Die Bri­ten keh­ren der EU in ei­nem his­to­ri­schen Re­fe­ren­dum den Rü­cken

Pforzheimer Kurier - - MOMENTE 2016 -

„Das bri­ti­sche Volk hat ge­spro­chen und die Ant­wort ist: Wir sind raus.“Als BBC-Mo­de­ra­tor Da­vid Dim­ble­by in den frü­hen Mor­gen­stun­den des 24. Ju­ni 2016 die­se Wor­te spricht, ist klar, dass Groß­bri­tan­ni­en bald nicht mehr das­sel­be Land sein wird. Ei­ne knap­pe Mehr­heit der Bri­ten hat sich bei dem his­to­ri­schen Re­fe­ren­dum ei­nen Tag zu­vor für ei­nen Aus­tritt des Lan­des aus der EU ent­schie­den. We­ni­ge St­un­den spä­ter kün­digt Pre­mier­mi­nis­ter Da­vid Ca­me­ron sei­nen Rück­tritt an. Das bri­ti­sche Pfund er­reicht in den Wo­chen und Mo­na­ten da­nach his­to­ri­sche Tiefst­wer­te, frem­den­feind­li­che An­grif­fe häu­fen sich. Und den­noch: Die gro­ßen Be­fürch­tun­gen ei­nes wirt­schaft­li­chen Schocks und ei­nes Ban­ken-Exo­dus blei­ben aus, vor­erst zu­min­dest.

Doch das könn­te nur die Ru­he vor dem Sturm sein, denn der ei­gent­li­che Aus­tritt zieht sich hin. Die neue Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May ver­kün­det, dass sie die Aus­tritts­er­klä­rung ge­mäß Ar­ti­kel 50 des Ver­trags von Lis­s­a­bon bis En­de März nach Brüs­sel schi­cken will. Bis da­hin soll so we­nig wie mög­lich über die Ver­hand­lungs­stra­te­gie der Re­gie­rung be­kannt wer­den. „Br­ex­it be­deu­tet Br­ex­it und wir ma­chen ei­nen Er­folg dar­aus.“Mit die­sen Pa­ro­len will May ih­re Lands­leu­te ru­hig­stel­len. Die zwei­feln zu­wei­len da­ran, ob es in Dow­ning Street 10 über­haupt ei­nen kla­ren Plan für den EU-Aus­stieg gibt. Wi­der­stand for­miert sich nicht nur in der zer­strit­te­nen Op­po­si­ti­on, son­dern auch im ei­ge­nen La­ger. Ein wei­te­res Pro­blem hat May in Schott­land und Nord­ir­land. Die Mehr­heit der Wäh­ler in die­sen Lan­des­tei­len hat ge­gen den Br­ex­it ge­stimmt.

Der Br­ex­it be­rei­tet der neu­en Pre­mier­mi­nis­te­rin schlaf­lo­se Näch­te, wie sie in ei­nem In­ter­view mit der „Sun­day Ti­mes“En­de No­vem­ber zu­gibt. Größ­tes Pro­blem ist, dass sie die Ein­wan­de­rung aus der EU ein­schrän­ken muss. Das war das wich­tigs­te Wahl­ver­spre­chen der Br­ex­it-Be­für­wor­ter. Gleich­zei­tig drin­gen Ban­ken und In­dus­trie dar­auf, den Zu­gang zum Eu­ro­päi­schen Bin­nen­markt nicht auf­zu­ge­ben. Doch bei­des ist nicht zu ha­ben, ma­chen Po­li­ti­ker aus der EU im­mer wie­der un­miss­ver­ständ­lich klar.

„Du kannst dei­nen Ku­chen nicht gleich­zei­tig auf­be­wah­ren und es­sen“, be­sagt ein eng­li­sches Sprich­wort, das in dem Zu­sam­men­hang im­mer wie­der ge­nannt wird: EU-Rats­prä­si­dent Do­nald Tusk bringt die Stim­mung in Eu­ro­pa am bes­ten auf den Punkt: „Es wird kei­nen Ku­chen auf dem Tisch ge­ben, für nie­man­den. Nur Salz und Es­sig“.

Chris­toph Mey­er

WECH­SEL IN LON­DON: Da­vid Ca­me­ron tritt nach dem Re­fe­ren­dum zu­rück und ver­lässt mit sei­ner Fa­mi­lie Dow­ning Street 10, dort zie­hen The­re­sa May und ihr Mann ein.

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