Kl­ar­text zum Auf­takt

Bei der Münch­ner Si­cher­heits­kon­fe­renz setzt von der Ley­en dem pol­tern­den Trump ge­ziel­te Spit­zen ent­ge­gen

Pforzheimer Kurier - - ZEITGESCHEHEN - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ralf Iser­mann GUT GE­SI­CHERT: Die Münch­ner Si­cher­heits­kon­fe­renz. Fo­to: dpa

Mün­chen. Es sind Eu­ro­pas Sti­che mit dem Flo­rett ge­gen das Schwin­gen der Keu­le in den USA: Wäh­rend US-Prä­si­dent Do­nald Trump mit ei­ner bi­zar­ren Pres­se­kon­fe­renz in Washington für ver­stör­te Re­ak­tio­nen sorgt, stärkt Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) mit ih­rer Er­öff­nung der Münch­ner Si­cher­heits­kon­fe­renz das Selbst­be­wusst­sein der Eu­ro­pä­er. Die su­chen zu­neh­mend den Schul­ter­schluss an­ge­sichts des un­be­re­chen­ba­ren US-Prä­si­den­ten.

Dass die vie­len Re­gie­rungs­chefs und Mi­nis­ter un­ter den Zu­hö­rern bei ei­ner Re­de Zwi­schen­ap­plaus spen­den, kommt auf der Si­cher­heits­kon­fe­renz äu­ßerst sel­ten vor. Von der Ley­en ge­lingt dies, als sie Trump of­fen ins Ge­wis­sen re­det. Äqui­dis­tan­zen – al­so ei­nen glei­chen Ab­stand – im Ver­trau­en zu Ver­bün­de­ten und zu de­nen, die die Wer­te in Fra­ge stell­ten, dür­fe es nicht ge­ben, sagt die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin un­miss­ver­ständ­lich und un­ter Bei­fall. Oh­ne den Na­men des US-Prä­si­den­ten zu nen­nen spielt von der Ley­en da­mit dar­auf an, dass Trump kürz­lich Russ­lands Prä­si­dent Wla­di- mir Pu­tin das glei- che Ver­trau­en wie Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) zu­ge­spro­chen hat­te. Auch bei an­de­ren The­men legt die deut­sche Mi­nis­te­rin die bei sol­chen Kon­fe­ren­zen oft üb­li­che Zu­rück­hal­tung ab: Die Wer­te der Na­to lie­ßen „nie­mals Raum für Fol­ter“– Trump hat­te den Ein­satz von Fol­ter im An­ti-Ter­ror-Kampf po­si­tiv be­wer­tet.

Was die US-Re­gie­rung von dem un­ge­wöhn­lich of­fe­nen Auf­tritt der Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin hält, bleibt un­klar. Ihr US-Kol­le­ge Ja­mes Mat­tis geht in sei­ner di­rekt auf von der Ley­en fol­gen­den Re­de nicht auf de­ren kri­ti­sche Äu­ße­run­gen ein. Nach­dem er in Brüssel noch mit ei­nem Zu­rück­fah­ren des US-Mi­li­tä­r­en­ga­ge­ments ge­droht hat­te, be­tont er nun die Be­deu­tung des trans­at­lan­ti­schen Bünd­nis­ses. Oh­ne sich ei­ner Dis­kus­si­on zu stel­len ver­ab­schie­det sich Mat­tis dann von den Teil­neh­mern der Si­cher­heits­kon­fe­renz.

Da­mit setzt sich bei dem Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter fort, was zu­vor auch schon bei US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son beim G-20-Gipfel in Bonn zu be­ob­ach­ten war. Til­ler­son wich bei sei­nem ers­ten Auf­tritt in Eu­ro­pa di­rek­ten Fra­gen aus oder flüch­te­te sich in Nich­tig­kei­ten. Den­noch – oder viel­leicht gera­de des­halb – en­de­te das G-20-Tref­fen mit ei­nem Be­kennt­nis zu Ko­ope­ra­ti­on statt Ab­schot­tung. Laut Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) sei man sich ei­nig, dass sich die ak­tu­el­len Kri­sen nur mit Ko­ope­ra­ti­on und nicht mit wei­te­rer Ab­schot­tung lö­sen las­sen. Bei der bis mor­gen dau­ern­den Münch­ner Si­cher­heits­kon­fe­renz er­hof­fen sich die Teil­neh­mer, Ant­wor­ten auf die vie­len Fra­gen zur künf­ti­gen USPo­li­tik zu be­kom­men. Für Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel steht in Mün­chen die ers­te Be­geg­nung mit der neu­en US-Re­gie­rung an, sie wird Vi­ze-Prä­si­dent Mi­ke Pence tref­fen. Nach An­ga­ben hoch­ran­gi­ger US-Ver­tre­ter will Pence den Be­such in Mün­chen nut­zen, um auch im Na­men Trumps die Be­deu­tung der trans­at­lan­ti­schen Be­zie­hun­gen für die USA zu be­to­nen. Es wird dem­nach auch um die zen­tra­le US-For­de­rung nach mehr fi­nan­zi­el­ler Be­tei­li­gung Eu­ro­pas an der Na­to ge­hen – doch Pence will vor al­lem auch die Part­ner­schaft be­kräf­ti­gen.

Sol­che Be­re­chen­bar­keit dürf­te den Eu­ro­pä­ern gera­de nach Trumps Auf­tritt in Washington wich­tig sein. Denn des­sen Pres­se­kon­fe­renz strahl­te al­les an­de­re als Sta­bi­li­tät aus. Die „New York Ti­mes“schrieb von ei­ner „Rei­se durch Trumps Psy­che“, in der der Prä­si­dent sich ab­wech­selnd wü­tend, ne­ckisch, per­plex, re­spekt­voll und be­dürf­tig ge­zeigt ha­be. Man­che Eu­ro­pä­er dürf­ten sich bei so viel Na­bel­schau des US-Prä­si­den­ten um­so mehr auf ih­re ei­ge­ne Stär­ke be­sin­nen. „Wir be­ken­nen uns zu mehr eu­ro­päi­scher Re­le­vanz“, sag­te von der Ley­en stell­ver­tre­tend.

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