Im letz­ten Spiel für sei­nen Stamm­ver­ein ge­winnt Gens­hei­mer die Deut­sche Meis­ter­schaft

Pforzheimer Kurier - - MOMENTE 2016 -

Die feucht-fröh­li­che Stim­mung in der Mer­kur-Are­na von Lüb­be­cke ist am Über­schwap­pen, als An­dy Schmid ei­nen auf Be­cken­bau­er macht. Ähn­lich wie der Te­am­chef der deut­schen Fuß­bal­ler 1990 nach der Eh­rung zum Welt­meis­ter, als Franz Be­cken­bau­er ent­rückt über den Ra­sen im Olym­pia­sta­di­on von Rom ge­schlurft ist, sucht der Spiel­ma­cher der Rhein-Neckar Lö­wen an die­sem 5. Ju­ni in Ost­west­fa­len die Ein­sam­keit. Ei­ne Drei­vier­tel­stun­de bleibt das Hand­bal­lSu­per­hirn mit sei­nen Emo­tio­nen al­lein. Der Schwei­zer, der spä­ter zu­ge­ben wird, „be­ses­sen von die­sem Ti­tel“ge­we­sen zu sein, ge­nießt das gro­ße Glück und die Er­leich­te­rung im Frei­en und in al­ler Stil­le, der­weil im oh­ren­be­täu­ben­den Lärm in der Hal­le Alex­an­der Pe­ters­son und Patrick Gro­etz­ki ih­ren Freu­den­trä­nen frei­en Lauf las­sen. Die an­de­ren Spie­ler und vie­le der 2 000 mit­ge­reis­ten Fans fei­ern mit Kalt­ge­trän­ken. Und mit­ten­drin in Toll­haus und To­hu­wa­bo­hu: der dau­er­g­rin­sen­de Ka­pi­tän Uwe Gens­hei­mer mit der so heiß er­sehn­ten Meis­ter­scha­le in der Hand.

Was für ein Fi­na­le fu­rio­so für die Lö­wen und de­ren lang­jäh­ri­ge Ga­li­ons­fi­gur. Nach 13 Jah­ren trägt der ge­bür­ti­ge Mann­hei­mer das Lö­wen-Tri­kot am letz­ten Spiel­tag der Sai­son ein letz­tes Mal, denn nach sei­nem sieb­ten und letz­ten Tref­fer zum 35:23-End­stand im Spiel bei Ab­stei­ger TuS N-Lüb­be­cke wird der Links­au­ßen zu Pa­ris St. Ger­main wech­seln. Es er­in­nert schwer an Kitsch-Ki­no Mar­ke Hol­ly­wood, dass sich Gens­hei­mer vor sei­nem emo­tio­na­len Ab­schied sei­nen Le­benstraum ver­wirk­licht. „Die­se Meis­ter­scha­le in die Hö­he zu hal­ten, ist rich­tig geil. Die Mis­si­on ist er­füllt und ich kann gu­ten Ge­wis­sens nach Pa­ris ge­hen“, sagt der end­lich ge­krön­te Kö­nig der Lö­wen, der bis zu die­ser In­thro­ni­sie­rung mit den Ba­de­nern nur den leicht­ge­wich­ti­gen EHF-Po­kal ge­won­nen hat.

Ei­ne an­de­re Ana­lo­gie zum Fuß­ball fin­det just in Lüb­be­cke, wo sich die Lö­wen in der Ver­gan­gen­heit oft schwer­ge­tan ha­ben, ein En­de: Im Ge­gen­satz zu Bay­er „Vi­ze­ku­sen“Le­ver­ku­sen sind die Ba­de­ner das Ne­ga­tiv-La­bel „ewi­ger Zwei­ter“los. In den bei­den Jah­ren zu­vor je­weils vom THW Kiel noch ab­ge­fan­gen, wer­fen die seit Ju­li 2014 und da­mit nach dem dra­ma­ti­schen Schei­tern am letz­ten Spiel­tag in Gum­mers­bach von Ni­ko­laj Ja­cob­sen trai­nier­ten Lö­wen dies­mal bei der Jagd nach dem ers­ten gro­ßen Ti­tel nicht wie­der die Fl­in­te ins Korn – und ih­ren Ruf als „Un­voll­ende­te“ab. Gens­hei­mer sagt: „In die­sem Jahr wa­ren wir ein­fach dran. Die Scha­le ist al­les für uns.“Ei­nen Punkt mehr als Ver­fol­ger SG Flens­burg-Han­de­witt wei­sen die Lö­wen, die ei­ne über­ra­gen­de Ab­wehr stel­len, in der Ab­schluss­ta­bel­le auf.

Die Meis­ter­tro­phäe in Be­sitz, fügt Ja­cob­sens Er­folgsen­sem­ble am 31. Au­gust dem ers­ten na­tio­na­len Ti­tel gleich noch ei­nen zwei­ten hin­zu. Im Du­ell um den Su­per­cup mit dem SC Mag­de­burg lässt der Meis­ter dem Po­kal­sie­ger beim 27:24 kei­ne Chan­ce. Oh­ne Uwe Gens­hei­mer, aber mit des­sen Nach­fol­ger Gud­jon Valur Si­gurds­son als treff­si­che­rem Links­au­ßen. Rein­hard Sogl

GLÜCK­LI­CHE TUR­NER: Die KTV Strau­ben­hardt mit ih­ren Top-Ath­le­ten Andre­as Bret­schnei­der (links) und Mar­cel Nguy­en ver­tei­digt den deut­schen Ti­tel dank ei­nes fi­na­len 40:33-Sie­ges ge­gen die TG Saar in Lud­wigs­burg er­folg­reich. Bei den Frau­en wird die Kunst­turn Re­gi­on Karls­ru­he (KRK) hin­ter dem MTV Stutt­gart er­neut Vi­ze­meis­ter.

JU­BEL, TRUBEL, HEISERKEIT: Uwe Gens­hei­mer, Ka­pi­tän der Rhein-Neckar Lö­wen, stemmt die Meis­ter­scha­le. Trai­ner Ni­ko­laj Ja­cob­sen (links) hält ei­ne Sekt­fla­sche.

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