Der Plan mit dem Wind

Pforzheimer Kurier - - POLITIK - MA­RIO BELTSCHAK

Klot­zen statt kle­ckern: Mit der An­kün­di­gung, ei­nen neu­en Off­s­hore-Wind­park in der Nord­see zu bau­en, un­ter­mau­ert die Karls­ru­her EnBW, dass sie es ernst meint mit dem Kon­zern­um­bau. Er­neu­er­ba­re Ener­gie ist Trumpf bei den Karls­ru­hern. Das macht al­lein die In­ves­ti­ti­ons­sum­me von 1,8 Mil­li­ar­den Eu­ro deut­lich. Die stemmt der Strom­er­zeu­ger zwar ge­mein­sam mit dem ka­na­di­schen Part­ner En­bridge, die Zahl ist den­noch ei­ne An­sa­ge – an die Kon­kur­renz und an die ei­ge­nen Mit­ar­bei­ter.

Letz­te­re wer­den si­cher et­was zwie­späl­tig zu dem Vor­ha­ben ste­hen, das ak­tu­ell als das größ­te vor der deut­schen Küs­te gilt. Denn wäh­rend in die Wind­kraft Mil­li­ar­den in­ves­tiert wer­den, wird an an­de­ren Stel­len doch kräf­tig ge­spart. Das wird nicht bei al­len auf Ver­ständ­nis sto­ßen. Fakt ist aber auch, dass das Ma­nage­ment um Vor­stands­chef Frank Mas­ti­aux kei­ne gro­ße Wahl hat. Ein Blick auf die Ge­schäfts­zah­len zeigt, dass den so­ge­nann­ten Er­neu­er­ba­ren auch wirt­schaft­lich die Zu­kunft ge­hört. Geg­ner wer­den je­doch ar­gu­men­tie­ren, dass

die­se Zu­kunft noch nicht be­gon­nen hat – und sie zu­dem von Fak­to­ren ab­hängt, die nicht gänz­lich in den Hän­den der EnBW lie­gen.

Ganz gleich wie viel Strom letzt­lich in der Nord- oder Ost­see pro­du­ziert wird, er muss auch ins Lan­des­in­ne­re trans­por­tiert wer­den. Und beim Netz­aus­bau ist Deutsch­land noch lan­ge nicht da, wo man hin möch­te – oder schon sein soll­te. Über­las­te­te Net­ze stel­len die Leit­stel­len im­mer wie­der vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen. Kommt der Aus­bau nicht vor­an, ha­ben letzt­lich auch die Be­trei­ber der Wind­kraft­an­la­gen ein Pro­blem.

Ein we­nig Rü­cken­de­ckung be­kam die EnBW für ihr Vor­ha­ben ges­tern in­di­rekt von der EU. Sie will 40 Mil­lio­nen Eu­ro für den Tras­sen­aus­bau in Deutsch­land zur Ver­fü­gung stel­len. Das Geld könn­te in die Stark­strom­tras­se Sued­link von Schles­wig-Hol­stein nach Ba­den-Würt­tem­berg und Bay­ern flie­ßen. Ver­gli­chen mit der In­ves­ti­ti­on der EnBW ist es aber eher ein Trop­fen auf den hei­ßen St­ein. Der Plan der Karls­ru­her geht nur auf, wenn auch die Po­li­tik kräf­tig Wind macht.

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