Ver­rat an der Na­tur

Pforzheimer Kurier - - ENZKREIS -

Zum Ar­ti­kel „Wi­der­spruch ge­gen Bau­ge­neh­mi­gung“vom 14. Fe­bru­ar: Die Wald­wan­de­rung zwi­schen Den­nach und Do­bel war wirk­lich ein trau­ri­ger An­lass. Sie führ­te vom Drei­mark­stein ent­lang des be­rühm­ten eu­ro­päi­schen Fern­wan­der­we­ges Pforz­heim-Ba­sel, wo be­reits er­heb­li­che Ro­dungs­maß­nah­men statt­ge­fun­den ha­ben, zum Stand­ort der Wind­in­dus­trie­an­la­ge Nr. 10 von ins­ge­samt 11 x 200 Me­ter ho­hen An­la­gen, die so hoch sind wie der Stutt­gar­ter Fern­seh­turm.

Ort die­ses Wald­fre­vels: der Na­tur­park Schwarz­wald Mit­te Nord und ein für die Wind­in­dus­trie „um­ge­wan­del­tes“Land­schafts­schutz­ge­biet – laut Wind­at­las ein Schwach­wind­ge­biet.

Die­se Wind­in­dus­trie­an­la­gen (WEA) sind Kraft­wer­ke mit cir­ca 1 000 Li­tern Was­ser ge­fähr­den­den Che­mi­ka­li­en im In­ne­ren und sie lie­gen auch mit­ten im Was­ser­schutz­ge­biet und in der Nä­he von Qu­ell­ge­bie­ten auf Strau­ben­hard­ter Ge­mar­kung. Vie­le Mit­bür­ger, die sich vor Ort vom Aus­maß der Na­tur­zer­stö­rung ein Bild ma­chen woll­ten, wa­ren er­schüt­tert, fas­sungs­los, nie­der­ge­schla­gen und im­mer wie­der hör­te man die Be­mer­kung „das hat­te ich mir nicht so vor­ge­stellt“.

Er­schüt­tert wa­ren vie­le Bür­ger über das Vor­ge­hen der Be­hör­den im­mer im Sin­ne des In­ves­tors und über das Durch­re­gie­ren sei­tens der Lan­des­re­gie­rung. Zu­dem hat­ten vie­le Teil­neh­mer we­nig Ah­nung, ob­wohl die Bür­ger-Initia­ti­ve Ge­gen­wind Strau­ben­hardt wahr­lich ge­nug Öf­fent­lich­keits­ar­beit leis­tet. Es ist un­ver­ständ­lich, mit wel­cher Gleich­gül­tig­keit und Des­in­ter­es­se die Zer­stö­rung der Na­tur in der Be­völ­ke­rung hin­ge­nom­men wird für ei­ne Ener­gie­form, die nicht be­darfs­ge­recht zur Ver­fü­gung steht. Man­che der Mit­wan­de­rer ga­ben an, sie hät­ten „Grün“ge­wählt im gu­ten Glau­ben. Sie sind nun fas­sungs­los über den Ver­rat der Grü­nen an der Na­tur.

Nicht zu ver­ges­sen: Staats­wald und Ge­mein­de­wald sind öf­fent­li­ches Ei­gen­tum. Den Haupt­nut­zen hat aber nicht die Ge­mein­de Strau­ben­hardt mit ver­gleichs­wei­se be­schei­de­nen Pacht­ein­nah­men, son­dern der In­ves­tor über die EEG Um­la­ge, in die­sem Fal­le Diet­mar Hopp, mit 51 Pro­zent an der Wir­sol Wind­park Strau­ben­hardt Gm­bH & Co. KG be­tei­ligt. Für den Strom­kun­den dreht sich die Strom­preis-Spi­ra­le in der­sel­ben Aus­ga­be wei­ter.

Die Rück­sichts­lo­sig­keit des Vor­ge­hens bei den Ro­dungs­ar­bei­ten, die Nicht­ein­hal­tung von Ne­ben­be­stim­mun­gen und die of­fen­sicht­li­che Frei­ga­be der Zu­we­gun­gen durch die Ge­mein­de Strau­ben­hardt und die wi­der­recht­li­che Ro­dung im Ge­mein­de­wald, ob­wohl der Ge­stat­tungs­ver­trag noch nicht un­ter­schrie­ben ist, hat mitt­ler­wei­le be­reits zu zwei An­zei­gen bei der Staats­an­walt­schaft ge­führt. Man fragt sich zu­recht, war­um Wind und Son­ne als „Säu­len“der Ener­gie­wen­de be­zeich­net wer­den, Säu­len, die nicht ein­mal als Stroh­halm be­zeich­net wer­den kön­nen.

Wind und Son­ne ste­hen nicht im­mer zur Ver­fü­gung. Groß­bat­te­rie­spei­cher für so­ge­nann­te Wind­parks gibt es noch nicht und wä­ren un­be­zahl­bar, das soll­te ei­gent­lich je­der wis­sen. Und die Atom­kraft­wer­ke wer­den al­le bis 2022 ab­ge­schal­tet sein. Die so oft vor­ge­brach­te Be­mer­kung: „Ich schaue lie­ber auf ein Wind­rad als auf ein Atom­kraft­werk“, greift nicht mehr. Chris­tel Oli­vier Strau­ben­hardt

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