Hoch­kul­tur und ein Tief­punkt

Pforzheimer Kurier - - HOBBY UND FREIZEIT -

Lu­ther ist 2017 all­ge­gen­wär­tig. Ei­ne der ers­ten Son­der­mar­ken des neu­en Jah­res nimmt das Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um zum An­lass, Lu­thers Über­set­zung des Neu­en Tes­ta­ments ins Deut­sche zu wür­di­gen. Das Werk ist zwar noch kei­ne 500 Jah­re alt, in sei­ner Wir­kung aber wo­mög­lich noch be­deu­ten­der als die Ver­öf­fent­li­chung der Lu­ther­schen The­sen zu Kir­che und Re­li­gi­on. Denn der Re­for­ma­tor ver­än­der­te mit sei­ner Bi­bel auch die deut­sche Spra­che: Er schuf da­mit qua­si das Hoch­deut­sche, das es zu­vor schlicht nicht gab. Sei­ne Zeit­ge­nos­sen spra­chen und schrie­ben Dia­lekt, und konn­ten sich des­halb über die Gren­zen der vie­len Kle­in­staa­ten hin­weg oft kaum ver­stän­di­gen. Nun wur­de die Spra­che der Bi­bel die ers­te ge­mein­sa­me Spra­che der Men­schen zwi­schen Al­pen und Nord­see. Ne­ben­bei er­fand der wort­ge­wand­te Re­for­ma­tor Bil­der, die heu­te noch je­der ver­steht und ver­wen­det. Nur dank Lu­ther „tap­pen wir im Dunk­len“, „wer­fen Per­len vor die Säue“oder spü­ren „Ge­wis­sens­bis­se“.

Apro­pos. Ei­ne wei­te­re Mar­ke – dem The­ma an­ge­mes­sen in Schwar­zweiß ge­hal­ten – weist auf die Ber­li­ner „To­po­gra­phie des Ter­rors“hin, die vor 25 Jah­ren er­öff­net wur­de. Die Ge­denk­stät­te er­in­nert an die Ver­bre­chen des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­land. Sie liegt un­weit des Pots­da­mer Plat­zes in der Mit­te der Haupt­stadt, wo sich in den 30er und 40er Jah­ren un­ter an­de­rem die Haupt­quar­tie­re von Gesta­po und SS be­fan­den. Dort wur­de der Völ­ker­mord ge­plant, dort wur­de die Ver­nich­tung po­li­ti­scher Geg­ner or­ga­ni­siert. Hun­dert­tau­sen­de Ber­lin-Tou­ris­ten be­su­chen je­des Jahr die­se Er­in­ne­rungs­stät­te.

Sehr viel leich­te­re Kost bie­ten an­de­re Aus­stel­lun­gen, von de­nen zwei jetzt eben­falls mit Brief­mar­ken be­wor­ben wer­den. Je­den­falls in­di­rekt. Die Se­rie „Schät­ze aus deut­schen Mu­se­en“zeigt Ge­mäl­de des hol­län­di­schen Meis­ters Jan Ver­meer so­wie des fran­zö­si­schen Hof­ma­lers und Tier­por­trä­tis­ten Je­anBap­tis­te Ou­dry. Bei Ver­meers „Mäd­chen mit dem Wein­glas“von 1660, das im Braun­schwei­ger Her­zog An­ton Ul­rich-Mu­se­um hängt, rät­selt die Fach­welt bis heu­te, was da ge­nau zu se­hen ist: Der Ver­such ei­ner Ver­füh­rung? Ei­ne harm­lo­se Wein­pro­be? Oder ist der Be­trach­ter Zeu­ge ei­ner Ver­kup­pe­lungs­sze­ne?

Bei Ou­dry ist die Sa­che klar: In „Pfef­fer­fres­ser, Jung­fern- und Hau­ben­kra­nich“(1745) setz­te der fran­zö­si­sche Hof­ma­ler den eit­len Schön­heits­wett­be­werb drei­er ge­fie­der­ter Kon­tra­hen­ten in Sze­ne. Man­che Be­trach­ter wol­len mensch­li­che Zü­ge in den Vo­gel­ge­sich­tern se­hen. Mit 34 Ge­mäl­den und et­wa 40 Hand­zeich­nun­gen be­sitzt Schwe­rin die welt­größ­te Samm­lung des Tier­ma­lers. Die Me­na­ge­rie-Ge­mäl­de sind neu­er­dings im Ba­rock­schloss Lud­wigs­lust zu se­hen.

Ei­nen der größ­ten und teu­ers­ten Pa­läs­te un­se­rer Zeit fei­ert die fünf­te Mar­ke, die eben­falls ab Mon­tag im Han­del sein wird: Die Ham­bur­ger Elb­phil­har­mo­nie, in der am 11. Ja­nu­ar das of­fi­zi­el­le Er­öff­nungs­kon­zert zu hö­ren sein wird. Fach­leu­te sa­gen, dass die Akus­tik des Kon­zert­saals min­des­tens so spek­ta­ku­lär ge­ra­ten ist wie die ein­zig­ar­ti­ge glä­ser­ne Fas­sa­de des Schwei­zer Ar­chi­tek­tur­bü­ros Her­zog & de Meu­ron. Die Kar­ten für die gut 2 000 Sitz­plät­ze im Saal sind je­den­falls längst aus­ver­kauft, auf dem Schwarz­markt sol­len ein­zel­ne für fünf­stel­li­ge Be­trä­ge ge­han­delt wer­den. ldt

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