„Deutsch­land lie­ben wie das ei­ge­ne Land“

Bünd­nis­se und Grup­pie­run­gen für Flücht­lin­ge pla­nen ein ge­mein­sa­mes In­te­gra­ti­ons­bünd­nis

Pforzheimer Kurier - - PFORZHEIM - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Ron Tee­ger

„In­te­gra­ti­on ist nie­mals ei­ne Ein­bahn­stra­ße“, sag­te Ober­bür­ger­meis­ter Gert Ha­ger bei der Er­öff­nungs­re­de zur Ver­an­stal­tung „In­te­gra­ti­on ge­mein­sam be­we­gen“im klei­nen Saal des Con­gres­sCen­trum Pforz­heim (CCP). Er er­war­te von den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern dass sie of­fen ge­gen­über Mi­gran­ten sei­en. Schließ­lich sei al­les, was aus ei­nem an­de­ren Land, ei­ner an­de­ren Kul­tur nach Pforz­heim ge­bracht wer­de, ei­ne Be­rei­che­rung für die Stadt. Es gin­ge heu­te auch um die Ent­wick­lung der Stadt­ge­sell­schaft in den nächs­ten Jah­ren. So­zi­al­bür­ger­meis­te­rin Mo­ni­ka Mül­ler er­gänz­te: „In­te­gra­ti­on ist ein Pro­zess der nie fer­tig ist“. Ziel sei es, die ver­schie­de­nen Bünd­nis­se und Grup­pie­run­gen rund um die Flücht­lin­ge zu­sam­men­zu­füh­ren und ein In­te­gra­ti­ons­bünd­nis zu bil­den. Des­halb rie­fen Gert Ha­ger und Mo­ni­ka Mül­ler da­zu auf, sich am neu­en In­te­gra­ti­ons­bünd­nis zu be­tei­li­gen. Ge­sucht wer­den Part­ner aus Or­ga­ni­sa­tio­nen und Ak­teu­re, die sich mit In­te­gra­ti­on be­schäf­ti­gen.

„Ent­schei­dend ist nicht was wir reintun, son­dern was raus kommt“, zi­tier­te die Bür­ger­meis­te­rin den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten von Ba­den Würt­tem­berg, Win­fried Kret­sch­mann. Be­reits 1 500 Schü­ler sei­en in­zwi­schen mit Vor­be­rei­tungs­kur­sen ver­sorgt. Es gä­be aber noch deut­li­che De­fi­zi­te bei Kin­dern, die noch nicht zur Schu­le gin­gen. Son­ja Win­ter von der GBE stell­te das Netz­werk zur In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen in Ar­beit (NIFA) vor, bei dem es in ers­ter Li­nie dar­um ge­he, pass­ge­naue Maß­nah­men zu fin­den, um Flücht­lin­ge nach­hal­tig und ih­ren Fä­hig­kei­ten ent­spre­chend in Ar­beit zu brin­gen. Un­ter an­de­rem be­ra­te man hier­für auch Ar­beit­ge­ber und schu­le eh­ren­amt­li­che Ar­beits­be­glei­ter.

Die In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der Stadt Pforz­heim Ani­ta Gon­dek gab zu be­den­ken, dass nur 25 Pro­zent der Flücht­lin­ge zur so­ge­nann­ten bil­dungs­fer­nen Schicht ge­hör­ten. 50 Pro­zent hät­ten im Her­kunfts­land be­reits Be­rufs­er­fah­rung und 25 Pro­zent wä­ren gar Aka­de­mi­ker. Nach­dem Nat­ha­lie Ho­hen­stein vom Job­cen­ter Pforz­heim die Fach­stel­le für In­te­gra­ti­on (FIN) vor­ge­stellt hat­te, trat Ts­ha­ma­la Schwei­zer, der Ge­schäfts­füh­rer von Afro­kids In­ter­na­tio­nal, ans Red­ner­pult. „Es ist schön zu se­hen, wie sich Men­schen für an­de­re Men­schen ein­set­zen“, be­gann er sei­ne Re­de. Als er vor 25 Jah­ren aus der De­mo­kra­ti­schen Re­pu­blik Kon­go, wo er Po­li­tik und Psy­cho­lo­gie stu­diert hat­te, nach Deutsch­land kam, wä­re es in ers­ter Li­nie dar­um ge­gan­gen, wie man die Flücht­lin­ge schnellst­mög­lich wie­der zu­rück­schi­cken könn­te – und we­ni­ger um In­te­gra­ti­on. Er ha­be mit acht Men­schen auf 24 Qua­drat­me­tern ge­wohnt. Dieb­stäh­le und Schlä­ge­rei­en sei­en an der Ta­ges­ord­nung ge­we­sen. Da be­schloss er, sich zu en­ga­gie­ren und mit Ver­samm­lun­gen Ord­nung ins Cha­os zu brin­gen. Er ha­be sich selbst deutsch be­ge­bracht, da es da­mals kei­ne Sprach­kur­se ge­ge­ben ha­be. Und ge­nau da­rin sieht er heu­te ein Pro­blem. Es wer­de al­les für die Flücht­lin­ge ge­tan, wes­halb es kei­ne Ei­gen­in­itia­ti­ve mehr ge­be. Man ma­che ei­nen Sprach­kurs nicht mehr weil man ihn ma­chen wol­le, son­dern weil man ihn ma­chen müs­se. Deutsch­land sei aber auf ei­nem sehr gu­ten Weg. Zum Ab­schluss ap­pel­lier­te er an al­le Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, Deutsch­land so zu lie­ben wie ihr ei­ge­nes Land und sich in der Ge­sell­schaft zu en­ga­gie­ren. Man müs­se ge­mein­sam für ei­ne ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on kämp­fen, auch wenn es vie­le Angst­ma­cher ge­be.

Ober­bür­ger­meis­ter Ha­ger wies am En­de auf die am 20. März um 17 Uhr im Rat­haus statt­fin­den­de öf­fent­li­che Sit­zung be­züg­lich des Pforz­hei­mer In­te­gra­ti­ons­bünd­nis­ses hin.

GE­MEIN­SAM FÜR EI­NE BES­SE­RE IN­TE­GRA­TI­ON: Nat­ha­lie Hoh­ei­sen, Sa­bi­ne Jost, Ani­ta Gon­dek, Mo­ni­ka Mül­ler, Gert Ha­ger, Ts­ha­ma­la Schwei­zer und Son­ja Win­ter (von links). Fo­to: Wa­cker

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