Welt­ta­ge für al­les und je­den

Pforzheimer Kurier - - LÄNDER UND LEUTE -

Putz­frau­en und Sch­wert­schlu­cker, Lie­ben­de und Pi­ra­ten, As­te­ro­iden und But­ter­brot – al­le ha­ben et­was ge­mein­sam: Sie ha­ben ei­nen ei­ge­nen Ge­denk­tag. Und man könn­te die Lis­te noch wei­ter fort­set­zen. Denn na­he­zu je­der Tag im Jahr ist ei­nem be­stimm­ten The­ma oder Pro­blem ge­wid­met, auf das die Auf­merk­sam­keit ge­rich­tet wer­den soll. Es gibt ei­nen Welt­tag des Hö­rens, des Se­hens und auch des Fern­se­hens. Ei­nen für Toi­let­ten, Pin­gui­ne und die Spra­che.

Oft herrscht auch Ge­drän­ge im Ka­len­der und die An­läs­se über­schnei­den sich. So ist der 21. März nicht nur der In­ter­na­tio­na­le Tag der Wäl­der, der Poe­sie und des Down-Syn­droms, son­dern auch der Welt­tag der Haus­wirt­schaft, des Pup­pen­spiels und der Be­sei­ti­gung von Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung.

Doch wer ent­schei­det ei­gent­lich, was ge­denk­wür­dig ist und was nicht? Wer ruft Welt­ta­ge ins Le­ben? Die Ver­ein­ten Na­tio­nen gel­ten als Er­fin­der der Welt­ta­ge. „In­ter­na­tio­na­le Ta­ge wer­den in der Re­gel auf Initia­ti­ve von na­tio­na­len Ein­rich­tun­gen, Mit­glieds­staa­ten oder der Zi­vil­ge­sell­schaft vor­ge­schla­gen“, sagt Kat­ja Rö­mer von der Deut­schen Unesco-Kom­mis­si­on. Ha­be ein Vor­schlag aus­rei­chend Un­ter­stüt­zung, wer­de ent­we­der in der Or­ga­ni­sa­ti­on dar­über ent­schie­den, bei der der Vor­schlag ein­ge­reicht wur­de oder er ge­he wei­ter an die UN-Ge­ne­ral­ver­samm­lung. Dort wer­de dann ein Re­so­lu­ti­ons­ent­wurf vor­ge­legt. „Dann muss das gan­ze nur noch im Kon­sens ver­ab­schie­det wer­den“, er­klärt Rö­mer.

Bis­lang sei­en mehr als 100 in­ter­na­tio­na­le Ta­ge be­zie­hungs­wei­se Welt­ta­ge von der UN und ih­ren Un­ter­or­ga­ni­sa­tio­nen an­er­kannt wor­den. „Auf­grund der Viel­zahl ver­sucht man grund­sätz­lich, nicht zu vie­le neue Ta­ge ins Le­ben zu ru­fen“, sagt Rö­mer. Denn je mehr Welt­ta­ge es gibt, des­to mehr könn­ten die Be­ste­hen­den an Be­deu­tung ver­lie­ren.

Für das kom­men­de Jahr ste­hen zwei neue Welt­ta­ge auf der UN-Agen­da. Zum ei­nen der As­te­ro­iden-Tag, an dem das Be­wusst­sein für die Ge­fahr ei­nes Ein­schlags ge­schärft wer­den soll. Auch der der nach­hal­ti­gen Gas­tro­no­mie soll sich 2017 zu den an­de­ren Welt­ta­gen ge­sel­len.

Richt­li­ni­en zur Strei­chung von In­ter­na­tio­na­len Ta­gen gibt es der UN zu­fol­ge üb­ri­gens nicht. Sie wer­den statt­des­sen ein­fach nicht mehr be­gan­gen oder ge­ra­ten mit der Zeit in Ver­ges­sen­heit. So wie der Ge­denk­tag für den Kampf ge­gen die Apart­heid in Süd­afri­ka.

Doch die Ver­ein­ten Na­tio­nen sind nicht die ein­zi­gen, die an be­stimm­te Ent­wick­lun­gen oder The­men mit Hil­fe von Welt­ta­gen er­in­nern. Auch Kir­chen ha­ben die­ses Mit­tel der Re­fle­xi­on für sich ent­deckt. Und das nicht erst seit ges­tern. Schon 1967 rief Papst Paul VI. den Welt­tag der so­zia­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel aus, um Me­di­en an ethi­sche Prin­zi­pi­en zu er­in­nern.

Ka­len­der­ta­ge kön­nen aber auch zu Wer­be­trä­gern wer­den. „Lan­ge Zeit hin­weg wa­ren Welt­ta­ge ein Stan­dard­in­stru­ment im Re­per­toire von Wer­beTag agen­tu­ren“, sagt Uwe Kohrs, Chef des PR-Agen­tu­ren-Ver­bands GPRA. In­ter­na­tio­nal sehr er­folg­rei­che Bei­spie­le sei­en der Va­len­tins­tag und der Mut­ter­tag. Aber auch der Tag des Bie­res oder des Bro­tes sei für die Bran­chen ein wie­der­keh­ren­der An­lass, um für Pro­duk­te zu wer­ben. Un­ab­hän­gig da­von gel­te: „Der Tag muss schon über­zeu­gend sein.“Denn sonst wer­de er ein­fach vom Pu­bli­kum igno­riert. Und geht im Wust der Welt­ta­ge un­ter. Aleksan­dra Bak­maz

Fo­to: dpa

UN­SER TÄG­LI­CHES GE­DEN­KEN GIB UNS HEU­TE: Der „Welt­tag der Haus­wirt­schaft“teilt sich den 21. März mit fünf wei­te­ren „Wür­den­trä­gern“.

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