„Pro­jekt ist das größ­te De­sas­ter für Do­bel“

Ge­mein­de klagt ge­gen Wind­park Strau­ben­hardt

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bir­git Graeff-Rau

Do­bel. Den Rechts­weg be­schrei­ten wird die Ge­mein­de Do­bel ge­gen die kurz vor Weih­nach­ten er­teil­te im­mis­si­ons­schutz­recht­li­che Ge­neh­mi­gung des Wind­parks Strau­ben­hardt. Sel­ten so voll war in Do­bel die Pfarr­scheu­er bei ei­ner Ge­mein­de­rat­sit­zung, ne­ben Do­bler Bür­ge­rin­nen und Bür­gern wa­ren auch et­li­che Zu­hö­rer aus den Nach­bar­kom­mu­nen ge­kom­men. „Am 16. De­zem­ber kam vom Land­rats­amt Enz­kreis die la­pi­da­re Mel­dung über die Ge­neh­mi­gung und die Of­fen­la­ge in der Zeit vom 23. De­zem­ber bis 5. Ja­nu­ar“, er­klär­te Bau­amts­lei­ter Jür­gen Gall. Eher per Zu­fall ha­be man her­aus­ge­fun­den, dass das Land­rats­amt Enz­kreis be­reits am 5. De­zem­ber auch die Ge­neh­mi­gung für die Än­de­rung des Teil­flä­chen­nut­zungs­plans Wind­kraft er­teilt ha­be. „Wir ha­ben ein sehr deut­lich for­mu­lier­tes Pro­test­schrei­ben we­gen des Ter­mins der Of­fen­al­ge und Ein­sprü­che ab­ge­ge­ben und am 22. De­zem­ber Ak­ten­ein­sicht in das rund 280 Sei­ten star­ke Werk er­hal­ten“, in­for­mier­te Bür­ger­meis­ter Chris­toph Schaack. Die Of­fen­la­ge sei nun auf die Zeit vom 10. bis 24. Ja­nu­ar 2017 ver­scho­ben.

„Die er­teil­te Ge­neh­mi­gung ist so­fort voll­zieh­bar“, er­klär­te Ri­co Fal­ler, der die Ge­mein­de ju­ris­tisch ver­tritt. Ein blo­ßer Wi­der­spruch ha­be kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung, es dürf­ten so­fort die Vor­be­rei­tun­gen für den Bau ge­trof­fen wer­den. Im Wald ist schon das Neu­sat­zer Sträß­le ent­spre­chend aus­ge­pflockt. Um ei­nen Auf­schub zu er­rei­chen, sei es nö­tig, ei­nen An­trag auf einst­wei­li­gen Rechts­schutz beim Ver­wal­tungs­ge­richt zu stel­len. „Die­sen An­trag soll­ten Sie bald, aber un­be­dingt mit Au­gen­maß stel­len“, emp­fahl der Ju­rist. Man kön­ne nur Aspek­te gel­tend ma­chen, die die Ge­mein­de in ih­ren Rech­ten be­tref­fen, es müs­se dem Schutz der Ge­mein­de die­nen. „Be­ein­träch­ti­gung des Tou­ris­mus, Ar­beits­plät­ze und Selbst­ge­stal­tung wä­ren sol­che Aspek­te“, so Fal­ler. Der Ar­ten­schutz kön­ne von der Ge­mein­de nicht gel­tend ge­macht wer­den, wohl aber von ei­nem an­er­kann­ten Um­welt­ver­band, den man sich ins Boot ho­len könn­te. Dies wä­re sinn­voll, da ein sol­cher Ver­band auch den An­trag auf Auf­schub der Ro­dungs­maß­nah­men im Wald stel­len könn­te, die im Ja­nu­ar be­gin­nen sol­len.

„Das Pro­jekt ist das größ­te De­sas­ter für un­se­re Ge­mein­de und die Nach­bar­kom­mu­nen, es wird uns ei­nen nach­hal­ti­gen Scha­den zu­fü­gen“, mach­te sich Mar­kus Trei­ber (PD) für die Be­schrei­tung des Rechts­wegs stark. Man le­be von der Na­tur der Um­ge­bung, die Wind­kraft­an­la­gen stün­den in di­rek­ter Nach­bar­schaft am Pre­mi­um-Wan­der­weg West­weg, des­sen Stre­cken­füh­rung auf ei­nem Teil des Neu­sat­zer Sträß­le ver­läuft. „Wir müs­sen al­le Re­gis­ter zie­hen und kämp­fen bis zu­letzt“, so sein Ap­pell.

„Ich se­he kei­ne Aus­sicht auf Er­folg, wir soll­ten noch ab­war­ten, be­vor wir wei­te­res Geld in die Hand neh­men“, so Bernd Bi­sch­off (FuD). Bis­lang hat die Ge­mein­de rund 75 000 Eu­ro für ju­ris­ti­schen Bei­stand und Gut­ach­ten aus­ge­ge­ben. „Es gibt über­haupt kei­nen Grund, an die­ser Stel­le auf­zu­ge­ben“, so Ant­je Mie­ves (FuD). Als „töd­lich für den Frem­den­ver­kehr und die Wald­kli­nik“be­zeich­ne­ten Roy Kie­fer­le (PD) und Sa­bi­ne No­bel (FuD) das Pro­jekt.

Es drän­ge sich der Ver­dacht auf, dass Zeit­punkt der Er­tei­lung der Ge­neh­mi­gung ge­wählt wur­de, da es bis zum Jah­res­en­de noch hö­he­re Sub­ven­tio­nen für das Pro­jekt gibt, äu­ßer­te Ri­co Fal­ler

Pro­jekt „töd­lich für den Frem­den­ver­kehr“

auf die Nach­fra­ge ei­nes Bür­gers. Dem Rechts­weg der Ge­mein­de Do­bel wird sich auch die Stadt Bad Her­re­n­alb an­schlie­ßen, der Ge­mein­de­rat hat­te sich in der Sit­zung vor Weih­nach­ten da­für aus­ge­spro­chen.

BE­REITS MAR­KIERT –mit grü­ner Leucht­far­be – ist auf Ge­mar­kung Do­bel die Zu­fahrt für den ge­plan­ten Bau ei­nes Wind­parks auf Ge­mar­kung Strau­ben­hardt. Fo­to: bgr

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