Un­ge­heu­res Aus­maß

Rus­si­scher Do­ping­skan­dal scho­ckiert die Sport­welt

Pforzheimer Kurier - - MOMENTE 2016 - KRONZEUGIN Ju­lia Ste­pa­no­wa bringt den St­ein ins Rol­len.

Der 24. Ju­li 2016 ist nicht nur für Ju­lia Ste­pa­no­wa ein trau­ri­ger Tag. Der Be­schluss des In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees (IOC), der Kronzeugin im rus­si­schen Do­ping­skan­dal das Start­recht für Rio zu ent­zie­hen, sorgt in der Sport­welt für Em­pö­rung. Für vie­le ist es ei­ne zy­ni­sche Ent­schei­dung, je­ne Frau aus­zu­schlie­ßen, die ent­schei­dend da­zu bei­ge­tra­gen hat, die Mas­sen­ma­ni­pu­la­tio­nen in Russ­land auf­zu­de­cken, wäh­rend zahl­rei­che Ath­le­ten, die Teil die­ses Sys­tems wa­ren, bei Olym­pia um Me­dail­len kämp­fen dür­fen. Am En­de sind es über 270 rus­si­sche Sport­ler, die in Rio star­ten. Zu ver­dan­ken ha­ben sie es Tho­mas Bach und des­sen IOC-Funk­tio­närs­kol­le­gen, die sich nach dem Kom­plett­aus­schluss der rus­si­schen Leicht­ath­le­ten zu kei­ner Kol­lek­tiv­sper­re Russ­lands ha­ben durch­rin­gen kön- nen und statt­des- sen die Ver­ant­wor- tung an die Fach­ver­bän­de de­le­giert ha­ben. Die ge­ben je­doch den meis­ten Ath­le­ten für Olym­pia grü­nes Licht. Das In­ter­na­tio­na­le Pa­ralym­pi­sche Ko­mi­tee (IPC) greift hin­ge­gen durch und schließt die rus­si­schen Be­hin­der­ten­sport­ler kom­plett von den Pa­ralym­pics aus.

Mit­te De­zem­ber of­fen­bart dann der zwei­te McLa­ren-Be­richt das un­ge­heu­re Aus­maß der Ma­chen­schaf­ten: Mehr als 1 000 rus­si­sche Sport­ler sind nach Er­kennt­nis­sen der Welt-An­ti-Do­pingA­gen­tur (Wa­da) zwi­schen 2011 und 2015 Teil ei­ner groß an­ge­leg­ten staat­li­chen Do­ping­po­li­tik ge­we­sen. Für Mos­kau noch im­mer kein Grund, von sei­ner Theo­rie ei­ner po­li­ti­schen Ver­schwö­rung ab­zu­rü­cken. Als ers­te Re­ak­ti­on auf die neu­er­li­chen Ent­hül­lun­gen ent­zieht der In­ter­na­tio­na­le Bob- und Ske­le­ton-Ver­band Sot­schi die WM 2017. Wahr­schein­li­cher wird auch ein Russ­lan­dBann für die Win­ter­spie­le 2018.

Be­reits im Früh­jahr be­herrscht das The­ma Do­ping vor­über­ge­hend die Schlag­zei­len. Sport­lern, vor al­lem aus Russ­land und an­de­ren ost­eu­ro­päi­schen Län­dern, wird das Mit­tel Mel­do­ni­um zum Ver­häng­nis, das seit 1. Ja­nu­ar 2016 auf der Do­ping­lis­te steht. Be­kann­tes­ter Na­me ist der von Ten­nis-Star Ma­ria Scha­ra­powa. Die Rus­sin, im Ja­nu­ar bei den Aus­tra­li­an Open po­si­tiv ge­tes­tet, wird zu­nächst für zwei Jah­re ge­sperrt, darf nun aber be­reits ab dem 26. April 2017 wie­der auf­schla­gen. Un­ter Ver­dacht ste­hen auch zwei aus­län­di­sche Rin­ger des Meis­ters ASV Nen­din­gen, die nach dem Fi­nal-Hin­kampf ge­gen den SV Ger­ma­nia Wein­gar­ten po­si­tiv auf Mel­do­ni­um ge­tes­tet wur­den. Bri­sant ist der Fall auch des­halb, weil je­de Er­geb­nis­kor­rek­tur zu Guns­ten der Wein­gar­te­ner den Nen­din­gern den Ti­tel kos­ten wür­de. Ei­ne Ent­schei­dung steht noch im­mer aus. Marius Bü­cher

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.