Was kön­nen die G20 be­wir­ken?

Ih­re Be­schlüs­se sind nicht bin­dend – er­zeu­gen aber po­li­ti­schen Schwung

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN -

Bonn/Ba­den-Ba­den. Es wird ei­nes der größ­ten po­li­ti­schen Gip­fel­tref­fen, die Deutsch­land je er­lebt hat. Am 7. und 8. Ju­li kom­men die Staats- und Re­gie­rungs­chefs der „Grup­pe der 20“in Hamburg zu­sam­men. Vor­ge­schal­tet sind meh­re­re Mi­nis­ter­tref­fen – wie zum Bei­spiel jetzt in Bonn, wo sich die Au­ßen­mi­nis­ter tra­fen. Und am 17. und 18. März kom­men dann die G-20Fi­nanz­mi­nis­ter in Ba­den-Ba­den zu­sam­men. Un­ser Mit­ar­bei­ter Micha­el Fischer be­ant­wor­tet die wich­tigs­ten Fra­gen zu den G20.

Wer ge­hört zu den G20?

Der „Grup­pe der 20“ge­hö­ren die Eu­ro­päi­sche Uni­on und die 19 füh­ren­den In­dus­trie- und Schwel­len­län­der an: Ar­gen­ti­ni­en, Aus­tra­li­en, Bra­si­li­en, Chi­na, Deutsch­land, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, In­di­en, In­do­ne­si­en, Ita­li­en, Ja­pan, Ka­na­da, Me­xi­ko, Russ­land, Sau­diA­ra­bi­en, Süd­afri­ka, Süd­ko­rea, die Tür­kei und die USA. Die Grup­pe re­prä­sen­tiert zwei Drit­tel der Welt­be­völ­ke­rung, mehr als 80 Pro­zent der glo­ba­len Wirt­schafts­leis­tung und 80 Pro­zent des Han­dels.

Wer nimmt sonst noch an den Gip­feln teil?

Zu je­dem Gip­fel wer­den Gast­län­der ein­ge­la­den. Re­gel­mä­ßig ist Spa­ni­en da­bei, hin­zu kom­men in die­sem Jahr Nor­we­gen, die Nie­der­lan­de und Sin­ga­pur eben­so wie die Afri­ka­ni­sche Uni­on (AU), die Asia­tisch-Pa­zi­fi­sche Wirt­schafts­ge­mein­schaft (Apec) und die Or­ga­ni­sa­ti­on Neue Part­ner­schaft für die Ent­wick­lung Afri­kas (Ne­pad). Da­ne­ben neh­men meh­re­re wei­te­re gro­ße in­ter­na­tio­na­le Or­ga­ni­sa­tio­nen teil: die Ver­ein­ten Na­tio­nen (UN), der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF), die Welt­bank, die Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on WTO, der Fi­nanz­sta­bi­li­täts­rat, die In­ter­na­tio­na­le Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on ILO und die Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung OECD. War­um tref­fen sich vor­her die Au­ßen­mi­nis­ter?

Es fin­den vor dem Gip­fel meh­re­re Mi­nis­ter­tref­fen statt. Den An­fang mach­ten im Ja­nu­ar die Agrar­mi­nis­ter. Wich­tig ist vor al­lem das Fi­nanz­mi­nis­ter­tref­fen Mit­te März in Ba­den-Ba­den. Die G-20-Au­ßen­mi­nis­ter tra­fen sich erst zum zwei­ten Mal – nach ei­nem mä­ßig er­folg­rei­chen Ver­such 2012 in Me­xi­ko, als nur die Hälf­te der Mi­nis­ter teil­nah­men. In Bonn wa­ren jetzt 17 von 19 Au­ßen­mi­nis­tern da­bei so­wie die EUAu­ßen­be­auf­trag­te Fe­de­ri­ca Mo­g­her­i­ni.

Seit wann gibt es die G20?

Die Grup­pe wur­de 1999 in Berlin ge­grün­det – zu­nächst auf Ebe­ne der Fi­nanz­mi­nis­ter. Aus­gangs­punkt war die Fi­nanz­kri­se in Asi­en. Die Gip­fel­tref­fen fin­den seit 2008 statt. Die G20 gel­ten seit­dem als zen­tra­les Fo­rum der welt­wei­ten wirt­schaft­li­chen Zu­sam­men­ar­beit. Aber das The­men­spek­trum schließt grund­sätz­lich al­le Be­rei­che der in­ter­na­tio­na­len Po­li­tik ein.

Was kann die Grup­pe be­wir­ken?

Ih­re Be­schlüs­se sind nicht bin­dend. Die G20 kön­nen Ent­schei­dun­gen nicht durch­set­zen, son­dern nur ei­nen Kurs be­stim­men oder po­li­tisch Schwung er­zeu­gen. Der Wert der Gip­fel liegt aber auch in den in­for­mel­len bi­la­te­ra­len Tref­fen jen­seits der of­fi­zi­el­len Ta­ges­ord­nung.

Was ist der Un­ter­schied zur G7?

Die in den 70er Jah­ren ge­grün­de­te Grup­pe sie­ben wich­ti­ger In­dus­trie­na­tio­nen – kurz G7 – ver­steht sich als west­li­che Wer­te­ge­mein­schaft. Es feh­len auf­stre­ben­de Mäch­te wie Chi­na, In­di­en oder Bra­si­li­en, oh­ne die man bei vie­len glo­ba­len Fra­gen nicht mehr wei­ter­kommt. Russ­land war ei­ni­ge Jah­re Mit­glied in der G8, wur­de we­gen der Ver­ein­nah­mung der ukrai­ni­schen Krim aber aus dem Kreis wie­der aus­ge­schlos­sen.

DIE WELT BLICKT NACH BONN: Die „Grup­pe der 20“ver­eint zwei Drit­tel der Welt­be­völ­ke­rung und 80 Pro­zent der welt­wei­ten Wirt­schafts­leis­tung und ver­fügt da­her über ei­nen gro­ßen Ein­fluss. Fo­to: dpa

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