Si­che­res Stö­bern auf dem di­gi­ta­len Flohmarkt

Pforzheimer Kurier - - VERBRAUCHER-REPORT -

Braut­klei­der, Play­mo­bil-Sets, Klei­der­ha­ken, Pa­ni­ni-Bil­der: Was frü­her der Klein­an­zei­gen­teil in der Zei­tung war, sind heu­te On­line-Markt­plät­ze. Sie hei­ßen Ebay-Klein­an­zei­gen oder Quo­ka.de, und vom Kat­zen­ba­by bis zum An­tik­schrank gibt es hier fast al­les. Haupt­säch­lich die­nen die Platt­for­men da­zu, An­ge­bo­te von Pri­vat­leu­ten in der Um­ge­bung zu fin­den. So kommt man un­kom­pli­ziert und güns­tig an sein Wun­sch­ob­jekt – wenn man ei­ni­ge Re­geln be­ach­tet.

Klein­an­zei­gen sind für Pri­vat­leu­te ge­dacht. Wer Lie­gen­ge­blie­be­nes aus der Ga­ra­ge ent­rüm­peln möch­te, wird es hier los. Aber auch ge­werb­li­che An­bie­ter, et­wa Au­to­händ­ler oder Um­zugs­hel­fer, stel­len In­se­ra­te ein. Für sie gel­ten be­son­de­re Re­geln. Sie müs­sen zum Bei­spiel ei­ne Ge­währ­leis­tung ein­räu­men, Wi­der­rufs­fris­ten an­ge­ben und ein Im­pres­sum ha­ben. So kön­nen Käu­fer die Wa­re bei Pro­ble­men zu­rück­sen­den oder un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen vom Kauf zu­rück­tre­ten. Bei pri­va­ten In­se­ren­ten fal­len die­se Pflich­ten weg – ge­kauft ist ge­kauft.

„Vor­sicht bei ex­trem güns­ti­gen Lock­an­ge­bo­ten“

Doch die Gren­zen sind flie­ßend. Wer in kur­zer Zeit auf­fal­lend viel ver­kauft oder den On­line-Flohmarkt zum um­satz­star­ken Hob­by macht, wird un­ter Um­stän­den schon zum Un­ter­neh­mer. Um die Kauf­be­din­gun­gen deut­lich zu ma­chen, soll­ten Pri­vat­ver­käu­fer Ge­währ­leis­tung und Wi­der­rufs­recht ex­pli­zit aus­schlie­ßen. „Da­zu ge­nügt schon ein form­lo­ser Satz im In­se­rat“, er­klärt Ste­pha­nie Schmidt vom Bun­des­ver­band E-Com­mer­ce und Ver­sand­han­del Deutsch­land (bevh). Der Käu­fer kann dann nach dem Kauf nichts mehr be­an­stan­den oder Geld zu­rück­ver­lan­gen. Bis auf ei­ne Aus­nah­me: Die Wa­re weist Män­gel auf, die in der Pro­dukt­be­schrei­bung so nicht auf­tau­chen. Zum Bei­spiel ei­nen de­fek­ten Ak­ku. „Bei ei­nem Kauf­ver­trag zwi­schen Pri­va­ten muss der Käu­fer das Vor­lie­gen des Man­gels be­wei­sen, um sei­ne Ge­währ­leis­tungs­rech­te gel­tend zu ma­chen“, er­läu­tert Mo­na Semm­ler von der Ver­brau­cher­schutz­zen­tra­le Nie­der­sach­sen. Er muss al­so be­wei­sen, dass der Ar­ti­kel nicht so aus­sieht oder funk­tio­niert wie im In­se­rat an­ge­ge­ben.

In der Pra­xis be­rei­te das al­ler­dings häu­fig Pro­ble­me. Da kann es hel­fen, wenn Kauf­in­ter­es­sen­ten vor der Über­ga­be An­zei­gen­tex­te oder Pro­dukt­be­schrei­bun­gen spei­chern oder aus­dru­cken. Ent­deckt man nach dem Kauf ka­put­te Tei­le oder funk­tio­niert die Wa­re nicht rich­tig, kann sich der Käu­fer auf die­se Do­ku­men­te be- ru­fen. Am bes­ten lässt man es aber gar nicht so weit kom­men. „Hin­fah­ren, Wa­re an­gu­cken“, lau­tet der Rat von Ste­pha­nie Schmidt. So kön­nen In­ter­es­sen­ten über­prü­fen, ob der Wun­sch­ar­ti­kel im pas­sen­den Zu­stand ist und sie fal­len nicht so schnell auf Be­trugs­ma­schen her­ein. Denn wie über­all, wo Geld im Spiel ist, gibt es Ein­falls­to­re für Be­trü­ger. „Die Nut­zer ha­ben kei­nen Ein­blick, wer ge­nau hin­ter den je­wei­li­gen An­ge­bo­ten steckt“, so Mo­na Semm­ler.

„Vor­sicht ist vor al­lem ge­bo­ten, wenn es sich um ex­trem güns­ti­ge Lock­an­ge­bo­te han­delt.“Die tau­chen im­mer wie­der ne­ben ernst ge­mein­ten An­ge­bo­ten auf. Die ös­ter­rei­chi­sche Watch­list In­ter­net warnt des­halb da­vor, per Vor­kas­se zu be­zah­len. Wenn der ver­spro­che­ne Ar­ti­kel nicht kommt, ha­ben Käu­fer kei­ne Mög­lich­keit, wie­der an ihr Geld zu kom­men. Ähn­lich funk­tio­nie­ren Ma­schen, in de­nen die ver­meint­li­chen Ver­käu­fer Treu­hän­der er­fin­den, an die die Zah­lung ge­hen soll. Um­ge­kehrt kön­nen auch Ver­käu­fer auf Be­trü­ger­tricks her­ein­fal­len: Zum Ein­satz kom­men un­ge­deck­te Schecks, ge­fälsch­te Über­wei­sungs­auf­trä­ge oder Pay­pal-Be­stä­ti­gun­gen. Der Ver­käu­fer schickt die Wa­re im Glau­ben los, das Geld sei be­zahlt. Fliegt der Be­trug auf, ist es zu spät.

„Die Zahl der Be­trugs­fäl­le und Be­trugs­ver­su­che ist in den letz­ten Jah­ren leicht ge­stie­gen“, hat Thors­ten Beh­rens be­ob­ach­tet. Er ist Pro­jekt­lei­ter bei Watch­list In­ter­net. Dies lie­ge da­ran, dass ne­ben teu­ren Wa­ren nun auch güns­ti­ge Mas­sen­ar­ti­kel ver­meint­lich zum Ver­kauf an­ge­bo­ten wür­den. Die Zahl der Ge­schä­dig­ten ge­he da­durch nach oben. „Die ur­sprüng­li­che Be­trugs­ma­sche mit den teu­ren An­ge­bo­ten exis­tiert aber wei­ter­hin, wenn auch nicht mehr ganz so ver­brei­tet“, sagt Beh­rens.

Ganz si­cher sind we­der In­se­ren­ten noch Käu­fer vor sol­chen Be­trü­gern. Die kos­ten­lo­sen Platt­for­men, sei es Lo­cal24.de, Lo­can­to, Markt.de oder DHD24, sind nur Ver­mitt­ler. Glei­ches gilt für Ver­kaufs-Grup­pen auf Face­book oder On­line-Klein­an­zei­gen der Zei­tung. Wie im ge­druck­ten An­zei­gen­blatt die­nen sie nur zur Kon­takt­her­stel­lung. Semm­ler rät trotz­dem, sich im Streit­fall an die Sei­ten­be­trei­ber zu wen­den: „Sie ha­ben schließ­lich ein Ei­gen­in­ter­es­se am rei­bungs­lo­sen Ablauf der Ver­käu­fe.“Bei Be­trug sei die Po­li­zei der rich­ti­ge An­sprech­part­ner. Ju­lia Ruhnau

Fo­to: Ri­do/Fo­to­lia

OH­NE STANDGEBÜHR UND IM WAR­MEN: In­ter­net­por­ta­le für Klein­an­zei­gen er­spa­ren den Gang zum Flohmarkt. Al­ler­dings soll­te man beim An- oder Ver­kauf von ge­brauch­ten Din­gen im Netz ei­ni­ge Re­geln be­ach­ten.

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