Als die Zei­tung noch Män­ner­sa­che war

Mar­ga­re­te Wil­limek war ers­te Vo­lon­tä­rin des Ku­ri­er / Ver­le­ger­fa­mi­lie mit Pforz­hei­mer Wur­zeln

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM -

Jour­na­lis­mus ist Män­ner­sa­che. Was für ein mü­der Satz aus ei­ner längst ver­gan­ge­nen Zeit. Doch für jun­ge Frau­en, die in den fünf­zi­ger Jah­ren da­von träum­ten, mit No­tiz­block in der Hand und Ka­me­ra um den Hals die wei­te Welt der Nach­rich­ten zu er­obern, war die­ser Satz bit­te­re Rea­li­tät. Wer es da­mals in die Män­ner­do­mä­ne schaf­fen woll­te, der brauch­te nicht nur ein fei­nes Ge­spür für Wör­ter und Wor­te, son­dern auch ei­nen star­ken Glau­ben an den gro­ßen Traum. Und den hat­te Mar­ga­re­te Wil­limek schon, als sie noch im Flü­gel­kleid zur Hil­da­schu­le ging und mit Nach­na­men Baur hieß.

Mar­ga­re­te Wil­limek war die ers­te Vo­lon­tä­rin des Pforz­hei­mer Ku­ri­er. Sie ist die in­zwi­schen 87-jäh­ri­ge Mut­ter des

Von der Hil­da­schu­le in die Ku­ri­er-Re­dak­ti­on

heu­ti­gen BNN-Ver­le­gers Klaus-Micha­el Baur, lebt seit vie­len Jahr­zehn­ten in Karls­ru­he und ver­folgt von dort auch über den In­ter­net-Auf­tritt des Pforz­hei­mer Ku­ri­er das Ge­sche­hen in ih­rer al­ten Hei­mat.

Als Nich­te des Grün­ders und ers­ten Ver­le­gers der Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten, Wil­helm Baur, hat­te sie ei­ne Chan­ce, die an­de­re Frau­en ih­rer Ge­ne­ra­ti­on nicht hat­ten. Und sie wuss­te sie zu nut­zen. Schon da­mals hat­te Wil­helm Baur sei­nen Nef­fen Hans Wil­helm als Nach­fol­ger aus­er­ko­ren und Mar­ga­re­te be­nei­de­te ih­ren Bru­der ein we­nig. „Nicht un­be­dingt um die Ver­ant­wor­tung, ei­nes Ta­ges die Zei­tung zu füh­ren, aber um die Mög­lich­keit, zu schrei­ben.“Bei ei­nem Be­such des da­ma­li­gen Ku­ri­er-Re­dak­ti­ons­lei­ters Kurt Gri­gu­scheit in ih­rer Schul­klas­se ver­riet die jun­ge Mar­ga­re­te erst­mals, „dass ich ger­ne Jour­na­lis­tin wer­den woll­te“, er­zählt sie heu­te. „Die meis­ten Mäd­chen in­ter­es­sier­ten sich da­mals für Be­ru­fe in Arzt­pra­xen. Doch mein Wunsch war klar. Herr Gri­gu­scheit hat mir wohl nicht so rich­tig ge­glaubt. Aber ich ha­be ger­ne ge­schrie­ben und woll­te das auch be­ruf­lich tun.“

Nicht nur ger­ne, son­dern of­fen­sicht­lich auch gut ge­schrie­ben hat Mar­ga­re­te Wil­limek, das sa­hen auch ih­re Leh­rer und so wur­de ihr mit dem Abitur auch der Schef­fel­preis ver­lie­hen für be­son­ders gu­te Leis­tun­gen im Fach Deutsch. „Da konn­te mein On­kel gar nicht mehr an­ders, als mich ein­zu­stel­len.“

Die Re­dak­ti­on des Pforz­hei­mer Ku­ri­er be­fand sich zu die­ser Zeit in ei­ner Nach­kriegs­ba­ra­cke auf der Nord­sei­te der Zer­ren­ner­stra­ße. Dort fand die jun­ge Vo­lon­tä­rin ei­nen Platz „an der schma­len Sei­te ei­nes Schreib­ti­sches“und schrieb fort­an über Geburtstage und „zweit­ran­gi­ge Ki­no­vor­stel­lun­gen“.

Die Re­zen­sio­nen der Fil­me fie­len da­bei im­mer sehr po­si­tiv aus. „Zu­min­dest die Ki­no­be­trei­ber wa­ren be­geis­tert von mei­nen Tex­ten.“Zu ih­rer ers­ten Re­por­ta­ge ging sie mit ei­nem Stroma­b­le­ser auf Tour. „Das war mein ers­ter Drei­spal­ter.“Und auch so was wie ein klei­ner Durch­bruch. Die Kol­le­gen nah­men sie ernst und sie durf­te sich auch am Glos­sen­schrei­ben ver­su­chen.

We­nig spä­ter hei­ra­te­te die jun­ge Jour­na­lis­tin. Und als es dar­um ging, ei­ne Fa­mi­lie zu grün­den, da fiel die Auf­ga­be der Kin­des­er­zie­hung wie selbst­ver­ständ­lich ihr zu. Da wa­ren die Fünf­zi­ger dann eben doch stär­ker. Drei Kin­der soll­ten es wer­den und die Fa­mi­lie ließ sich in Karls­ru­he nie­der. Doch der di­rek­te Be­zug der Ver­le­ger­fa­mi­lie in die Gold­stadt brach da­mit nicht ab.

Zu eng war die Fa­mi­li­en­ge­schich­te mit Pforz­heim ver­bun­den. So war BNN-Grün­der Wil­helm Baur schon als Kind mit sei­nen El­tern und den Ge­schwis­tern Jo­han­na und An­ton aus Schwä­bisch Gmünd nach Pforz­heim ge­kom­men. Der Va­ter war Gold­schmied und ver­sprach sich in Pforz­heim ein bes­se­res be­ruf­li­ches Fort­kom­men.

Beim Luft­an­griff vom 23. Fe­bru­ar 1945 wur­de auch die Fa­mi­lie Baur aus­ge­bombt und fand in Er­sin­gen Un­ter­schlupf, bis der Neu­auf­bau ei­ne Rück­kehr ins Herz der Gold­stadt zu­ließ. Bis in die acht­zi­ger Jah­re leb­te die Mut­ter Mat­hil­de Baur im Ku­rier­ge­bäu­de in der Zer­ren­ner­stra­ße 3. Just zu de­ren Ge­burts­tags­fei­er setz­ten bei der da­mals schwan­ge­ren Toch­ter Mar­ga­re­te die We­hen ein, und so ge­schah es, dass der heu­ti­ge Ver­le­ger der BNN, Klaus-Micha­el Baur, wie sein Vor­gän­ger, im städ­ti­schen Kli­ni­kum zur Welt kam.

Sein On­kel Bern­hard Baur lei­te­te zu der Zeit die Ge­schäfts­stel­le des Pforz­hei­mer Ku­ri­er. Doch er ließ nicht nur Ver­trieb und An­zei­gen­ge­schäft rei­bungs­los lau­fen. Bern­hard Baur sorg­te als Sta­di­on­spre­cher des VfR gleich­zei­tig da­für, dass im Sta­di­on am Holz­hof im­mer die rich­ti­ge Stim­mung herrsch­te und stets der rich­ti­ge Tor­schüt­ze be­ju­belt wur­de. Spä­ter wech­sel­te er als Per­so­nal­di­rek­tor in die Ver­lags­zen­tra­le nach Karls­ru­he. Aus des­sen Zeit, so ist über­lie­fert, stammt auch der le­gen­dä­re Wer­be­spruch: „Pforz­heims Drei­klang, merk’ ihn Dir: Uh­ren, Schmuck und der Ku­ri­er“.

R. Wei­sen­bur­ger

TIEF VER­WUR­ZELT IN DER GOLD­STADT ist der Pforz­hei­mer Ku­ri­er, Lo­kal­aus­ga­be der Ba­di­schen Neu­es­ten Nach­rich­ten. So­wohl der am­tie­ren­de Ver­le­ger Klaus-Micha­el Baur wie auch sein Vor­gän­ger Hans-Wil­helm Baur ka­men in der Gold­stadt zur Welt. Fo­to: PK

MAR­GA­RE­TE WIL­LIMEK er­füll­te sich beim Ku­ri­er ih­ren Traum vom Schrei­ben.

BERN­HARD BAUR war auch als Sta­di­on­spre­cher beim VfR ak­tiv. Fo­tos: pri­vat

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