Held und Feind

Ku­ba nimmt Ab­schied von Fi­del Cas­tro

Pforzheimer Kurier - - MOMENTE 2016 -

Er ist ei­ne der schil­lernds­ten Per­sön­lich­kei­ten des 20. Jahr­hun­derts: In­nig ver­ehrt und tief ver­hasst. Und so fal­len auch die Re­ak­tio­nen auf sei­nen Tod sehr un­ter­schied­lich aus. Als am Abend des 25. No­vem­ber die Nach­richt vom Tod Fi­del Castros be­kannt wird, trau­ern Hun­dert­tau­sen­de Men­schen in Ku­ba um ih­ren Re­vo­lu­ti­ons­füh­rer. Und die Exil­Ku­ba­ner in den USA zie­hen fei­ernd durch die Stra­ßen.

Im Al­ter von 90 Jah­ren ist der frü­he­re ku­ba­ni­sche Staats- und Par­tei­chef ge­stor­ben. Für sei­ne An­hän­ger war Cas­tro ein Held, der Ku­ba be­freit, den mäch­ti­gen USA die Stirn ge­bo­ten und viel so­zia­len Fort­schritt ge­bracht hat. Für sei­ne Geg­ner ein bru­ta­ler Ge­walt­herr­scher, der An­ders­den­ken­de un­ter­drück­te, kei­ne frei­en Wah­len zu­ließ und die Mei­nungs­frei­heit mit Fü­ßen trat. Vor der Na­se der ka­pi­ta­lis­ti­schen Welt­macht USA hat­te er ein kom­mu­nis­ti­sches Sys­tem er­rich­tet. Er ver­half Ku­ba zu ei­ner für ei­nen Staat die­ser Grö­ße un­ge­wöhn­li­chen Rol­le auf der in­ter­na­tio­na­len Büh­ne. Be­reits 2006 zog sich der „Co­man­dan­te“we­gen ei­ner schwe­ren Er­kran­kung aus der ak­ti­ven Po­li­tik zu­rück. Seit­dem steht Raúl Cas­tro an der Staats­spit­ze. Er lei­te­te ei­nen vor­sich­ti­gen Öff­nungs­kurs ein und nahm wie­der di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen zum eins­ti­gen Erz­feind USA auf. tob

KON­VOI DURCHS GAN­ZE LAND: Hun­dert­tau­sen­de säu­men die Stra­ßen, als die Ur­ne mit der Asche Fi­del Castros nach San­tia­go de Cu­ba ge­bracht wird.

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