Nach „Wo­chen des Wahn­sinns“im Ju­li er­schüt­tert der An­schlag von Ber­lin das gan­ze Land

Pforzheimer Kurier - - MOMENTE 2016 -

Weih­nachts­märk­te, die Sor­ge war da. Bis zum vier­ten Ad­vent blieb es ru­hig. Dann rast ein Last­wa­gen in die Bu­den an der Ber­li­ner Ge­dächt­nis­kir­che. Die Bi­lanz: Zwölf To­te und 50 Ver­letz­te. Die Bil­der glei­chen de­nen von Niz­za. Auch dort ras­te ein Last­wa­gen in die Men­ge. Min­des­tens 86 Men­schen ster­ben bei dem An­schlag am 14. Ju­li, dem fran­zö­si­schen Na­tio­nal­fei­er­tag. Der IS hat be­reits im Sep­tem­ber 2014 An­grif­fe wie die­sen vor­ge­schla­gen: nicht mit Waf­fen, son­dern mit all­ge­mein zu­gäng­li­chen Mit­teln, Mes­sern, Äx­ten wie in Würz­burg – oder eben Au­tos.

An­schlä­ge, mög­lich da­mit für je­den, oh­ne Spreng­stoff­kennt­nis, oh­ne il­le­ga­le Waf­fen. Niz­za, die Axt-Atta­cke von Würz­burg, Brüs­sel, die An­schlags­se­rie in Pa­ris und der ers­te IS-Selbst­mord­an­schlag auf deut­schem Bo­den in Ans­bach ha­ben das Le­bens­ge­fühl ver­än­dert: Bin­nen ei­nes Jah­res ist der Ter­ror auch hier­zu­lan­de an­ge­kom­men. „Wir müs­sen al­les Men­schen­mög­li­che tun, not­falls dann auch die Ge­set­ze ver­än­dern, um die Si­cher­heit der Men­schen zu ge­währ­leis­ten“, ver­spricht Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) – ein­mal mehr.

Im März 2017 sol­len Po­li­zei und Bun­des­wehr erst­mals ge­mein­sam ei­nen Ein­satz im Ter­ror­fall üben. In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) will mehr Vi­deo­tech­nik im öf­fent­li­chen Raum. Bun­des­po­li­zis­ten be­kom­men Bo­dy­cams, Ka­me­ras an der Uni­form. Die Vi­deo­über­wa­chung soll aus­ge­baut wer­den. In ei­nem Pi­lot­pro­jekt wer­den in Nord­rhein-West­fa­len ge­ra­de be­schleu­nig­te Ver­fah­ren für aus­län­di­sche Ge­fähr­der und straf­fäl­li­ge Aus­rei­se­pflich­ti­ge ge­prüft. Po­li­tik, Be­hör­den und die ge­sam­te Ge­sell­schaft ste­hen vor ei­ner schwe­ren Auf­ga­be: Höchst­mög­li­che Si­cher­heit schaf­fen oh­ne ein Über­maß an Über­wa­chung – und oh­ne Ein­schrän­kung des all­täg­li­chen Le­bens. Denn das, da sind sich Ex­per­ten ei­nig, wür­de Ex­tre­mis­ten in die Hän­de spie­len – Is­la­mis­ten eben­so wie Rechts­ra­di­ka­len. Desta­bi­li­sie­ren, ver­un­si­chern, Miss­trau­en schü­ren, das ist ihr Ziel.

Ist ein Teil der in­fa­men Stra­te­gie schon auf­ge­gan­gen? Die Men­schen ge­hen wei­ter auf Weih­nachts­märk­te, be­su­chen Kon­zer­te und Fuß­ball­spie­le. Doch wo sie frü­her ge­mein­sam un­be­schwert fei­er­ten, scheint plötz­lich Ge­fahr zu lau­ern. We­ni­ger Gäs­te ka­men zum erst­mals um­zäun­ten Ok­to­ber­fest. Die tra­di­tio­nel­len Böl­ler­schüs­se zum Start kün­dig­ten die Ver­an­stal­ter vor­sorg­lich an um ei­ne mög­li­che Pa­nik zu ver­hin­dern. Zu­vor hat­te der Amok­lauf ei­nes Man­nes ganz Mün­chen stun­den­lang in kol­lek­ti­ve Ter­ror­angst ge­stürzt. Mehr Vor­sicht, mehr Miss­trau­en – und mehr Frem­den­feind­lich­keit sind Früch­te der Angst.

Vor al­lem die zeit­lich kur­ze Ab­fol­ge der jüngs­ten Er­eig­nis­se hat Sor­ge und Un­si­cher­heit ge­schürt. Nun traf es die deut­sche Haupt­stadt, die Ge­dächt­nis­kir­che als Mahn­mal des Frie­dens – und letzt­lich Weih­nach­ten, das christ­li­che Fest, das so zen­tral zum ge­sell­schaft­li­chen Le­ben ge­hört. Ein Ziel, das be­son­ders schmerzt – und da­mit lo­gisch, wenn man sich in den Kopf ei­nes Ter­ro­ris­ten ver­setzt. Der An­schlag auf die eu­ro­päi­schen Wer­te wird auch das Den­ken der Eu­ro­pä­er ver­än­dern. Sa­bi­ne Do­bel

AUF DEM BER­LI­NER BREIT­SCHEID­PLATZ rast ein At­ten­tä­ter mit ei­nem Last­wa­gen in den Weih­nachts­markt an der Ge­dächt­nis­kir­che. Der Ter­ror kommt end­gül­tig in Deutsch­land an. Schon im Ju­li hat­ten die An­schlä­ge in Würz­burg und Ans­bach Schre­cken ver­brei­tet.

AM NA­TIO­NAL­FEI­ER­TAG trifft der Ter­ror er­neut Frank­reich. Auf der Ufer­pro­me­na­de in Niz­za rast ein Last­wa­gen in die Men­schen­men­ge, die sich dort zum Feu­er­werk ver­sam­melt hat­te. 86 Men­schen wer­den ge­tö­tet, zwei Ta­ge spä­ter be­an­sprucht der IS die Tat für sich.

BLU­MEN UND KER­ZEN vor dem Münch­ner Olym­pia­ein­kaufs­zen­trum er­in­nern an die neun To­des­op­fer des Amok­laufs.

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