Ge­müt­li­ches Dick­schiff

Hy­un­dai Grand San­ta Fe

Pforzheimer Kurier - - MOTOR UND VERKEHR -

Gern wird die In­dus­trie da­für ge­schol­ten, im­mer grö­ße­re Au­tos zu bau­en. Na­he­zu je­des neue Mo­dell über­trifft den Vor­gän­ger an Mas­se und Ma­ßen. So ist bei­spiels­wei­se der ak­tu­el­le VW Po­lo län­ger und brei­ter als der Golf der sieb­zi­ger Jah­re, und der heu­ti­ge Ein­ser-BMW wiegt so­viel wie da­mals ein Fün­fer. Muss das sein? Zum Teil schon, bei­spiels­wei­se um Au­tos si­che­rer zu ma­chen. Schließ­lich zähl­te man in den 70er Jah­ren vier-, fünf­mal so vie­le Ver­kehrs­to­te wie heu­te, ob­wohl da­mals nicht ein- mal halb so vie­le Fahr­zeu­ge un­ter­wegs wa­ren.

Wich­tigs­ter Trei­ber des Au­to-Wachs­tums sind aber die An­sprü­che der Kund­schaft. Sie ver­langt nach im­mer stär­ke­ren Mo­to­ren, im­mer bes­se­ren Fahr­ei­gen­schaf­ten und im­mer mehr Kom­fort­aus­stat­tung. Letz­te­re braucht Bau­raum und ad­diert Ge­wicht: Schon die ki­lo­me­ter­lan­gen Ka­bel ei­nes Durch­schnitts­au­tos wie­gen lo­cker 50 Ki­lo­gramm.

Und ob­wohl es die Bran­che na­tür­lich höf­lich ver­schweigt, braucht auch der Kun­de selbst viel mehr Platz. Ge­ra­de ge­stan­de­ne Herr­schaf­ten, die gern da­von er­zäh­len, wie sie einst die Groß­fa­mi­lie samt Cam­pin­g­aus­rüs­tung in ei­nen Kä­fer zwäng­ten, könn­ten we­gen ge­wach­se­ner Kör­per­fül­le oder ma­ro­der Ge­len­ke heu­te wohl den be­rühm­ten Volks­wa­gen nicht mehr be­stei­gen.

Der Grand San­ta Fe hin­ge­gen, in et­wa so groß wie ein VW-Bus der neun­zi­ger Jah­re, heißt selbst Drei-Zent­ner-Män­ner will­kom­men: Vorn wie hin­ten bie­tet Hy­un­da­is Flagg­schiff gro­ße Tür­öff­nun­gen, brei­te Ses­sel, und viel Be­we­gungs­frei­heit in al­le Rich­tun­gen. Wur­de im Fond statt der bei­den Ein­zel­sit­ze die Drei­er­bank in­stal­liert, kommt selbst auf dem Mit­tel­platz ein Er­wach­se­ner kom­mod un­ter. Nach ganz hin­ten auf die bei­den Faltstüh­le, die man bei Be­darf aus dem Bo­den des rie­si­gen Kof­fer­raums hoch­klappt, soll­ten al­ler­dings wie im­mer nur zier­li­che und ge­len­ki­ge Men­schen klet­tern.

Den Be­nut­zern der drit­ten Rei­he ha­ben die Kon­struk­teu­re so­gar ei­ne ei­ge­ne Kli­ma­an­la­ge spen­diert. Über­haupt fällt – vor al­lem seit dem Face­lift vor ei­ni­gen Mo­na­ten – die Aus­stat­tung aus­ge­spro­chen üp­pig aus: Von All­rad­an­trieb und Au­to­ma­tik bis zu DAB-Ra­dio und Le­der­sit­zen hat schon das Ba­sis­mo­dell vie­les an Bord, was sonst meist Auf­preis kos­tet. Das Top­mo­dell packt un­ter an­de­rem Na­vi, Ab­stands­tem­po­mat und elek­tri­sche Heck­klap­pe hin­zu. Für das Kom­plett­pa­ket ru­fen die Ko­rea­ner frag­los stol­ze Prei­se auf, aber ver­gleich­ba­re deut­sche Dick­schif­fe kos­ten lo­cker 20 000 Eu­ro mehr.

Bei die­sem Preis­vor­teil sieht man dem Hy­un­dai sei­ne alt­mo­disch trä­ge SechsStu­fen-Wand­ler­au­to­ma­tik ger­ne nach, zu­mal sein be­tont kom­for­ta­bel aus­ge­leg­tes Fahr­werk von vorn­her­ein ei­ne ge­mäch­li­che Gan­gart na­he­legt. Auch hat der ein­zig lie­fer­ba­re Mo­tor ge­le­gent­lich Mü­he, das Schwer­ge­wicht in Schwung zu brin­gen. Das bes­sert sich auch im „sport­li­chen“der drei wähl­ba­ren Fahr­mo­di nur un­we­sent­lich, ver­schlech­tert aber den oh­ne­hin hap­pi­gen Ver­brauch. Selbst mit „Eco“-Vor­wahl zeigt der Bord­com­pu­ter in der Stadt und auf der lin­ken Au­to­bahn­spur meist zwei­stel­li­ge Durch­schnitts­ver­bräu­che, ins­ge­samt wa­ren es um die neun Li­ter. Zu kli­ma­tisch güns­ti­ge­ren Jah­res­zei­ten dürf­te es et­was we­ni­ger sein, weil dann das Star­tS­topp-Sys­tem sei­nen Zweck er­füllt, das seit dem Face­lift se­ri­en­mä­ßig an Bord ist. Jetzt im Win­ter kommt es we­gen des Strom­ver­brauchs von Hei­zung und Be­leuch­tung kaum zum Ein­satz. sob

Fo­to: Werk

AUFGEFRISCHT: Der Grand San­ta Fe, rund 20 Zen­ti­me­ter län­ger als das Stan­dard­mo­dell, wur­de jüngst op­tisch über­ar­bei­tet und tech­nisch auf­ge­rüs­tet.

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