„Das Kul­tur­amt hat stets den Hut auf“

Mit­glie­der des För­der­krei­ses Pforz­heim Ga­le­rie kri­ti­sie­ren be­ruf­li­ches En­ga­ge­ment der Vor­sit­zen­den

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Edith Kopf

Wie viel Ge­schäfts­sinn ver­trägt ein Eh­ren­amt? Die­se Fra­ge be­schäf­tigt der­zeit man­ches Mit­glied im För­der­kreis der Pforz­heim Ga­le­rie. Aus­lö­ser sind ein Ge­rücht, un­ter­schied­li­che kon­zep­tio­nel­le Vor­stel­lun­gen und Un­ge­schick­lich­kei­ten in der Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Das Ge­rücht – so viel kann vor­ne weg ge­sagt wer­den – hat we­nig Sub­stanz. Es wirft aber ein Licht auf die Gr­und­fra­ge. Die Vor­sit­zen­de des För­der­krei­ses, Re­gi­na Fischer, hat im Vor­feld der ak­tu­el­len Aus­stel­lung Bern­hard Karl Be­cker ei­ne 900-Eu­ro-Pa­ten­schaft zur Di­gi­ta­li­sie­rung des Be­cker-Werks auf­ge­tan. Das Er­geb­nis soll über zehn Jah­re auf www.artand­me­mo­ry.net ver­öf­fent­licht wer­den, ei­ner Home­page, die Fischer be­treibt. Für den Spen­der ist das kein Pro­blem, wie er auf Nach­fra­ge des Pforz­hei­mer Ku­ri­er sagt. Ei­ne Ver­bin­dung zur ak­tu­el­len Aus­stel­lung ha­be es nie ge­ge­ben. Er freue sich viel­mehr, noch mehr für den 1991 ver­stor­be­nen Künst­ler Be­cker tun zu kön­nen.

Bei För­der­kreis-Mit­glie­dern in­des kommt die Nä­he zur Be­cker-Aus­stel­lung in der Pforz­heim Ga­le­rie nicht durch­weg gut an, zu­mal Fischer die­se, wie an­de­re auch, ge­gen Ent­gelt ku­ra­tier­te. Die Kunst­his­to­ri­ke­rin setzt da­mit nicht nur fort, was sie seit Jah­ren tut: Bil­der und an­de­re Ar­bei­ten so in Sze­ne zu set­zen, dass das Werk ei­nes Künst­lers zu­gäng­lich wird. Sie tut es in der Tat auch ver­stärkt, wie sie be­stä­tigt. Mit dem Weg­gang der frü­he­ren Lei­te­rin des Kul­tur­amts, tat sich näm­lich auch in ku­ra­to­ri­scher Hin­sicht ei­ne Lü­cke auf. Isa­bel Gre­schat hat­te auch Aus­stel­lun­gen ge­stal­tet. Fischer wur­de des­halb er­satz­wei­se be­fris­tet auf zwei Jah­re ver­stärkt en­ga­giert.

„Das hat sich an­ge­bo­ten“, er­läu­tert die kom­mis­sa­ri­sche Lei­te­rin des Kul­tur­amts, An­ge­li­ka Dre­scher, Fischer ha­be au­ßer­dem „tol­le Ar­beit ge­leis­tet“. Die Per­so­nal­uni­on sei aber nicht von Dau­er. In die­sem Jahr ge­hör­ten auch Franz Litt­mann und Ha­rald Krö­ner zu den Ku­ra­to­ren. Dre­scher „ver­wahrt sich“über­dies ge­gen Äu­ße­run­gen, Fischer be­stim­me al­lein in der Pforz­heim Ga­le­rie.

Die Ent­schei­dung über das, was aus­ge­stellt wird, lie­ge beim Kul­tur­amt. Da über­dies al­les im­mer sehr of­fen und trans­pa­rent dis­ku­tiert wer­de, ge­be es kei­ne Kla­gen. Das Kul­tur­amt ha­be stets den Hut auf, sei es bei der Aus­stel­lung von Gold­stadt­bot­schaf­ter Man­fred Mohr, bei der Ent­schei­dung, den Künst­ler Ha­rald Krö­ner als Ku­ra­tor „welt­of­fen“auf­tre­ten zu las­sen, oder eben bei Be­cker, dem un­ter an­de­rem auch der Er­folg mit Her­mann Ruf im ver­gan­ge­nen Jahr den Weg ge­eb­net ha­be. Zu dem in der kunst­af­fi­nen Sze­ne Pforz­heims ver­nehm­li­chen, aber öf­fent­lich eher nicht ge­äu­ßer­ten Grum­meln sagt Dre­scher, sie kön­ne sich vor­stel­len, dass es da­bei auch um ei­nen Rich­tungs­streit ge­he. Wo die ei­nen mit dem ar­bei­ten woll­ten, was der Fun­dus zu bie­ten hat, setz­ten an­de­re auf ei­ne stär­ke­re Öff­nung der Pforz­heim Ga­le­rie. Hin­zu kom­me die Sa­che mit dem Kunst­mu­se­um. „Das ist et­was un­glück­lich ge­lau­fen“, fin­det Dre­scher.

Der Be­griff Kunst­mu­se­um wur­de für die Aus­stel­lung Abra­ham Da­vid Chris­ti­an pla­ka­tiert, oh­ne vor­her im För­der­ver­ein zu in­for­mie­ren und Hin­ter­grün­de zu er­läu­tern.

Wie da­mals schon im Pforz­hei­mer Ku­ri­er dar­ge­stellt, ge­schah dies auf aus­drück­li­chen Wunsch des Künst­lers. Man­cher hat­te al­ler­dings den Ein­druck, es wür­den ein­fach Tat­sa­chen ge­schaf­fen, als er auf dem Aus­stel­lungs­pla­kat un­ver­mit­telt „Kunst­mu­se­um“Pforz­heim las.

Fischer macht kei­nen Hehl dar­aus, dass sie Am­bi­tio­nen hat, den Auf­tritt des Mu­se­ums et­was zu ver­än­dern. „Kunst ist et­was, das nicht rein re­gio­nal ge­dacht wer­den soll­te, der Blick über den ei­ge­nen Tel­ler­rand hin­aus und die Qua­li­tät sind wich­tig“, er­läu­tert sie. Grund­sätz­lich ha­be sie aber kei­ne Am­bi­tio­nen, ih­re Tä­tig­keit dau­er­haft auf Pforz­heim ein­zu­schrän­ken be­zie­hungs­wei­se ein Mu­se­um zu über­neh­men. Dass sie selbst­stän­dig sei und da­mit Geld ver­die­ne, sei über­dies kein Ge­heim­nis. Be­rüh­rungs­punk­te sei­en ge­ge­ben, sie ha­be ih­re Ent­schei­dun­gen aber stets nach bes­tem Wis­sen und Ge­wis­sen ge­trof­fen.

Of­fe­ne Kri­tik da­zu war nicht zu hö­ren bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung des För­der­ver­eins im De­zem­ber, so sa­gen Dre­scher und Fischer über­ein­stim­mend. Die Vor­sit­zen­de, die das Amt 2014 von Joa­chim Rösch über­nahm und ein­stim­mig be­stä­tigt wur­de, hät­te sich ein of­fe­nes Wort ge­wünscht. In ei­ner Stel­lung­nah­me be­dau­ert sie, dass Kri­ti­ker nicht un­mit­tel­bar an sie her­an­tra­ten. Sie will jetzt das Ge­spräch su­chen.

Man müs­se mit­ein­an­der spre­chen, heißt es auch aus dem Kreis der Kri­ti­ker über ei­ne ge­le­gent­lich „un­ge­schick­te“Kom­mu­ni­ka­ti­on. Der För­der­kreis wer­de schon ein­be­zo­gen, aber zu­meist im Nach­gang. Das sei im Ver­gleich zu frü­her nicht so glück­lich.

Fischer: „Kei­ne Am­bi­tio­nen Mu­se­um zu über­neh­men“

SMALL TALK zum „Small Talk“von Hel­gast Roth: Re­gi­na Fischer und die da­ma­li­ge Kul­tur­amts­lei­te­rin Gre­schat prä­sen­tie­ren das Ge­mäl­de in der Aus­stel­lung „Lieb­lings­bil­der“. Fo­to: Ar­chiv PK

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