Din­ner for Two

Pforzheimer Kurier - - FAMILIE UND GESELLSCHAFT - von Si­byl­le Kra­nich

Wa­ren das noch Zei­ten, als die Klei­nen noch klein wa­ren und den Sil­ves­ter­abend kaum er­war­ten konn­ten. Als die Aus­sicht auf So-lan­ge-auf­blei­ben­wie-ich-will wah­re Stür­me der Be­geis­te­rung ent­fes­sel­te, Wun­der­ker­zen noch als voll­wer­ti­ges Bril­lant-Feu­er­werk durch­gin­gen und Par­tys mit den El­tern und de­ren Freun­den ein biss­chen cool und mei­len­weit ent­fernt von „krass pein­lich“wa­ren.

Dass Kin­der er­wach­sen wer­den, wird El­tern an kei­nem an­de­ren Abend des Jah­res schmerz­haf­ter be­wusst, als am 31. De­zem­ber. Plötz­lich und un­er­war­tet ist es da: Das Fest, an dem kei­nes der Kin­der mehr sein Gä­bel­chen in den el­ter­li­chen Fon­due­topf steckt, die Nacht, in der nie­mand mehr auf dem So­fa ein­schläft, nur um am Neu­jahrs­mor­gen stink­sau­er zu be­haup­ten, man ha­be ihn oder sie nicht zu we­cken ver­sucht.

Nicht, dass man es nicht hat­te kom­men se­hen – aber das ers­te Sil­ves­ter oh­ne Kin­der trifft vie­le El­tern hart und un­vor­be­rei­tet. Da kann man in den Jah­ren zu­vor noch so laut ge­gähnt ha­ben, bei stun­den­lan­gen Knif­fel­tur­nie­ren bis Mit­ter­nacht. Wenn Va­ter und Mut­ter al­lein aufs le­der­ne Wür­fel­be­cher­chen star­ren, wiegt die jah­re­lang er­sehn­te Sil­ves­ter-Stil­le gar nicht mehr ver­lo­ckend.

Wie Miss So­phie und der gu­te al­te But­ler Ja­mes aus „Din­ner for One“sit­zen die El­tern nun da. In ei­nem lee­ren Haus, her­aus­ge­putzt für ei­ne Gäs­te­ko­ro­na, die es nicht gibt und von der man nun – da sie nicht mehr da –, so­gar ih­re Ma­rot­ten ver­misst. Sir To­bys pe­ne­tran­tes: „Wann is­ses end­lich zwölf?“, Mis­ter Win­ter­bot­toms la­tent ag­gres­si­ves: „Pass’ doch auf, du Blöd­mann, das war mein Fleisch.“Ad­mi­ral von Schnei­ders lau­tes Gäh­nen und Mis­ter Pom­meroys fie­se Sei­ten­hie­be auf sei­ne Schwes­ter: „Ist der Pul­li nicht zu klein?“

Was bleibt Miss So­phie als mit Ja­mes das Glas zu er­he­ben: „Cheers, Mr. Win­ter­bot­tom, „San­té“Mr. Pom­meroy, „Skal“, Ad­mi­ral von Schnei­der und „Pass’ auf Dein Glas auf“, Sir To­by. (Und was für ein Glück für den al­ten Ja­mes, dass die Kin­der da­mals nur mit Ap­fel­saft an­sto­ßen durf­ten.)

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.