Mit der Ar­beit Kauc­zins­kis en­den beim KSC auch die sorg­lo­sen Ta­ge im Wild­park

Pforzheimer Kurier - - MOMENTE 2016 -

Pünkt­lich mit dem Win­ter er­fas­sen die fros­tigs­ten Ab­stiegs­sor­gen auch das Trai­nings­ge­län­de des Karls­ru­her SC. Dort sind die Fol­gen des in der Fuß­bal­lMo­der­ne weit­ge­hend über­holt ge­glaub­ten Füh­rungs­stils von „Zu­cker­brot und Peit­sche“noch zu be­sich­ti­gen: Trep­pen­läu­fe, Ball­ar­beit zur Stopp­uhr, Me­di­zin­ball-Staf­feln, abend­li­che Aus­gang­kon­trol­len – vie­les, was für die Pro­fi­ki­cker im Som­mer noch un­ge­wohnt war, ist für sie ge­leb­ter All­tag ge­wor­den. So wie das Re­gi­ment des Man­nes mit der Pfei­fe, der sich je­der un­ter­zu­ord­nen hat. „On­ly I whist­le“, herrscht To­mas Oral ei­nen je­ner Spie­ler an, der ex­akt das auf dem Platz für ei­ne Se­kun­de ver­gaß und ei­nen Mit­spie­ler pfei­fend auf sich auf­merk­sam mach­te. Der Zu­recht­ge­wie­se­ne: Ei­ner der Spie­ler, die des Som­mers mit Oral zum KSC ka­men. Und de­ren Fort­schrit­te im Deutsch­un­ter­richt seit­her ähn­lich über­schau­bar blie­ben wie je­ne auf dem Platz – was schwe­rer wiegt.

Oral, frü­her As­sis­tent des Schlei­fers Fe­lix Ma­gath beim FC Ful­ham, kommt mit sei­nen Mit­teln ein­fach nicht in die Er­geb­nis­se und pfeift als Chef­trai­ner bei den Ba­de­nern da­her bei Win­ter­an­bruch aus dem letz­ten Loch. Weil sein Eng­lisch und sei­ne Vor­stel­lun­gen kaum noch Ge­hör fin­den, zu­wei­len un­ver­stan­den blei­ben. Die Ta­bel­le er­zählt ei­ne Wei­le schon die Wahr­heit. Wäh­rend das He­im­pu­bli­kum die Ge­duld mit Oral längst ver­lo­ren hat, hegt die Club­füh­rung mit Blick auf die Fi­nan­zen wei­ter die Hoff­nung, der zu­vor beim FSV Frank­furt ge­feu­er­te Trai­ner könn­te doch noch ei­nen An­satz zur Bes­se­rung fin­den. Da­bei war der Be­weis schon er­bracht: Wie­der ein­mal hat­te sich der KSC in ei­ner sei­ner sta­bi­le­ren Pha­sen Feh­ler ge­leis­tet, für die er nun kräf­tig zah­len muss. Buch­stäb­lich und – un­kal­ku­lier­ba­rer – im sport­lich über­tra­ge­nen Sin­ne. Der Ka­der un­ter Oral: wie zu­sam­men­ge­wür­felt. Sei­ne Mann­schaft: oh­ne Ge­sicht. Sei­ne Spiel­idee: ein gro­ßes Fra­ge­zei­chen. Sei­ne Bi­lanz: de­sas­trös.

Um „Ge­duld“wirbt Oral noch bis zu­letzt – bis der Ver­ein An­fang De­zem­ber dem Nach­fol­ger von Mar­kus Kauc­zin­ski das Ver­trau­en ent­zieht. Zehn Ta­ge da­vor hat­te das Prä­si­di­um schon den Sport­di­rek­tor Jens Todt be­ur­laubt und ei­ne Wo­che spä­ter des­sen Vor­gän­ger Oli­ver Kreu­zer zu­rück­ge­holt. Nach dem In­ter­mez­zo von Lu­kas Kwas­ni­ok, dem Trai­ner der U 19, wird der KSC im neu­en Jahr den Ver­such un­ter­neh­men, nicht tie­fer zu sin­ken. Die vor­an­ge­gan­ge­ne Sai­son hat­ten die Blau-Wei­ßen mit Kauc­zin­ski auf Platz sie­ben be­en­det. Die­se Ta­bel­len­re­gi­on ist seit­her vom Wild­park aus kaum noch zu se­hen. Der KSC geht als Ta­bel­len-15. in die Pau­se. Bei der Rück­kehr wird ein erst­klas­sig er­prob­ter Trai­ner an der Sei­ten­li­nie ste­hen: Mir­ko Slom­ka, den der KSC noch kurz vor Weih­nach­ten für sich ge­wann.

„KA-SC 2015“: Nur das Kenn­zei­chen auf dem Mann­schafts­bus, das bei sei­ner An­mel­dung ein Ziel an­deu­te­te, er­in­nert noch da­ran, wo­her der KSC kommt. Aus ei­ner be­mer­kens­wert sorg­lo­sen Pha­se, de­ren Hö­he­punkt die über­ra­schend punkt­ge­naue An­kunft an der Schwel­le zur Bun­des­li­ga war. Doch di­rekt nach der ver­lo­re­nen Re­le­ga­ti­on ge­gen den Ham­bur­ger SV zahlt der Ver­ein den Preis für den Er­folg, den nicht al­le im Ver­ein als sol­chen an­er­kann­ten.

Kauc­zin­ski hat­te im Herbst 2015 aus die­sem Ein­druck her­aus ein neu­es Ver­trags­an­ge­bot ab­ge­lehnt. Nach 15 Jah­ren beim KSC. Den Vor­zug ei­ner frü­hen Pla­nungs­si­cher­heit ver­gab der Vor­stand da­nach im Zu­sam­men­spiel mit Sport­di­rek­tor Todt. Her­aus kam letzt­lich die von vie­len Be­ob­ach­tern skep­tisch ge­se­he­ne Lö­sung mit dem po­la­ri­sie­ren­den Oral, der ei­nen Drei-Jah­res-Ver­trag er­hielt, so­wie frag­wür­di­ge Um­bau­ar­bei­ten im Ka­der. Trotz hö­he­ren Etats wur­den die von Ma­nu­el Gul­de und Da­ni­el Gor­don ge­ris­se­nen Lü­cken in der In­nen­ver­tei­di­gung nicht ge­schlos­sen. Jor­di Fi­gueras wur­de trotz des Ri­si­kos ei­nes in Spa­ni­en ge­gen ihn lau­fen­den Ver­fah­rens we­gen an­geb­li­cher Spiel­ma­ni­pu­la­tio­nen ge­holt. Und fürs de­fen­si­ve Mit­tel­feld galt Franck Kom von Tu­ne­si­ens Meis­ter Étoi­le du Sa­hel als Schlüs­sel-Trans­fer. Bei­de seit­her noch kei­ne gro­ßen Hil­fen. Im neu­en Jahr geht es ge­gen den Ab­stieg. Und Kauc­zin­ski? Lebt nach dem un­glück­lich ver­lau­fe­nen Aus­flug in die Bun­des­li­ga, wo er in In­gol­stadt weit frü­her wie­der ge­hen muss­te als er­war­tet, wei­ter in Karls­ru­he. Für ihn wie für den KSC stand 2016 un­ter kei­nem gu­ten Stern. Re­né Dan­kert

TUR­BU­LEN­TES JAHR: Er­folgs­trai­ner Mar­kus Kauc­zin­ski und Spie­ler wie Do­mi­nic Peitz (links) ver­ab­schie­den sich im Mai; im De­zem­ber ist Oli­ver Kreu­zer wie­der Sport­di­rek­tor. Das Er­be von Jens Todt tritt er mit der Be­ur­lau­bung von Kauc­zin­ski-Nach­fol­ger To­mas Oral an.

REIF FÜR DIE BUN­DES­LI­GA: Die Ki­cker von RB Leip­zig sind ins Fuß­ball-Ober­haus auf­ge­stie­gen. Die­sen Er­folg fei­ern Da­vie Sel­ke und Co je­doch nicht mit ei­nem Ener­gy­drink, son­dern mit Bier – und brin­gen da­mit den da­ma­li­gen Trai­ner Ralf Rang­nick zu Fall.

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