Jo­na­than Mee­se plä­diert bei der Ver­lei­hung des Hans Plat­schek Prei­ses für to­ta­le Frei­heit der Kunst

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Sua­da: So satt, so­nor und süf­fig wie Flo­ri­an Il­lies kön­nen die­ses Wort wohl nur we­ni­ge ar­ti­ku­lie­ren. Sua­da: Min­des­tens zwei­mal ge­brauch­te der Feuille­to­nist, Buch­au­tor und Mit­ge­sell­schaf­ter des Ber­li­ner Auk­ti­ons­hau­ses Vil­la Grie­se­bach die­sen Be­griff, um ei­ne Me­tho­de zu cha­rak­te­ri­sie­ren, nach der Jo­na­than Mee­se vor­geht. Mee­se, Ma­ler und Pro­vo­ka­ti­ons­künst­ler, wur­de ges­tern mit dem Hans Plat­schek Preis ge­ehrt, nach­dem ihn Il­lies als von der Hans Plat­schek Stif­tung aus­er­ko­re­ner Ju­ror für die Aus­zeich­nung vor­ge­schla­gen hat­te. Il­lies wies nun in sei­ner Lau­da­tio dar­auf hin, wie Mee­se mit der Spra­che um­geht. Ein „un­ge­heu­rer sprach­li­cher Wie­der­käu­er“sei er, der die Wor­te wie­der und wie­der zer­mal­me, bis sie ih­ren kon­ven­tio­nel­len Sinn ver­lo­ren ha­ben. Nur ei­nes wi­der­set­ze sich die­sem Ver­fah­ren: das Erz. Ei­ne von Mee­se gern ge­brauch­te Vor­sil­be. Nicht zu­letzt, weil er sich selbst als Erz-Künst­ler ver­steht. Ei­ne Hal­tung, die Il­lies of­fen­bar äu­ßerst be­geis­tert. Denn mehr und mehr stei­ger­te er sich in rhe­to­ri­sche Ek­s­ta­se – so sehr, dass die Blu­men­va­se vor dem Red­ner­pult um­kipp­te und sich das Blu­men­was­ser auf den Tep­pich­bo­den er­goss. Ge­wis­ser­ma­ßen das Sym­bol für die Sua­da, die im Fol­gen­den erst so rich­tig Platz grei­fen soll­te.

Zu­nächst galt es, aus den Hän­den des Vor­stands­vor­sit­zen­den der Stif­tung Kurt Gro­ene­wold Ur­kun­de und Scheck ent­ge­gen­zu­neh­men. Bei­des, so ver­si­cher­te der Erz-Mee­se, wer­de um­ge­hend an die Ma­ma wei­ter­ge­reicht, die ihn meist be­glei­tet. Auch in Karlsruhe war sie schon mehr­fach. Im­mer­hin ge­hör­te der Ga­le­rist Karl­heinz Mey­er zu den ers­ten, die auf ih­ren Sohn auf­merk­sam wur­den und den eins­ti­gen Stu­den­ten des Bild­hau­ers Franz Er­hard Walt­her wie­der­holt ein­lu­den, in Karlsruhe aus­zu­stel­len. Die Stadt wird auch in Mee­ses 2012 er­schie­ne­nen Text­samm­lung „Aus­ge­wähl­te Schrif­ten zur Dik­ta­tur der Kunst“er­wähnt – und just um sie wird sich denn auch die Dan­kes­re­de des 47-Jäh­ri­gen dre­hen. Po­li­tik, Ideo­lo­gi­en, Re­li­gio­nen: al­les von ges­tern. „Von al­len po­li­ti­schen Sys­te­men hat nur die Kunst über­lebt,“de­kla­riert Mee­se. Des­halb müs­se sich je­der, vor al­lem aber die Künst­ler von der Po­li­tik fern­hal­ten. Sie soll­ten sich lie­ber „im Ate­lier den Arsch ab­ar­bei­ten“und wie Richard Wa­gner oder Fried­rich Nietz­sche ih­rer Zeit vor­aus sein, statt bei­spiels­wei­se auf die Stra­ße zu ge­hen, um sei­ne Ab­scheu ge­gen Trump zu be­kun­den. Der nach Mee­ses Lo­gik oh­ne­hin der grö­ße­re Künst­ler sei, weil er den Takt vor­gibt und nicht die Mas­se de­rer, die ge­gen ihn pro­tes­tiert. Um aber nun ganz der Zu­kunft die­nen zu kön­nen, dür­fe sich der Künst­ler von nie­man­dem ver­ein­nah­men las­sen, soll­te auch Kunst­mes­sen mei­den. Er wer­de dort nur „ab­ge­schle­ckert und voll­kom­men rund­ge­lutscht“, zi­tier­te Il­lies aus Mee­ses Schrif­ten. Im Fall des Hans Plat­schek Prei­ses mach­te der Künst­ler denn doch ei­ne Aus­nah­me, weil al­les so „Süß, nett und lie­be­voll“ist. Im­mer gut, wenn man Wi­der­sprü­che aus­hal­ten kann. Micha­el Hübl

ER IST AUCH EIN BER­LI­NER: Jo­na­than Mee­se mit ge­lie­he­ner Müt­ze ges­tern auf der art Karlsruhe kurz vor der Ver­lei­hung des mit 5 000 Eu­ro do­tier­ten Hans Plat­schek Prei­ses. Fo­to: Onuk

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.