„Herr­schaft des Un­rechts“

Streit zwi­schen Mer­kel und See­ho­fer ent­zweit die Uni­on / SPD hü­tet ein Ge­heim­nis

Pforzheimer Kurier - - MOMENTE 2016 -

Un­ter Ge­schwis­tern kann es schon mal kra­chen, kei­ne Fra­ge. Wenn sich so ein Streit al­ler­dings ein gan­zes Jahr hin­zieht, dann darf man durch­aus von tief­grei­fen­den fa­mi­liä­ren Pro­ble­men spre­chen. Die­se Dia­gno­se trifft wohl auf die Uni­on zu. Die Be­zie­hung zwi­schen CDU und CSU hat 2016 ei­nen ab­so­lu­ten Tief­punkt er­reicht.

Es ver­geht prak­tisch kei­ne Wo­che, in der Horst See­ho­fer nicht ge­gen An­ge­la Mer­kel schießt. Haupt­streit­punkt ist und bleibt die Flücht­lings­po­li­tik der Kanz­le­rin. „Wir ha­ben im Mo­ment kei­nen Zu­stand von Recht und Ord­nung. Es ist ei­ne Herr­schaft des Un­rechts,“echauf­fiert sich Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer An­fang Fe­bru­ar in ei­nem In­ter­view. See­ho­fer droht mit ei­ner Kla­ge vor dem Karls­ru­her Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, die dann doch nicht kommt. Er wei­gert sich, sich auf Mer­kel als ge­mein­sa­me Kanz­ler­kan­di­da­tin der Uni­on fest­zu­le­gen. Und er be­harrt auf ei­ner Ober­gren­ze für Flücht­lin­ge. Ge­gen En­de des Jah­res er­klärt See­ho­fer schließ­lich, die Ober­gren­ze von 200 000 Flücht­lin­gen pro Jahr sei Be­din­gung für ei­ne Re­gie­rungs­be­tei­li­gung der CSU nach der Bun­des­tags­wahl im nächs­ten Jahr.

Das lässt auf­hor­chen. Steht da et­wa die Tren­nung der Ge­schwis­ter be­vor? Das En­de der Uni­on? Beim Bun­des­par­tei­tag der CDU in Es­sen je­den­falls fehlt See­ho­fer zum ers­ten Mal. Die Zei­chen ste­hen auf Tren­nung. Ab­schied neh­men heißt es un­ter­des­sen für Joa­chim Gauck. Der Bun­des­prä­si­dent kün­digt im Som­mer an, auf ei­ne zwei­te Amts­zeit zu ver­zich­ten. Das ist et­was über­ra­schend, weil sich Gauck in sei­nem Amt zu­neh­mend woh­ler zu füh­len scheint. Die Su­che nach ei­nem Nach­fol­ger ge­stal­tet sich schwie­rig. Die Uni­on kann kei­nen ge­eig­ne­ten Kan­di­da­ten prä­sen­tie­ren, schließ­lich ge­lingt SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el ein Coup, als er Frank-Wal­ter St­ein­mei­er ins Ren­nen schickt. Der Au­ßen­mi­nis­ter soll ins Schloss Bel­le­vue wech­seln. Wer ihm im Aus­wär­ti­gen Amt nach­folgt, ist of­fen. Mar­tin Schulz, Prä­si­dent des Eu­ro­pa­par­la­ments, kün­digt an, dass er nach Ber­lin wech­selt. Er ist auch ein mög­li­cher SPD-Kanz­ler­kan­di­dat. Wen die So­zi­al­de­mo­kra­ten als Mer­kel-Her­aus­for­de­rer no­mi­nie­ren, bleibt aber vor­erst ein Ge­heim­nis. Glaubt man Han­ne­lo­re Kraft, SPD-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin in NRW, ist die Per­so­na­lie schon fest­ge­klopft. „Ich weiß es, aber ich ver­ra­te es nicht“, be­kennt sie im No­vem­ber. tob

EI­SI­GE ZEI­TEN: Horst See­ho­fer und An­ge­la Mer­kel ha­ben sich of­fen­sicht­lich nicht mehr viel zu sa­gen. Der Streit um die Flücht­lings­po­li­tik spal­tet die Uni­on.

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