Von der Kunst, die Ner­ven zu be­hal­ten

Auf höchs­ten Gip­feln, den Klip­pen der Po­li­tik und un­ter Fuß­ball­fans war­te­ten Her­aus­for­de­run­gen

Pforzheimer Kurier - - KARLSRUHE - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Theo Wes­ter­mann GE­LAS­SEN im Cha­os: Po­li­zei- di­rek­tor Rüf­fel. Fo­to: Po­li­zei

Ner­ven­stär­ke, auch wenn es mal eng wird, ru­hig blei­ben, wenn an­de­re schon schrei­end da­von­ge­lau­fen wä­ren, in der Spur blei­ben, wenn an­de­re schon längst die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren hät­ten: Drei per­sön­li­che Bei­spie­le ha­ben die BNN her­aus­ge­pickt, bei de­nen Karls­ru­hern ge­nau dies ge­lang.

Die Ner­ven be­hal­ten hat bei­spiels­wei­se Fritz Rüf­fel. Mit sei­nem Na­men sind vor al­lem die gro­ßen Po­li­zei­ein­sät­ze bei den Spie­len des KSC im Wild­park­sta­di­on ver­bun­den, ob­wohl er in­zwi­schen als Re­vier­lei­ter des gro­ßen Po­li­zei­re­viers Karls­ru­he-West auch sonst ei­ne Men­ge Po­li­zei­ar­beit zu stem­men hat. Der Po­li­zei­di­rek­tor be­hielt die Ner­ven in ei­ner Si­tua­ti­on, in der an­de­re auf­ge­regt wa­ren. Es war der 30. Ok­to­ber, als sich der KSC und der VfB Stutt­gart zum le­gen­dä­ren Süd­west­der­by tra­fen, zu ei­nem „Hoch­ri­si­ko­spiel“im Wild­park­sta­di­on, wie es in der Po­li­zei­spra­che heißt. 1 000 Po­li­zis­ten samt Was­ser­wer­fer und Rei­ter­staf­fel wa­ren auf­ge­bo­ten, um mög­li­che Ran­da­le zu ver­hin­dern. Als ob dies nicht ge­nug an An­span­nung ge­we­sen wä­re, ging we­ni­ge Ta­ge vor dem Spiel ein Rei­fen­la­ger di­rekt ne­ben dem KSCFan­pro­jekt in der Nord­stadt in Flam­men auf. Fritz Rüf­fel nahm in der hek­ti­schen Nacht kein Blatt vor den Mund, auch wenn es vi­el­leicht man­cher ger­ne an­ders ge­se­hen hät­te. Man kön­ne nicht aus­schlie­ßen, dass der Brand et­was mit den Fuß­ball­fans zu tun ha­be, sag­te Rüf­fel – in der Er­kennt­nis, dass ei­ne ge­gen­tei­li­ge Aus­sa­ge oh­ne ge­si­cher­te Er­kennt­nis­grund­la­ge nicht statt­haft ge­we­sen wä­re. Ver­ein­zelt wur­de er da­für kri­ti­siert, Rüf­fel blieb ge­las­sen und be­hielt die Ner­ven. Beim Süd­west­der­by blieb es re­la­tiv ru­hig, Rüf­fel hat­te die Din­ge als Ein­satz­lei­ter oh­ne gro­ße Wor­te im Griff. Po­li­zei­prä­si­dent Gün­ther Freis­le­ben konn­te der kom­plett an­ge­reis­ten Füh­rungs­rie­ge der Lan­des­po­li­zei ei­nen Ein­satz wie aus dem Lehr­buch zei­gen.

Am Abend des 13. März, als die CDU lan­des­weit hin­ter die Grü­nen rutsch­te

Süd­west­der­by als Ner­ven­pro­be

und auch die bei­den Karls­ru­her Di­rekt­man­da­te ver­lor, da flos­sen bei Ka­trin Schütz die Trä­nen. Die Po­wer­frau der Karls­ru­her CDU zeig­te Ner­ven. Die po­li­ti­sche Kar­rie­re der CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin aus Karls­ru­he schien be­en­det, au­ßer­dem war die hie­si­ge Christ­de­mo­kra­tie da­mit wei­ter weg von den po­li­ti­schen Schalt­he­beln in Stutt­gart denn je. Schütz tauch­te nach dem an­stren­gen­den Wahl­kampf erst mal ab.

Doch dann be­hielt sie die Ner­ven. Als ei­ne Re­gie­rungs­be­tei­li­gung der CDU im­mer wahr­schein­li­cher wur­de, ge­hör­te sie zum Ver­hand­lungs­team – und letzt­lich er­hielt sie oh­ne Land­tags­man­dat ei­nen der be­gehr­ten Staats­se­kre­tärs­pos­ten. Und dies nicht in ir­gend­ei­nem Exo­ten­res­sort, son­dern gleich im Res­sort Wirt- schaft an der Sei­te von Mi­nis­te­rin Ni­co­le Hoff­meis­ter-Kraut. Seit­her ist Schütz wie­der mit da­bei, re­prä­sen­tiert die boo­men­de Wirt­schaft des Lan­des wie jüngst bei ei­ner Rei­se nach Bel­gi­en und die Nie­der­lan­de. Der Staats­se­kre­tärs­pos­ten si­chert auch für 2021 die al­ler­bes­te Aus­gangs­po­si­ti­on, wenn die Kar­ten neu ge­mischt wer­den.

Man­chem Karls­ru­her zit­tern schon die Knie, wenn er den Turm­berg zu Fuß er­klim­men muss. Oder es zit­tern die Ner­ven im Baum­klet­ter­park am Turm­berg. Flor Cu­en­ca Blas, ei­ne ge­bür­ti­ge Pe­rua­ne­rin, die seit 2008 mit Ehe­mann und Berg­stei­ger Frank Ehr­brecht in Karls­ru­he lebt, hat in ganz an­de­ren Hö­hen Ner­ven wie Stahl­sei­le be­wie­sen. Ihr ge­lang es als ers­ter Pe­rua­ne­rin – und wohl auch als ers­ter Karls­ru­he­rin – den 8 188 Me­ter ho­hen Cho Oyu, den sechst­höchs­ten Gip­fel der Welt, im Hi­ma­la­ja­ge­bir­ge zu be­stei­gen.

Dies oh­ne künst­li­chen Sau­er­stoff und oh­ne Sher­pas, gleich­zei­tig im An­ge­sicht stän­di­ger Ge­fahr von La­wi­nen, Neu­schnee und Tem­pe­ra­tu­ren von bis zu mi­nus 40 Grad. „Ich ha­be mir ei­nen Le­benstraum er­füllt“, er­zähl­te sie spä­ter den BNN. 40 Mi­nu­ten hielt sie es auf dem ei­si­gen Gip­fel der „Göt­tin in Tür­kis“, so die deut­sche Über­set­zung, aus.

KÜHL KALKULIERTER AUF­STIEG: Als ers­ter Pe­rua­ne­rin – und wohl auch als ers­ter Karls­ru­he­rin – ge­lang es Flor Cu­ne­ca Blas den Cho Oyu oh­ne künst­li­chen Sau­er­stoff und oh­ne Sher­pas zu be­stei­gen. Fo­to: pri­vat

AUF­STIEG NACH AB­STURZ: Ka­trin Schütz, hier mit CDU-Lan­des­chef Tho­mas Strobl zu Be­ginn der Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen. Fo­to: Schmidt

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