Ne­rin­ge Va­si­l­aus­kai­te mit dem art KARLS­RU­HE-Preis ge­ehrt

Pforzheimer Kurier - - KULTUR -

Spie­gel spie­len in der Kunst­ge­schich­te ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel für die Fas­zi­na­ti­on, die das Mo­tiv auf Künst­ler un­ter­schied­lichs­ter Epo­chen aus­üb­te, ist et­wa Jan van Eycks „Ar­nol­fi­ni Hoch­zeit“(1434), ein Dop­pel­por­trät, auf dem ein ge­wölb­ter Spie­gel im Hin­ter­grund zu­sätz­li­che Rau­mein­drü­cke ver­mit­telt. Aber auch die „Ve­nus vor dem Spie­gel“(1648 bis 1651) von Die­go Veláz­quez oder Edouard Ma­nets Ge­mäl­de „Un bar aux Fo­lies Ber­gè­re“(1881/1882) ge­hö­ren zu den Wer­ken, in de­nen Ma­ler das Spie­gel­mo­tiv nutz­ten.

Im 20. Jahr­hun­dert wur­den dann Spie­gel selbst als Ma­te­ri­al künst­le­ri­scher Pra­xis ge­nutzt, sei es et­wa von Da­ni­el Bu­ren, der 1991 das in ei­nem rie­si­gen ehe­ma­li­gen La­ger­haus un­ter­ge­brach­te CAPC Bor­deaux in ein op­tisch ver­wir­ren­des Ge­samt­kunst­werk ver­wan­del­te, sei es von Ger­hard Rich­ter, der sich ab 1980 mit gro­ßen Spie­gel­ar­bei­ten aus Kris­tall­schei­ben be­fass­te.

Ei­nen neu­en Ak­zent in die­ser Ent­wick­lung setzt nun Ne­rin­ge Va­si­l­aus­kai­te, die ges­tern mit dem art KARLSRUHEP­reis ge­ehrt wur­de. Die Künst­le­rin kon­zen­triert ihr Werk auf Spie­gel­flä­chen, die sie auf höchst avan­cier­te Wei­se be­han­delt. In meh­re­ren Schich­ten baut die Künst­le­rin ih­re Ar­bei­ten so auf, dass sie glei­cher­ma­ßen als Spie­gel wie als mo­no­chro­me Far­be­reig­nis­se wir­ken. Dem Be­trach­ter kommt da­bei be­son­de­re Be­deu­tung zu. Zum ei­nen wird er in der Be­geg­nung mit sei­nem Spie­gel­bild im­mer wie­der auf sich selbst zu­rück­ge­wor­fen, zum an­de­ren ver­än­dert sich, wäh­rend er sich zwi­schen den Ar­bei­ten be­wegt, de­ren Farb­wir­kung: Opa­li­sie­ren­de Ef­fek­te ent­ste­hen, die den Ar­bei­ten von Va­si­l­aus­kai­te ei­ne nach­ge­ra­de sur­rea­le Au­ra ver­lei­hen. Zugleich kann man die mit tech­ni­schem Raf­fi­ne­ment ge­fer­tig­ten Flä­chen in ih­rer hy­per­per­fek­ten Cool­ness als Spie­gel­bil­der ei­ner Ge­sell­schaft se­hen, in der sich das ein­zel­ne Sub­jekt in ei­ner von glat­ter High­tech-Äs­t­he­tik ge­präg­ten Um­ge­bung zu fort­lau­fen­der Selbst­ver­voll­komm­nung her­aus­ge­for­dert oder ge­nö­tigt fühlt.

Ne­rin­ga Va­si­l­aus­kai­te ist 1984 in Li­tau­en ge­bo­ren und hat zu­nächst an der Kunst­aka­de­mie Vil­ni­us ein Stu­di­um in Glas­kunst ab­sol­viert, das sie 2008 mit dem Mas­ter ab­schloss. 2011 be­gann sie ein Auf­bau­stu­di­um an der Kunst­aka­de­mie Mün­chen. In der baye­ri­schen Lan­des­haup­stadt ist auch die Ga­le­rie Smu­da­jeschek an­ge­sie­delt, die sich ges­tern eben­falls über die Aus­zeich­nung freu­en durf­te. Denn mit dem ge­mein­sam vom Land Ba­den-Würt­tem­berg und von der Stadt Karls­ru­he aus­ge­lob­ten art KARLS­RU­HE-Preis soll nicht nur das Werk ei­ner Künst­le­rin oder ei­nes Künst­lers, son­dern auch die Ar­beit der je­wei­li­gen Ga­le­rie ge­wür­digt wer­den.

Be­reits zum zehn­ten Mal wur­de der mit 15 000 Eu­ro do­tier­te Preis ver­lie­hen, wie der Initia­tor und Ku­ra­tor der art, Ewald Karl Schra­de, ges­tern bes­tens ge­launt kund­tat. Die­ser Er­folg ver­dan­ke sich nicht zu­letzt dem Um­stand, dass er „mit Be­geis­te­rung und Herz­blut“bei der Sa­che sei, wie Staats­se­kre­tä­rin Kath­rin Schütz als Ver­tre­te­rin Ba­denWürt­tem­bergs in ei­ner kur­zen An­spra­che er­klär­te. Das Land fi­nan­ziert den Preis zur Hälf­te, die an­de­ren 50 Pro­zent gibt die Stadt Karls­ru­he, für die – wie in frü­he­ren Jah­ren – Kul­tur­bür­ger­meis­ter Wolf­ram Jä­ger sprach. Micha­el Hübl

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