Hul­di­gung für das Hol­ly­wood­mu­si­cal

„La La Land“

Pforzheimer Kurier - - FILM UND TV-SZENE -

Al­les be­ginnt mit ei­nem Stau. Aber die­ser Stau auf ei­ner der Au­to­bahn­brü­cken von Los An­ge­les macht Lau­ne. Aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve sieht man, wie im­mer mehr Men­schen aus ih­ren Au­tos aus­stei­gen und in tän­ze­ri­sche Be­we­gun­gen ver­fal­len; da­zu spielt ei­ne Band zün­den­de Mu­sik. Al­le zu­sam­men sin­gen sie ei­ne Hym­ne auf die Stadt der En­gel. Et­wa fünf Mi­nu­ten dau­ert die­se Er­öff­nungs­se­quenz. Sie gibt den Takt vor für das au­ßer­ge­wöhn­li­che Film-Mu­si­cal „La La Land“, das für ei­nen ver­hei­ßungs­vol­len Be­ginn des Ki­no­jah­res 2017 sorgt, wenn es am 12. Ja­nu­ar in die deut­schen Ki­nos kommt.

Der jun­ge ame­ri­ka­ni­sche Fil­me­ma­cher Da­mi­en Cha­zel­le hul­digt dar­in dem klas­si­schen Hol­ly­wood­mu­si­cal, das Stars wie Fred Astaire und Ge­ne Kel­ly her­vor­ge­bracht hat, aber auch spä­te­ren Per­len wie „West­side Sto­ry“oder – um ein re­la­tiv ak­tu­el­les Vor­bild zu nen­nen – den Me­lo­dra­men von Baz Luhr­man. Aber das al­les muss man nicht wis­sen, um sein Ver­gnü­gen an die­sem Zwei­stun­den­film zu ha­ben, der mit im­mer neu­en schö­nen De­tails und Über­ra­schun­gen auf­war­tet, im Kern aber ei­ne ganz ein­fa­che Ge­schich­te er­zählt: die der Lie­be zwi­schen der jun­gen Schau­spie­le­rin Mia (Em­ma Sto­ne) und dem et­was äl­te­ren, aber eben­so er­folg­lo­sen Jazz­mu­si­ker Se­bas­ti­an (Ryan Gos­ling). Die ers­te flüch­ti­ge Be­geg­nung er­folgt im Stau, spä­ter trifft Em­ma Se­bas­ti­an wie­der in ei­nem Nacht­club, in dem er am Pia­no für de­zen­te Hin­ter­grund­mu­sik sor­gen soll. Doch das ist sei­ne Sa­che nicht. Ir­gend­wann im Lauf des Abends bricht der Jaz­zer in ihm durch und er im­pro­vi­siert drauf­los. Sein Chef setzt ihn kur­zer­hand vor die Tür, durch die in die­sem Mo­ment ge­ra­de Mia her­ein­kommt. In ei­ner buch­stäb­li­chen traum­haf­ten Ein­stel­lung die Ka­me­ra die spä­te­re Lie­bes­be­zie­hung der bei­den vor­weg. Kur­ze Zeit spä­ter be­geg­nen sich die Bei­den bei ei­ner Pool­par­ty, bei der Se­bas­ti­an als Mit­glied ei­ner Band für die mu­si­ka­li­sche Un­ter­hal­tung zu­stän­dig ist. Zu­nächst hört man nur den 80er-Jah­re-Hit „Ta­ke On Me“von A-Ha und wun­dert sich ein we­nig dar­über, wie der Song auf den Sound­track die­ses Films ge­ra­ten konn­te. Doch dann ver­rät ein Schwenk auf die Band, dass der Song live ge­spielt wird und ziem­lich ex­akt wie das Ori­gi­nal klingt. Se­bas­ti­an fühlt sich ganz of­fen­sicht­lich schmäh­lich un­ter­for­dert. Jetzt end­lich kom­men Mia und Se­bas­ti­an ins Ge­spräch. Er er­zählt von sei­nem Traum, ei­nen Jazz­club zu er­öff­nen. Sie of­fen­bart ihm, Schau­spie­le­rin wer­den zu wol­len.

Der Rea­lis­mus der Zu­stands­be­schrei­bun­gen kon­tras­tiert mit dem Ober­flä­chen­glanz der Bil­der von Ka­me­ra­mann Li­nus Sand­gren. Mi­as Klei­der und Se­bas­ti­ans An­zü­ge sind wie über­haupt al­les in die­sem Film farb­lich auf­ein­an­der ab­ge­stimmt. Zu­dem fährt Se­bas­ti­an ei­nen klas­si­schem ame­ri­ka­ni­schen Stra­ßen­kreu­zer. Oft fragt man sich, in wel­cher Zeit die Hand­lung ei­gent­lich an­ge­sie­delt ist. Han­dys und Com­pu­ter sind so gut wie nicht zu se­hen. Cha­zel­le nimmt sich die künst­le­ri­sche Frei­heit die ka­li­for­ni­sche Me­tro­po­le in schöns­tem Licht er­schei­nen zu las­sen und ih­re Schat­ten­sei­ten aus­zu­blen­den.

„La La Land“ist ein Wohl­fühl­film ers­ter Gü­te, ob­wohl – das kann man ver­ra­ten – die Lie­be zwi­schen Mia und Se­bas­ti­an aus­ge­rech­net dann ei­ner schwe­ren Be­las­tungs­pro­be aus­ge­setzt wird, als sich der lang er­sehn­te Er­folg bei bei­den ein­stellt. Be­reits in sei­nem Lang­film­de­büt „Whi­plash“hat der jun­ge Re­gis­seur (Jahr­gang 1985) ge­zeigt, dass er die Lein­wand wie kaum ein an­de­rer mit Emo­tio­nen auf­la­den kann, wo­bei es bei der Darstel­lung der selt­sa­men Be­zie­hung zwi­schen ei­nem ehr­gei­zi­gen jun­gen Schlag­zeu­ger und sei­nem sa­dis­ti­nimmt schen, zy­ni­schen Lehr­meis­ter nicht zu­letzt um ne­ga­ti­ve Ge­füh­le wie Wut, Rach- und Herrsch­sucht ging. In „La La Land“ist die Ge­fühls­la­ge, auch wenn zwi­schen­durch Moll­tö­ne an­ge­schla­gen wer­den, im Grun­de po­si­tiv und le­bens­be­ja­hend. Be­schwingt ver­lässt man das Ki­no und ist ver­sucht, wie die Prot­ago­nis­ten zu sin­gen und zu tan­zen. Dass man da­bei ei­ne ähn­lich gu­te Fi­gur macht wie Em­ma Sto­ne und Ryan Gos­ling ist nicht zu er­war­ten. Pe­ter Kohl

Fo­to: Stu­dio­ca­nal

AUF DER SU­CHE NACH PRI­VA­TEM UND BERUFLICHEM GLÜCK: Mia (Em­ma Sto­ne) und Se­bas­ti­an (Ryan Gos­ling).

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