„Das Boot“auf Tauch­sta­ti­on in der Kul­tur­hal­le

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Es gibt Stü­cke, die sind wie für die Büh­ne ge­macht. „Das Boot“in der aus­ver­kauf­ten Kul­tur­hal­le Rem­chin­gen am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag ge­hör­te nicht da­zu. Dies lag al­ler­dings nicht an den Schau­spie­lern, die ei­ne gu­te Leis­tung ab­lie­fer­ten und zu­recht am En­de mit viel Ap­plaus be­dacht wur­den. Ob sie nun ei­ne Pa­nik­at­ta­cke si­mu­lier­ten, sich bei An­griffs­sze­nen wie sei­ner­zeit Cap­tain Kirk auf der En­ter­pri­se wild von ei­ner Sei­te zur an­de­ren und auf den Bo­den war­fen oder mit blan­kem Hin­tern durchs Boot rann­ten. Sie hol­ten aus dem Stück her­aus, was raus­zu­ho­len war. Es lag auch nicht am lie­be­voll ge­stal­te­ten Büh­nen­bild, das auf engs­tem Raum Ko­jen, Ge­fechts­stand, Of­fi­ziers­mes­se und Aus­guck de­tail­reich dar­stell­te. Auch die Licht­stim­mung war zu je­der Zeit pas­send, egal ob Rot­licht beim An­griff, schum­me­ri­ges, grü­nes Licht in der Nacht oder die wirk­lich ge­lun­ge­ne, sub­ti­le Hin­ter­grund­be­leuch­tung.

Die we­ni­gen Sound­ef­fek­te wa­ren gut ge­wählt, so­dass bei­spiels­wei­se die Tor­pe­do­an­grif­fe auf das Boot durch­aus greif­bar wur­den und teil­wei­se so­gar für ein we­nig Be­klem­mung sorg­ten. Gu­tes Licht, gu­te Sound­ef­fek­te, gu­te schau­spie­le­ri­sche Leis­tung. Wie­so war die­ses Stück dann trotz­dem kei­ne ge­lun­ge­ne Büh­nen­ad­ap­ti­on? Dies lag an der Um­set­zung und Ge­wich­tung der Ge­schich­te. Zwei Bei­spie­le: Bei ei­nem Tor­pe­do­an­griff auf feind­li­che Zer­stö­rer ste­hen ei­ni­ge Schau­spie­ler auf Deck und be­ob­ach­ten den An­griff. Be­feh­le wer­den ins Boot hin­ein­ge­ru­fen und Mel­dun­gen kom­men zu­rück. Mehr pas­siert nicht. In ei­nem Film wä­re die­se Sze­ne von span­nen­der Mu­sik un­ter­malt, schnel­le Schnit­te auf an­ge­spann­te Ge­sich­ter, Bil­der des Tor­pe­dos im Was­ser, wie er sich dem feind­li­chen Schiff nä­hert, ge­folgt von der Ex­plo­si­on des sel­bi­gen. All dies fehl­te. An­de­re Sze­ne: Das Boot liegt in 280 Me­ter Tie­fe. Die Cr­ew ist an­ge­spannt. Wird man es wie­der an die Ober­flä­che schaf­fen? „An­bla­sen“wird be­foh­len und das Schiff hebt sich. Der Rumpf knirscht und ei­ner der Of­fi­zie­re sagt: „280 Me­ter, 270 Me­ter, 260 Me­ter…“– da­zwi­schen lie­gen je­des mal zehn Se­kun­den, was da­zu führt, dass das Auf­tau­chen bis Pe­ris­kop­tie­fe quä­lend lan­ge vier Mi­nu­ten dau­ert. Auch im Film wür­de das Auf­tau­chen lan­ge dau­ern. Aber mit span­nen­der Mu­sik un­ter­malt, ei­ner Au­ßen­an­sicht des

Mehr Ac­tion als Ge­füh­le auf die Büh­ne ge­bracht

Boo­tes wie es an Fel­sen vor­bei­schrammt, die Ge­sich­ter der Män­ner in Groß­auf­nah­me, dann die Tie­fen­an­zei­ge die sich Mil­li­me­ter­wei­se be­wegt. Es fehl­te die Dy­na­mik, die ner­venz­er­fet­zen­de Span­nung. Nur sel­ten konn­ten die Schau­spie­ler wirk­lich zei­gen, was in ih­nen steckt. In der Sze­ne et­wa, als es um die Auf­nah­me feind­li­cher Schiff­brü­chi­ger ging und sich vor al­lem bei dem Kriegs­be­richt­er­stat­ter an Bord Fas­sungs­lo­sig­keit breit­mach­te, als man die­se zu­rück­ließ. Pa­ra­do­xer­wei­se wur­den die Sze­nen, die das Stück wirk­lich büh­nen­reif ge­macht hät­ten, ex­trem kurz ge­hal­ten. Die zu­neh­men­de Be­klem­mung, als das Boot in der Tie­fe fest­steck­te oder die Sze­ne, als Jo­hann durch­dreh­te, wä­ren bes­tens ge­eig­net ge­we­sen, die Ge­füh­le und Emp­fin­dun­gen der Prot­ago­nis­ten her­vor­zu­he­ben. Durch die sehr viel stär­ke­re Ge­wich­tung von Ac­tion­sze­nen ge­gen­über Ge­fühls­sze­nen wirk­te das Stück lei­der groß­teils lang­at­mig bis lang­wei­lig. Dar­an konn­te auch die Ga­li­ons­fi­gur Har­dy Krü­ger jr. nichts än­dern. Ron Tee­ger

GA­LI­ONS­FI­GUR im Stück „Das Boot“ist Har­dy Krü­ger jr. (wei­ße Kap­pe), der in die­ser Sze­ne mit den Of­fi­zie­ren und dem Kriegs­be­richt­er­stat­ter (wei­ßer Pul­li) re­det. Fo­to: Tee­ger

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