Loya­ler Wahl­hel­fer

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - SU­SAN­NE GÜS­TEN

Loya­li­tät ist ein Wert, den der tür­ki­sche Prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan über al­les schätzt. Des­halb ist es kein Zu­fall, dass die de­li­ka­tes­te po­li­ti­sche Auf­ga­be vor dem an­ste­hen­den Re­fe­ren­dum über die Ein­füh­rung des Prä­si­di­al­sys­tems in der Tür­kei am 16. April von ei­nem der treu­es­ten Mit­ar­bei­ter des Staats­chefs ge­schul­tert wird: Mi­nis­ter­prä­si­dent Bi­na­li Yil­di­rim soll da­bei hel­fen, sein ei­ge­nes Amt ab­zu­schaf­fen. Mor­gen kommt er nach Ober­hau­sen, um bei tür­ki­schen Wäh­lern in Deutsch­land für das Prä­si­di­al-Pro­jekt zu wer­ben.

Es ist nicht das ers­te Mal, dass der 61-jäh­ri­ge ge­lern­te Schiff­bau­er für Er­do­gan ei­ne be­son­ders wich­ti­ge Mis­si­on über­nimmt. Als Ver­kehrs­mi­nis­ter wäh­rend Er­do­gans Zeit als Mi­nis­ter­prä­si­dent trieb Yil­di­rim mil­li­ar­den­schwe­re Groß­pro­jek­te wie den Aus­bau des Au­to­bahn­net­zes und der Flug­hä­fen vor­an. Für Er­do­gan warf sich Yil­di­rim als Kan­di­dat der is­la­misch-kon­ser­va­ti­ven Re­gie­rungs­par­tei AKP so­gar in den aus­sichts­lo­sen Wahl­kampf, um das Amt des Ober­bür­ger­meis­ters in der Sä­ku­la­ris­tenHoch­burg Iz­mir. An­ders als sein Vor­gän­ger im Mi­nis­ter­prä­si­den­ten­amt, Ah­met Da­vu­tog­lu, hat Yil­di­rim kei­ne po­li­ti­schen Am­bi­tio­nen, die von Er­do­gan als Be­dro­hung der ei­ge­nen Po­si­ti­on ver­stan­den

wer­den könn­ten. Nicht zu­letzt des­halb wur­de Yil­di­rim vom Staats­chef nach Da­vu­tog­lus Ent­las­sung im Mai ver­gan­ge­nen Jah­res zum Pre­mier und no­mi­nel­len Chef der AKP ge­macht. Seit­dem ar­bei­tet Yil­di­rim in Er­do­gans Auf­trag dar­an, die nö­ti­gen Mehr­hei­ten für die Ein­füh­rung ei­ner Prä­si­di­al­re­pu­blik zu­sam­men zu be­kom­men, in der es den Pos­ten des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten nicht mehr ge­ben soll.

Wie nicht an­ders zu er­war­ten, passt sich Yil­di­rim auch im Wahl­kampf vor der Volks­ab­stim­mung im April den in­halt­li­chen und rhe­to­ri­schen Vor­ga­ben Er­do­gans an. Die Geg­ner des ge­plan­ten Prä­si­di­al­sys­tems in der Tür­kei be­zeich­net er als Ter­ro­ris­ten oder zu­min­dest als Ter­ror­hel­fer.

Mit ein­gän­gi­gen Pa­ro­len dürf­te Yil­di­rim mor­gen bei sei­ner Re­de in Ober­hau­sen vor 10 000 er­war­te­ten Zu­hö­rern für Er­do­gan und das Prä­si­di­al­sys­tem wer­ben. Auch Sti­che­lei­en ge­gen die Bun­des­re­gie­rung sind mög­lich. Beim Be­such von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel in An­ka­ra vor zwei Wo­chen hat­te der Pre­mier kri­ti­siert, Deutsch­land ge­wäh­re Fein­den der Tür­kei Schutz – doch müs­se die Bun­des­re­gie­rung dar­auf ach­ten, die Mil­lio­nen flei­ßi­ger Tür­ken in Deutsch­land mit die­sem Ver­hal­ten „nicht un­glück­lich zu ma­chen“.

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