len­träu­me bei den Olym­pi­schen Spie­len in Rio de Janei­ro. Klei­nig­kei­ten ver­hin­dern un­ter dem Zu­cker­hut, dass sich die über Jah­re akri­bi­sche Ar­beit in Edel­me­tall aus­zahlt. Um­so grö­ßer fällt der ge­mein­sa­me Ju­bel im Strau­ben­hard­ter Team nach dem glück­li­chen En­de ei­ner stra­pa­ziö­sen Sai­son aus.

Flo­ri­an Kon­rad, Sport-Re­dak­teur

Manch­mal möch­te auch der neu­tra­le Sport­re­dak­teur sei­nen Stift und Block lie­ber zur Sei­te le­gen. Es gibt ein­fach zu viel zu be­ob­ach­ten, als der FC Nöt­tin­gen sein ent­schei­den­des Auf­stiegs­spiel beim SC Hau­en­stein in der Pfalz be­strei­tet. Ein Platz­ver­weis, drei Foul­elf­me­ter, acht To­re, ei­ni­ge tak­ti­sche Än­de­run­gen und vie­le un­ge­ahn­te Wen­dun­gen. Am En­de reicht dem FCN das spä­te 4:4 von Leu­trim Ne­zi­raj zum Wie­der­auf­stieg in die Fuß­ball-Re­gio­nal­li­ga. Der Block ist fast voll. Wenn man beim Schrift­bild groß­zü­gig ist, kann man auch mit Blick aufs Spiel­feld schrei­ben.

Re­né Ron­ge, Sport-Re­dak­teur

Sie ka­men aus Kriegs­län­dern und spra­chen kaum Deutsch. Und da soll­ten die aus Sy­ri­en und dem Irak stam­men­den Al­fons-Kern-Schü­ler Thea­ter spie­len, vor gro­ßem Pu­bli­kum, im Gro­ßen Haus! Das Stadt­thea­ter hät­te vi­el­leicht kei­ner von ih­nen je­mals be­tre­ten. Wä­re da nicht je­nes Pro­jekt ge­we­sen. Ra­phaèl Nybl und sei­ne Schau­spiel­kol­le­gin und Thea­ter­päd­ago­gin An­to­nia Schir­m­eis­ter brach­ten in teils müh­sa­mer, mo­na­te­lan­ger Ar­beit zu­sam­men mit den Ju­gend­li­chen ein Stück nach ei­nem Ro­man von Ödön von Hor­váth auf die Büh­ne. Es wur­de ein Knal­ler. Da­zu brauch­te es sprach­lich auch gar nicht per­fekt zu sein. Die jun­gen Mi­men wuch­sen durch ihr lei­den­schaft­li­ches Spiel über sich selbst hin­aus. An der Al­fons-Kern-Schu­le, die das Pro­jekt mit be­treu­te, staun­ten Leh­rer dar­über, wie sehr es ih­re Schü­ler ver­än­der­te. An Stel­le von Mut­lo­sig­keit und hän­gen­den Schul­tern trat Selbst­be­wusst­sein.

Clau­dia Kraus, Pforz­heim-Re­dak­teu­rin

Edith Kopf

Re­né Ron­ge

Flo­ri­an Kon­rad

Clau­dia Kraus

T. Pfit­zen­mei­er

Tors­ten Ochs

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