Olym­pi­sche Spie­le in Rio mit vie­len Ne­ga­tiv-Schlag­zei­len / Phelps und Bolt wie­der die Su­per­stars

Pforzheimer Kurier - - MOMENTE 2016 - SEI­NE SUPERMANNGESCHICHTE schreibt US-Schwim­mer Micha­el Phelps in Rio fort.

Am Ni­ko­laus­tag, drei­ein­halb Mo­na­te nach dem Er­lö­schen des Feu­ers in Rio de Janei­ro, ver­kün­det das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee (IOC) ei­ne fro­he Bot­schaft, die wie ein Mär­chen vom Weih­nachts­mann da­her­kommt: Nicht per­fekt, aber gut, sei­en die Som­mer­spie­le vom 6. bis 22. Au­gust 2016 ge­we­sen.

Der Kon­zern aus Lau­sanne mit den Mil­li­ar­den-Um­sät­zen und sei­nem Prä­si­den­ten Tho­mas Bach zieht am 6. De­zem­ber ei­ne über­aus po­si­ti­ve Bi­lanz der ers­ten Olym­pi­schen Spie­le in Süd­ame­ri­ka. Fi­nan­zi­ell so­wie­so – für das IOC, aber nicht für die Ka­pi­ta­le der Kri­mi­na­li­tät un­term Zu­cker­hut, die nach Olym­pia kaum noch Ben­zin für die Strei­fen­wa­gen kau­fen kann. Das Fa­zit der Olym­pi­er für die Öf­fent­lich­keit ist aber nicht wirt­schaft­li­cher Na­tur. Der Te­nor: Es ist al­les viel bes­ser, als zu­vor von Skep­ti­kern pro­phe­zeit – kaum et­was zu spü­ren von Kri­mi­na­li­tät, die Luft­qua­li­tät okay, das Was­ser von ei­ner Kloa­ke weit ent­fernt, her­vor­ra­gen­de und pri­ma be­such­te Sport­stät­ten. 88 Pro­zent der Kar­ten sei­en ver­kauft – auch wenn der Ein­druck wäh­rend der Wett­kämp­fe häu­fig ein an­de­rer ist. Nicht zu­letzt: In den 16 Ta­gen der Leis­tungs­schau in Bra­si­li­en wer­den mehr als 100 olym­pi­sche Re­kor­de und Welt­best­mar­ken auf­ge­stellt. Das ist die eher schlech­te Nach­richt. Als die Äthio­pie­rin Al­maz Aya­na am ers­ten Tag der Leicht­ath­le­tik-Wett­kämp­fe nach 10 000 Me­tern die Zi­el­li­nie über­quert, geht ein Rau­nen durch die Are­na. Die 5 000-Me­ter-Welt­meis­te­rin pul­ve­ri­siert den schon skep­tisch be­trach­te­ten Welt­re­kord der Chi­ne­sin Jun­xia Wang um 14 Se­kun­den auf un­glaub­li­che 29:31,78 Mi­nu­ten. Und von jetzt auf nach­her ist Do­ping, das gro­ße The­ma die­ser Spie­le, wie­der om­ni­prä­sent, auch wenn Aya­na nicht po­si­tiv ge­tes­tet wird und rus­si­sche Leicht­ath­le­ten nicht star­ten dür­fen we­gen des staat­lich or­ga­ni­sier­ten Sport­be­trugs im gro­ßen Stil in Pu­tin-Land. Aber Lands­leu­te aus vie­len an­de­ren Sport­ar­ten nut­zen die Wat­te­bäu­sche des IOC, um sich ein sau­be­res Image zu ver­schaf­fen. 280 Rus­sen tre­ten in Rio an, weil Bach von ei­nem Kom­plett­aus­schluss nichts wis­sen will.

Der 12. Au­gust geht nicht nur we­gen Aya­nas Fa­bel­zeit in die An­na­len ein. Da wä­re auch das ers­te Gold für Fi­dschi im Sie­be­ner-Rug­by. Vor al­lem aber schreibt US-Schwim­mer Micha­el Phelps bei sei­nen letz­ten Spie­len sei­ne Supermanngeschichte fort mit dem vier­ten Gold von Rio – sein 22. Olym­pia­sieg. Da neh­men sich die neun Tri­um­phe von Usain Bolt nach dem drit­ten und letz­ten Triple des schnells­ten Manns der Welt na­he­zu be­schei­den aus.

Für das deut­sche Team ist der 12. Au­gust ein schwar­zer Frei­tag: Ka­nu­sla­lomTrai­ner Ste­fan Hen­ze wird bei ei­nem Ver­kehrs­un­fall so schwer ver­letzt, dass er drei Ta­ge spä­ter stirbt. Renn­ka­nu­te Se­bas­ti­an Bren­del ste­hen da­her die Trä­nen in den Au­gen, als die deut­sche Hym­ne er­klingt. Gold ge­win­nen am 16. Au­gust der spä­ter zum Sport­ler des Jah­res 2016 ge­wähl­te Fa­bi­an Ham­bü­chen am Reck und Kris­ti­na Vo­gel im Bahn­ra­dSprint. Im Ge­gen­satz zu St­ab­hoch­sprung-Welt­re­kord­ler Ren­aud La­vil­le­nie und an­de­ren Aus­län­dern las­sen sich die Beach­vol­ley­bal­le­rin­nen Lau­ra Lud­wig/Ki­ra Wal­ken­horst von den un­fai­ren Fans nicht be­ir­ren und ge­win­nen durch Sie­ge über Bra­si­lia­ne­rin­nen Gold. Ein Kunst­stück, das den DFB-Fuß­bal­lern mit KSC-Pro­fi Sa­scha Prö­mel nicht ge­lingt, sie ver­lie­ren das Fi­na­le ge­gen Bra­si­li­en im Elf­me­ter­schie­ßen. Die Frau­en und Speer­wer­fer Tho­mas Röh­ler bau­en die Gold-Aus­beu­te auf be­acht­li­che 17 Me­dail­len aus. In Sum­me 42-mal Edel­me­tall für Deutsch­land ist da­ge­gen so schlecht wie die Rio-Bi­lanz des IOC ei­gent­lich aus­fal­len muss: Nicht per­fekt und auch nicht gut. Rein­hard Sogl

ZUM SCHREI­EN: Die Beach­vol­ley­bal­le­rin­nen Lau­ra Lud­wig (links) und Ki­ra Wal­ken­horst ge­win­nen Gold und wer­den dann zu Deutsch­lands Mann­schaft des Jah­res 2016 ge­wählt.

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