Un­ge­lieb­ter Ein­wan­de­rer

Der Ka­li­ko­krebs wird in der Re­gi­on zu ei­nem im­mer grö­ße­ren Pro­blem

Pforzheimer Kurier - - SÜDWESTECHO -

Ras­tatt/Rhein­stet­ten/Karls­ru­he (kam/ lra). Der aus Nord­ame­ri­ka stam­men­de Ka­li­ko­krebs wird in der Re­gi­on ein im­mer grö­ße­res Pro­blem. Weil die Tie­re über Land wan­dern und so Am­phi­bi­en­ge­wäs­ser be­sie­deln, die kei­ne Ver­bin­dung zu Fließ­ge­wäs­sern ha­ben, sol­len nun auch Spazier­gän­ger Be­ob­ach­tun­gen die­ser Tie­re mel­den. Ent­spre­chen­de Hin­weis­schil­der wur­den in der Rhein­ebe­ne zwi­schen If­fez­heim und Rhein­stet­ten be­reits an­ge­bracht. Die Päd­ago­gi­sche Hoch­schu­le (PH) Karls­ru­he ap­pel­liert an Spazier­gän­ger, da­von Ge­brauch zu ma­chen. So kön­ne man wert­vol­le Er­kennt­nis­se über die Krebs­wan­de­rung er­hal­ten.

Seit über zwei Jah­ren forscht PH-Pro­fes­sor Andre­as Mar­tens zu­sam­men mit Stu­den­ten zum Ka­li­ko­krebs auf der Ge­mar­kung von Rhein­stet­ten. Adam Schnabler, der zu den ge­frä­ßi­gen Kreb­sen ei­ne Mas­ter­ar­beit ver­fass­te, be­stä­tig­te bei ei­nem Fachtref­fen mit Ex­per­ten aus der Re­gi­on so­wie aus Rhein­land-Pfalz im Ras­tat­ter Land­rats­amt, dass sich die Tie­re sehr schnell ver­meh­ren. Ein Weib­chen tra­ge zwi- schen 200 und 500 Eier, nach ei­ner Ent­wick­lungs­zeit von et­wa acht Wo­chen sei­en die Jung­kreb­se be­reits ge­schlechts­reif. Ge­wäs­ser bei Rhein­stet­ten, die an­ge­legt wur­den, um Am­phi­bi­en und Li­bel­len als Fort­pflan­zungs­ge­wäs­ser zu die­nen, sei­en mitt­ler­wei­le so stark von Ka­li­ko­kreb­sen be­ein­träch­tigt, dass dort kei­ne an­de­ren Ar­ten mehr vor­kom­men (wir be­rich­te­ten). Ty­pi­sches An­zei­chen für das Vor­kom­men der Kreb­se ist ei­ne Milch­kaf­fee­fär­bung der Ge­wäs­ser – durch den von den Tie­ren auf­ge­wir­bel­ten Schlamm. An ein­zel­nen Ge­wäs­sern sei­en in­ner­halb von nur zwei St­un­den mehr als 10 000 Ka­li­ko­kreb­se ge­fan­gen wor­den.

In Sinz­heim-Lei­ber­s­tung ist der Blick der Ex­per­ten auf ein ak­tu­el­les Pro­jekt ge­rich­tet. Dort wur­de um ein Ge­wäs­ser ei­ne Baum­stamm­bar­rie­re er­rich­tet, um zu ver­hin­dern, dass wei­te­re Ka­li­ko­kreb­se in den Teich ge­lan­gen. Die, die schon drin sind, sol­len ab­ge­fan­gen wer­den. In Rhein­stet­ten wer­den wei­te­re Maß­nah­men er­probt, dem Krebs Ein­halt zu ge­bie­ten. Ein Ge­wäs­ser­grund wur­de mit Kies auf­ge­schüt­tet und der Teich ab­ge­flacht. So kann das Ge­wäs­ser im Som­mer aus­trock­nen, was den un­ge­lieb­ten Tie­ren die Ver­meh­rung er­schwe­ren soll. Vie­le Ge­wäs­ser, die von Kom­mu­nen für Krö­ten, Frö­sche und Mol­che an­ge­legt wur­den, könn­ten we­gen der Zu­wan­de­rung des Kreb­ses ih­ren Zweck nicht mehr er­fül­len, hieß es. Trotz der be­reits ge­won­ne­nen Er­kennt­nis­se zu den Kreb­sen be­ste­he wei­te­rer For­schungs­be­darf. Der er­for­de­re al­ler­dings Per­so­nal und Mit­tel, die der­zeit nicht zur Ver­fü­gung stün­den, hieß es.

VER­MEHRT SICH SCHNELL: Der Ka­li­ko­krebs stammt aus Nord­ame­ri­ka und be­völ­kert Ge­wäs­ser in der Re­gi­on. Fo­to: LA Ras­tatt

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