Die Haus­halts­kon­so­li­die­rung zieht sich durch das gan­ze Jahr – und am En­de schei­tert der Etat

Pforzheimer Kurier - - MOMENTE 2016 -

Pforz­heims Dop­pel­haus­halt muss ab­spe­cken, um 30 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr. Mit­te März kommt der Auf­trag aus dem Karls­ru­her Re­gie­rungs­prä­si­di­um: Bis En­de April sol­len kon­kre­te Spar­vor­schlä­ge in Hö­he von 20 Mil­lio­nen auf den Tisch, die an­de­ren zehn Mil­lio­nen sol­len Mehr­ein­nah­men rich­ten. Pforz­heims fi­nan­zi­el­le La­ge sei „be­sorg­nis­er­re­gend“. Am 24. März er­teilt Ober­bür­ger­meis­ter Gert Ha­ger der Stadt­ver­wal­tung für rund drei Mo­na­te ei­ne Aus­ga­ben­sper­re, „bis wir Klar­heit ha­ben, wo es po­li­tisch hin­geht“– und bis der Ge­mein­de­rat im Ju­ni ein „über­zeu­gen­des Haus­halts­kon­zept“vor­legt. Am 23. April macht Re­gie­rungs­prä­si­den­tin Ni­colet­te Kressl Ha­ger und den Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den bei ei­nem Ge­spräch klar: Die La­ge ist ernst. Wei­te­ren Auf­schub ge­be es nicht.

Am 3. Ju­ni prä­sen­tiert der OB al­so ei­ne Lis­te mit 307 Spar­maß­nah­men. Bis 2021 will die Stadt ins­ge­samt 155 Mil­lio­nen we­ni­ger aus­ge­ben. Den größ­ten Bat­zen sol­len hö­he­re Ge­wer­be­steu­er, hö­he­re Grund­steu­er und we­ni­ger Zu­schüs­se für den Ei­gen­be­trieb Pforz­hei­mer Ver­kehrsund Bä­der­be­trie­be brin­gen. Das Stadt­thea­ter soll mit Gast­spie­len mehr ein­neh­men und Ga­gen- und Per­so­nal re­du­zie­ren. We­ni­ger Geld für Stra­ßen­re­pa­ra­tu­ren, Kin­der­ta­ges­stät­ten, Schu­len, Fa­mi­li­en­zen­tren, Stadt­ju­gend­ring, Kul­tur­haus Os­ter­feld oder Schul­so­zi­al­ar­beit ste­hen auf der Lis­te. Park­ge­büh­ren, Hun­de­steu­er und Es­sens­gel­der sol­len er­höht wer­den.

Der Spar­zwang sorgt für Un­mut bei den Be­trof­fe­nen. Ralf Kör­ni­cke vom Bür­ger­ver­ein Bü­chen­bronn kri­ti­siert, die Stadt le­be über ih­re Ver­hält­nis­se und nennt ZOB, In­nen­stadt­ring und die Sport­hal­le des Hil­da-Gym­na­si­um. Geld für Bil­dung und Bä­der sei hin­ge­gen kei­nes da. Die Ge­schäfts­füh­re­rin des Bür­ger­hau­ses Bu­cken­berg-Haidach, Bar­ba­ra Ba­ron-Ci­pold, wehrt sich ge­gen die Kür­zun­gen, die dort zu Stel­len­ab­bau füh­ren wür­den. Im Kul­tur­haus Os­ter­feld fin­det man die Kür­zun­gen „un­ver­hält­nis­mä­ßig hoch“. Die IHK Nord­schwarz­wald fin­det hö­he­re Steu­ern gar nicht gut, plä­diert statt­des­sen für we­ni­ger Per­so­nal in der Ver­wal­tung. Das Pforz­hei­mer Bünd­nis für Fa­mi­lie warnt, zu­las­ten der Kin­der zu spa­ren. Der Ju­gend­ge­mein­de­rat lehnt das Haus­halts­si­che­rungs­kon­zept ab, er fürch­tet um sei­ne Ge­schäfts­stel­le. Der Thea­ter-Schau- spie­ler Ro­bert Bes­ta ruft im Ju­ni zu­sam­men mit der Be­leg­schaft zu ei­ner On­line-Pe­ti­ti­on ge­gen die Spar­maß­nah­men auf. Auch für das Zen­trum für Prä­zi­si­ons­tech­nik (ZPT) sieht es nicht gut aus, es kommt vor­läu­fig auf die lan­ge Bank.

Am 22. Ju­ni be­schließt der Ge­mein­de­rat das Spar­pa­ket; CDU, SPD und Grü­ne Lis­te for­dern ei­ne Haus­halts­struk­tur­kom­mis­si­on. Die ge­plan­te Kür­zung bei der Sport­för­de­rung sorgt im Sep­tem­ber für Är­ger bei den Ver­ei­nen. Die Ca­ri­tas kri­ti­siert das Spa­ren nach­drück­lich.

An­fang No­vem­ber liegt dann der Haus­halts­ent­wurf auf dem Tisch im Ge­mein­de­rat – fünf Mal di­cker als das Te­le­fon­buch. Nicht ein­mal vier Wo­chen spä­ter, am 5. De­zem­ber, geht es in die Haus­halts­be­ra­tun­gen. Es geht um je­den Eu­ro. Aber den Frak­tio­nen ist auch klar: für Grund­satz­dis­kus­sio­nen fehlt die Zeit. Wäh­rend der Be­ra­tun­gen scheint das Zah­len­werk noch ei­ne Mehr­heit zu ha­ben. Bei der ent­schei­den­den Ab­stim­mung am 20. De­zem­ber aber fällt der Haus­halt durch. Pforz­heim geht oh­ne gül­ti­gen Etat ins neue Jahr. Ca­ro­lin Frey­tag

PRO­TES­TE GE­GEN KÜR­ZUN­GEN: Die Fa­mi­li­en­zen­tren (oben) ma­chen ih­rem Är­ger öf­fent­lich Luft. „Stirbt das Thea­ter, stirbt die Stadt“, we­delt als War­nung auf dem Wai­sen­haus­platz.

BEI EI­NEM GROSSBRAND wer­den am Mor­gen des 4. De­zem­ber sechs Ge­lenk­bus­se auf dem Ge­län­de von Süd­west­bus zer­stört. Grund ist nach Po­li­zei­an­ga­ben tro­cke­nes Laub in Ver­bin­dung mit ei­ner Stand­hei­zung. Der Scha­den be­läuft sich auf rund ei­ne Mil­li­on Eu­ro.

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