Po­ké­mon – post­fak­tisch – Car­pool Ka­rao­ke

Pforzheimer Kurier - - FAMILIE UND GESELLSCHAFT -

Tin­der, Ther­mo­mix, Fit­ness­arm­bän­der oder Cold-Br­ew-Kaf­fee – das al­les ist so 2015. Aber was war ei­gent­lich 2016 in? Ei­ne Aus­wahl von Sa­chen, die in die­sem zu En­de ge­hen­den Jahr ein Sze­ne-Hit wa­ren. Leu­te, Phä­no­me­ne, Be­grif­fe. Ga­ran­tiert sub­jek­tiv und un­voll­stän­dig – aber al­pha­be­tisch:

Acht­zi­ger

Be­reits En­de 2015 und dann auch noch­mal im Som­mer 2016 zeig­ten Um­fra­gen, dass die 80er Jah­re in Deutsch­land be­lieb­ter als die 50er, 60er, 70er oder 90er Jah­re sind. Das Lieb­lings­jahr­zehnt dient den Deut­schen wohl als Sehn­suchts­zeit.

Ama­zon Dash

Der On­line-Händ­ler Ama­zon bie­tet nun auch in Deutsch­land per WLAN­ver­bun­de­ne Be­stell­knöp­fe für aus­ge­wähl­te Mar­ken­pro­duk­te an.

Bar­ba­ra

Mit Pla­ka­ten und Schil­dern ist „Bar­ba­ra“(ei­ne Frau? Ein Mann? Ein Kol­lek­tiv?) zur In­ter­net-Grö­ße ge­wor­den. Ih­re Iden­ti­tät hält die links­al­ter­na­ti­ve Stree­tart-Künst­le­rin, die 2016 ei­nen Grim­me-On­line-Award ge­wann und wohl in Hei­del­berg lebt, aber auch viel in Ber­lin ist, ge­heim. Be­liebt ist ih­re Be­ar­bei­tung von Schil­dern. Ein Buch heißt „Hass ist krass. Lie­be ist kras­ser“

Bir­ken­was­ser

Nach dem Ko­kos­was­ser lan­de­te nun auch das leicht süß­li­che Bir­ken­was­ser zu­neh­mend als „Ak­tiv-Drink“in den Re­ga­len der Bio­märk­te – und nicht mehr nur in Kos­me­tik­pro­duk­ten.

Car­pool Ka­rao­ke

Der aus Groß­bri­tan­ni­en stam­men­de US-La­te-Night-Tal­ker Ja­mes Cor­den war 2016 ein Rie­sen-In­ter­net-Hit mit sei­ner un­ter­halt­sa­men TV-Idee, mit Stars im Au­to zu sin­gen (Car­pool Ka­rao­ke). So sang und quatsch­te er et­wa mit Ma­don­na, La­dy Ga­ga, Sia, Se­le­na Go­mez oder Mi­chel­le Oba­ma. Am meis­ten ge­klickt wur­de der Clip mit Ade­le. Pio­nier des For­mats war üb­ri­gens der kurz nach Weih­nach­ten ver­stor­be­ne Ge­or­ge Micha­el.

Craft­beer

Craft Beer aus klei­nen Braue­rei­en, ein Trend aus den USA, gibt es in­zwi­schen fast über­all – ein Me­ga­trend. In die­sem Jahr schien nun fast je­der mit­be­kom­men zu ha­ben, dass man auch mal ein fruch­tig schme­cken­des, hop­fen­rei­ches Pa­le Ale oder In­dian Pa­le Ale (IPA) pro­bie­ren kann statt nur klas­si­sches Pils oder Hel­les.

Die im­mer lacht

Die­ser Ohr­wurm von Ste­reoact feat. Kers­tin Ott scheint von 2016 zu blei­ben. Die Lie­der­ma­che­rin Ott schrieb das Werk einst für ei­ne kran­ke Freun­din, be­rühmt wur­de nun aber ei­ne Art Tanz­ver­si­on. Die Sän­ge­rin er­mu­tigt die Frau, die ih­re Trau­rig­keit mit La­chen ka­schiert, ih­re wah­ren Ge­füh­le zu zei­gen.

Ein­horn

Das tren­di­ge Fa­bel­we­sen war fast über­all zu se­hen – auf Kin­der­ge­burts­ta­gen, Pop­fes­ti­vals, An­ti-Na­zi-De­mos, Pul­lis, Ju­te­beu­teln, Tas­sen, Kis­sen, Tor­ten und schließ­lich auch auf Scho­ko­la­de. Der kin­di­sche Mo­de­trend hat et­was mit Iro­nie und Rea­li­täts­flucht zu tun: Ein­hör­ner ste­hen für Frie­de und Freu­de.

En­ge Freund­schaft

„Bro­mance“(aus bro­ther und ro­mance) und „Bro­mo­se­xu­al“(aus bro­ther und ho­mo­se­xu­al) lau­ten neue Be­grif­fe für Män­ner­freund­schaf­ten, wo­bei „bro­mo­se­xu­al“die un­ver­krampf­te Freund­schaft zwi­schen ei­nem He­te­ro und ei­nem Schwu­len meint.

Fla­min­gos und Faul­tie­re

Das Trend­tier sü­ße Eu­le mit rie­sen­gro­ßen Au­gen scheint ab­ge­löst wor­den zu sein – nun sind an­de­re der Ren­ner auf Pul­lis, Kis­sen oder als Stoff­tier. Fla­min­gos bei­spiels­wei­se und – schwer im Kom­men – Faul­tie­re.

Fly sein

Zum „Ju­gend­wort des Jah­res“kür­te ei­ne Ju­ry nach „Läuft bei dir“(2014) und „Smom­bie“(Smart­pho­ne-Zom­bie; 2015) das eher künst­li­che „Fly sein“(be­son­ders ab­ge­hen). Bei ei­ner On­li­neWahl von Lan­gen­scheidt hat­te das zu­stim­men­de „Is­so“ge­won­nen.

Ge­sich­ter­tausch

Face-Swap-Apps wa­ren 2016 an­ge­sagt. Man kann in Echt­zeit mit Freun­den das Ge­sicht tau­schen, sein Ge­sicht in Ge­mäl­de hin­ein­mon­tie­ren oder Ge­sichts­zü­ge von Pro­mis oder Kunst­fi­gu­ren an­neh­men.

Hoch­kant­vi­de­os

Vi­de­os im Hoch­for­mat gal­ten lan­ge als ei­ne Art Netz­krank­heit (VVS – Ver­ti­cal Vi­deo Syn­drom). Als wah­res For­mat galt die 16:9Aus­spie­lung. Doch im Smart­pho­neZeit­al­ter und spä­tes­tens seit dem Hy­pe um Snap­chat, Face­book Live oder Ins­ta­gram Sto­ry schei­nen Hoch­kant-Vi­de­os nun nicht mehr schlimm zu sein.

Hol­land und Holz

Zwei ein­gän­gi­ge Hits 2016 des Es­se­ner HipHop-Du­os 257ers. Die bei­den Quatsch-Rap­per Shnee­zin und Mi­ke ma­chen sich seit Jah­ren im­mer wie­der zum Horst und sind für vie­le Kult.

Is­land

Die is­län­di­sche Mann­schaft war der Fuß­ball­eu­ro­pa­meis­ter der Her­zen, schaff­te es so­gar, En­g­land im Ach­tel­fi­na­le aus dem Tur­nier zu wer­fen. Is­land be­geis­ter­te mit ein­präg­sa­mer „Huh“-Ruf-Klatsch­cho­reo und tol­len Spie­ler-Na­men wie Sig­t­hors­son.

Ju­gend­an­ge­bot

„Das In­ter­net ist vor­bei – jetzt kommt funk“. Da­mit be­war­ben die Öf­fent­lich­recht­li­chen ihr neu­es mul­ti­me­dia­les An­ge­bot für Ju­gend­li­che, das im Ok­to­ber (“funk.net“oder bei YouTu­be und Face­book) star­te­te. Die On­line-For­ma­te für 14- bis 29-Jäh­ri­ge ha­ben mit klas­si­schem li­nea­ren Fern­se­hen we­nig zu tun. Die Durch­schlags­kraft ei­nes Jan Böh­mer­mann fehlt ih­nen aber.

Knö­chel

Ent­blöß­te Knö­chel wa­ren das neue De­kol­le­té. Flan­king, ein Mix­wort aus fla­shing (auf­blit­zen) und ank­le (Fuß­fes­sel), war 2016 ein Mas­sen­phä­no­men. Auch jun­ge Män­ner zeig­ten oft Fes­sel (man­k­les, aus man und ank­le), um bes­ser, teu­re Snea­ker zu prä­sen­tie­ren.

Lie­fer-Apps

Piz­za­t­a­xi war ges­tern – App-ge­steu­er­te Lie­fer­diens­te mit Fahr­rad­ku­rie­ren, wie Foo­do­ra oder De­li­ver­oo, schie­nen 2016 den Durch­bruch zu er­le­ben. Sie brin­gen auch Es­sen aus dem na­hen (Lieb­lings-)Re­stau­rant, das kei­nen ei­ge­nen Bring­dienst hat.

Man­ne­quin Chal­len­ge

Bei die­sem 2016 po­pu­lä­ren In­ter­ne­tT­rend ver­öf­fent­lich­ten die Teil­neh­mer Vi­de­os, auf de­nen sie wie in ei­nem Stand­bild po­sier­ten. Wer nie­sen muss, hat ein Pro­blem.

Nast, Micha­el

Ge­ne­ra­tio­nen­bü­cher schei­nen in Deutsch­land un­aus­rott­bar. In die­sem Jahr lan­de­te der Au­tor Micha­el Nast mit sei­ner Ana­ly­se des – höf­lich aus­ge­drückt – un­be­stän­di­gen Lie­bes­le­bens mo­der­ner Groß­städ­ter ei­nen Best­sel­ler: „Ge­ne­ra­ti­on Be­zie­hungs­un­fä­hig“.

Ob­so­lenz (ge­plan­te)

Die an­geb­li­che Kurz­le­big­keit von Elek­tro­ge­rä­ten war 2016 ein be­lieb­tes Small­talkthe­ma. Auch wenn ei­ne Stu­die vom Um­welt­bun­des­amt zu dem Er­geb­nis kam, dass es ei­ne so ge­nann­te ge­plan­te Ob­so­le­s­zenz – al­so die ge­ziel­te Be­gren­zung der Le­bens­er­war­tung – nicht gibt.

Po­ké­mon Go

Das Smart­pho­ne-Spiel von Nin­ten­do war im Som­mer der Me­ga-Hy­pe und wur­de Hun­der­te Mil­lio­nen Mal her­un­ter­ge­la­den. Die Spie­le-App, mit der man vir­tu­el­le Mons­ter in rea­ler Um­ge­bung fan­gen kann, lös­te viel Be­geis­te­rung aus und bei an­de­ren nur Kopf­schüt­teln.

Post­fak­tisch

Die Ge­sell­schaft für deut­sche Spra­che (Gf­dS) kür­te die­sen Be­griff zum Wort des Jah­res. Auch in­ter­na­tio­nal ta­ten dies die Ox­ford Dic­tio­na­ries („post­truth“). Es be­schreibt das Phä­no­men, wenn die öf­fent­li­che Mei­nung we­ni­ger von Tat­sa­chen als von Ge­füh­len und Res­sen­ti­ments be­ein­flusst wer­de. In der Schweiz wur­de „Fil­ter­bla­se“zum Wort des Jah­res ge­kürt, in Ös­ter­reich das lan­ge „Bun­des­prä­si­den­ten­stich­wahl­wie­der­ho­lungs­ver­schie­bung“

Quid­ditch

Der ganz gro­ße Har­ry-Pot­terBoom ist zwar lan­ge vor­bei, aber die Sport­art Quid­ditch soll erst noch im Kom­men sein. Zu­min­dest las man öf­ter von jun­gen Leu­ten, die das Spiel mit Bäl­len und Be­sen (die aber lei­der nicht flie­gen) ernst­haft be­trei­ben.

Res­ting Bitch Face

Der Be­griff mach­te die­ses Jahr Kar­rie­re und be­schreibt das Phä­no­men, dass Leu­te so aus­se­hen, als sei­en sie ge­nervt oder ver­ach­te­ten ih­re Mit­men­schen, ob­wohl sie sel­ber ei­gent­lich von ei­nem neu­tra­len Ge­sichts­aus­druck bei sich aus­ge­hen.

Sh­a­pi­ra, Sha­hak

Ei­ne neue Stim­me in der Öf­fent­lich­keit, die sich ge­gen Vor­ur­tei­le jeg­li­cher Art er­hebt. Der in Ber­lin le­ben­de Is­rae­li wur­de An­fang 2015 Op­fer ei­ner an­ti­se­mi­ti­schen Atta­cke in der U-Bahn und schrieb 2016 ein Buch („Das wird man ja wohl noch schrei­ben dür­fen! Wie ich der deut­sches­te Ju­de der Welt wur­de“). Die Bot­schaft: Ras­sis­mus ist im­mer dumm, egal ge­gen wen.

Stran­ger Things

Sel­ten be­dien­te ein Strea­m­ing­dienst so ziel­ge­nau die Seh­be­dürf­nis­se ei­ner nost­al­gi­schen Ziel­grup­pe wie Net­flix im Som­mer mit die­ser Se­rie, die ei­ne Hom­mage ans gro­ße Mys­te­ry-Zeit­al­ter mit Fil­men wie „E.T.“oder „Stand by me“ist. Nost­al­gisch war auch die Se­rie „The Crown“über die jun­ge Queen, ge­wagt die Sky-Se­rie „The Young Po­pe“mit Ju­de Law als Papst.

Tram­po­lin­hal­len

Hüp­fen ist an­ge­sagt. In Deutsch­land öff­ne­ten auf­fäl­lig vie­le Sprung­hal­len – auch für Er­wach­se­ne. Dar­in hüp­fen Be­su­cher nicht nur auf über­gro­ßen Tram­po­li­nen, son­dern spie­len auch Bas­ket­ball oder Vol­ley­ball auf schwin­gen­dem Bo­den.

Un­ter­ho­se

Lan­ge schien es un­mög­lich, dass die als Lie­bes­tö­ter ver­schrie­ne war­me lan­ge Un­ter­ho­se cool sein könn­te und kein Pro­dukt mehr zum Schä­men – doch 2016 schien es so weit zu sein. Al­ler­dings muss sie eng an­lie­gen und jetzt lie­ber „Long John“ge­nannt wer­den.

V-egg-an

Tie­ri­sche Pro­duk­te sind für Ve­ga­ner ta­bu. Wer es je­doch nicht schafft, auf Eier zu ver­zich­ten, nennt sich dann halt „veg­gan“(aus ve­gan und dem eng­li­schen „egg“(Ei)). Das Er­geb­nis sind zum Bei­spiel Avo­ca­do-Bro­te mit po­chier­tem Ei.

Whi­te Ink Tat­toos

Es gibt sie schon län­ger, aber die­ses Jahr sah man sie noch öf­ter – und auch bei ei­ni­gen Pro­mis: Whi­te-Ink-Tat­toos, sprich fast un­sicht­ba­re Tä­to­wie­run­gen mit wei­ßer Tin­te.

X für ein U vor­ma­chen

So tun als ob man Da­te-In­ter­es­se hat und hem­mungs­los im Netz wei­ter­flir­ten: Beim Ben­ching (engl. „bench“= Bank) wird der Chat-Part­ner auf die Re­ser­ve­bank ge­scho­ben und warm ge­hal­ten. Nicht zu ver­wech­seln mit dem Da­tin­gT­rend Ghos­ting (plötz­lich ver­schwin­den, nach­dem man fast ein Paar war).

YouTu­be und Ge­ma

Zehn­tau­sen­de Mu­sik­vi­de­os, die bei YouTu­be in Deutsch­land we­gen des Streits zwi­schen der Vi­deo­platt­form und der Rech­te-Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft ge­sperrt wa­ren, wur­den nach ei­nem sie­ben Jah­re lan­gen Kon­flikt wie­der frei zu­gäng­lich.

Zoo­ma­nia

Ani­ma­ti­ons-Ki­no­er­folg (Ori­gi­nal­ti­tel „Zoo­to­pia“) über ei­ne Hä­sin, die ih­ren Di­enst als Po­li­zis­tin an­tritt und das Ver­schwin­den ei­nes Ot­ters auf­klä­ren soll. Es geht ge­ra­de­zu spie­le­risch, aber klug um Se­xis­mus und Ras­sis­mus. Größ­ter La­cher im Film sind – Ach­tung, In-Tier: die Faul­tie­re. Auch se­hens­wert in die­sem Jahr der Ani­ma­ti­ons­fil­me wa­ren et­wa „Fin­det Do­rie“, „Pets“oder „Sing“.

Ge­sam­melt von Gre­gor Tholl (dpa)

Fo­to: CBS

SINGENDE MIT­FAH­RER: Ja­mes Cor­den (rechts) und El­ton John in ei­ner der ers­ten Fol­gen von Car­pool Ka­rao­ke.

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