Strobl: „Po­ten­zi­ell ge­fähr­li­che Per­so­nen“

Ist der Kreis Karls­ru­he Reichs­bür­ger-Hoch­burg?

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stutt­gart/Karls­ru­he. Die Er­mitt­ler des Lan­des­kri­mi­nal­amts (LKA) grif­fen am Don­ners­tag in al­ler Frü­he zu. Un­ter­stützt von Spe­zi­al­kräf­ten des Po­li­zei­prä­si­di­ums Ein­satz durch­such­ten sie ei­ne Woh­nung und ei­ne Ga­ra­ge in zwei Ge­mein­den im Zol­ler­nalb­kreis. Vor­aus­ge­gan­gen wa­ren Er­mitt­lun­gen der Stutt­gar­ter Staats­an­walt­schaft ge­gen ei­nen 55 Jah­re al­ten Mann. Er soll sich be­müht ha­ben, Ma­schi­nen­pis­to­len und Mu­ni­ti­on zu be­schaf­fen. Laut In­nen­mi­nis­te­ri­um wird er den so­ge­nann­ten Reichs­bür­gern zu­ge­rech­net. Die Po­li­zei stell­te ein Klein­ka­li­ber­ge­wehr mit­samt Mu­ni­ti­on, drei Mo­bil­te­le­fo­ne und meh­re­re Te­ra­byte elek­tro­ni­sches Da­ten­ma­te­ri­al si­cher.

„Wir ma­chen ernst mit der Ent­waff­nung der Reichs­bür­ger­sze­ne“, sag­te In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) den BNN an­läss­lich des Zu­griffs. Er sprach von po­ten­zi­ell ge­fähr­li­chen Per­so­nen, die die Exis­tenz der Bun­des­re­pu­blik und des Rechts­staats leug­nen. Das Land ge­he kon­se­quent ge­gen der­ar­ti­ge Um­trie­be vor.

Die Schät­zun­gen zur Zahl der Reichs­bür­ger schwan­ken: Laut dem Stutt­gar­ter In­nen­mi­nis­te­ri­um gibt es lan­des­weit rund 650, die Prä­si­den­tin des Lan­des­amts für Ver­fas­sungs­schutz, Bea­te Bu­be, ging jüngst in ei­nem In­ter­view von ei­ner „gro­ben Schätz­grö­ße“in Hö­he von 2 000 Per­so­nen aus. Ge­mes­sen an der Ge­samt­zahl der Be­völ­ke­rung im Süd­wes­ten sieht das zwar nach ei­ner be­herrsch­ba­ren Grö­ßen­ord­nung aus. Doch spä­tes­tens seit ein „Reichs­bür­ger“im Ok­to­ber ver­gan­ge­nen Jah­res in Bay­ern ei­nen Po­li­zei­beam­ten er­schoss und ei­nen wei­te­ren schwer ver­letz­te, se­hen In­nen­ex­per­ten ei­ne lan­ge un­ter­schätz­te Ge­fahr.

Auch für In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) ist die Grup­pie­rung mehr als ein Hau­fen harm­lo­ser Spin­ner. Er hat­te des­halb vor rund drei Wo­chen die Stadt­und Land­krei­se an­ge­wie­sen, iden­ti­fi­zier­te Reichs­bür­ger zu ent­waff­nen. Da­mit sind die Be­hör­den vor Ort der­zeit be­schäf­tigt. Kon­kre­te Rück­mel­dun­gen über An­zahl und re­gio­na­le Schwer­punk­te gibt es noch nicht, so ein Spre­cher des Mi­nis­te­ri­ums auf Nach­fra­ge. Nach Re­cher­chen der BNN könn­te der Land­kreis Karls­ru­he aber ei­ne meh­re­rer Hoch­bur­gen im Land sein. Dem Ver­neh­men nach sind hier rund 100 ein­schlä­gig be­kann­te Per­so­nen an­säs­sig; in der Re­gel han­delt es sich um Män­ner ge­setz­te­ren Al­ters. Die Reichs­bür­ger ver­wei­gern un­ter an­de­rem die Be­zah­lung von Buß­geld- und Pfän­dungs­be­schei­den und hal­ten staat­li­che Stel­len mit ab­we­gi­gen Ein­ga­ben auf Tr­ab. Oft be­vor­zu­gen sie un­gül­ti­ge Fan­ta­sie-Pa­pie­re.

Das Reichs­bür­ger-Phä­no­men ist den Staats­schüt­zern schon län­ger be­kannt, wie ein Mit­ar­bei­ter des Lan­des­amts für Ver­fas­sungs­schutz den BNN er­klär­te. Das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz hat ge­mein­sam mit den Lan­des­äm­tern bun­des­weit die Be­ob­ach­tung der Sze­ne in­ten­si­viert. Als Schwer­punkt­re­gi­on in Deutsch­land ha­ben Ex­per­ten Bran­den­burg iden­ti­fi­ziert.

Ver­däch­ti­ger woll­te sich Ma­schi­nen­pis­to­le be­sor­gen

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