An­ti-deut­sche Tö­ne

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - SU­SAN­NE GÜSTEN

Die Span­nun­gen im tür­kisch-deut­schen Ver­hält­nis nach dem Streit um mut­maß­li­che tür­ki­sche Spit­zel-Ima­me in Deutsch­land es­ka­lie­ren. Kurz vor dem heu­ti­gen Tref­fen des tür­ki­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Bi­na­li Yil­di­rim mit Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel bei der Münch­ner Si­cher­heits­kon­fe­renz wur­de die Fest­nah­me des „Welt“-Kor­re­spon­den­ten De­niz Yücel be­kannt. Gleich­zei­tig wird nach Woh­nungs­durchs­uchun­gen bei vier tür­ki­schen Geist­li­chen in der Bun­des­re­pu­blik in der Tür­kei der Ruf nach Er­mitt­lun­gen ge­gen deut­sche Stif­tun­gen laut.

Die Fest­nah­me passt zu zu­neh­mend an­ti-deut­schen Tö­nen im tür­ki­schen Re­gie­rungs­la­ger. Me­tin Külünk, ein Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­ter der is­la­misch-kon­ser­va­ti­ven Re­gie­rungs­par­tei AKP, for­der­te die tür­ki­sche Staats­an­walt­schaft öf­fent­lich zu Er­mitt­lun­gen ge­gen die deut­schen Stif­tun­gen we­gen des Ver­dachts der Spio­na­ge auf. En­de Ja­nu­ar hat­te der Ab­ge­ord­ne­te be­reits ei­ne An­fra­ge an das In­nen­mi­nis­te­ri­um ge­rich­tet, in der von an­geb­lich staats­feind­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten der Stif­tun­gen so­wie deut­scher Jour­na­lis­ten in der Tür­kei die Re­de war. Ver­tre­ter der deut­schen par­tei­na­hen Ade­nau­er-,

Böll-, Ebert- und Nau­mann-Stif­tun­gen wa­ren schon mehr­mals ins Vi­sier tür­ki­scher Na­tio­na­lis­ten ge­ra­ten. Sie wur­den un­ter an­de­rem we­gen des Mor­des an ei­nem His­to­ri­ker vor Ge­richt ge­stellt. Er­do­gan warf den Stif­tun­gen vor ei­ni­gen Jah­ren vor, Gel­der an die kur­di­sche Ter­ror­grup­pe PKK wei­ter­ge­lei­tet zu ha­ben. Nach all die­sen Vor­fäl­len wird ei­nes deut­lich: An­ka­ra macht Stim­mung ge­gen Deutsch­land. Aber war­um trifft sich dann die Kanz­le­rin noch mit dem tür­ki­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Yil­di­rim? War­um wird ihm über­haupt ge­stat­tet, heu­te in Ober­hau­sen die­se omi­nö­se Re­de zu hal­ten? Er will vor in Deutsch­land le­ben­den Tür­ken für die Eta­b­lie­rung ei­nes Prä­si­di­al­sys­tems in Tür­kei wer­ben. Was hat das mit deut­schen In­ter­es­sen zu tun? Yil­di­rims Re­de nützt nur ei­nem Mann, der nicht gera­de ein lu­pen­rei­ner De­mo­krat ist, näm­lich dem tür­ki­schen Staat­sprä­si­den­ten Er­do­gan. Staat­li­che Stel­len könn­ten den Auf­tritt Yil­di­rims nicht ein­fach ver­bie­ten, be­haup­tet ein Spre­cher des deut­schen In­nen­mi­nis­ters. Aber viel­leicht ist dies das fal­sche Si­gnal, vor al­lem dann, wenn die Span­nun­gen im deutsch-tür­ki­schen Ver­hält­nis zu­neh­men soll­ten.

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